Manche Filme betreten den Kinosaal mit einem Versprechen, das schon auf dem Plakat vollständig erklärt ist. Ein Mann mit Vergangenheit, ein Rachefeldzug, eine Armee austauschbarer Schurken und Jason Statham, der stoisch durch die Gegend marschiert und alles aus dem Weg räumt, was sich ihm entgegenstellt. A Working Man macht daraus kein Geheimnis. Regisseur David Ayer liefert genau jenen geradlinigen Actionfilm, den man erwartet. Das Problem ist nur, dass der Film kaum mehr bietet als diese Erwartung.
Jason Statham ist längst zur eigenen Marke geworden. Seit The Transporter, Crank, The Expendables und zuletzt The Beekeeper steht er für das Ein-Mann-Abrissunternehmen auf der Leinwand. Harte Fäuste, knapper Blick, wenig Worte und die klare Botschaft, dass jemand eben selbst handeln muss, wenn das Gesetz versagt. Auch in A Working Man bleibt er diesem Rollenbild treu. Er spielt Levon Cade, einen ehemaligen Elitekämpfer, der dem schmutzigen Geschäft den Rücken gekehrt hat und inzwischen als Bauarbeiter in Chicago ein unauffälliges Leben führen will. Natürlich hält diese neue Ruhe nur so lange, bis die Handlung den ersten Einschlag braucht.
Als die Tochter seines Chefs entführt wird, die für Cade fast wie eine eigene Tochter ist, setzt er alle Sicherungen außer Kraft. Hinter der Entführung steckt ein Menschenhändlerring, und Cade beginnt die erwartbare Ein-Mann-Rettungsaktion. Die Geschichte folgt dabei so genau der bekannten Actionformel, dass man viele Stationen schon erkennt, bevor sie überhaupt ausgespielt werden. Ein Trauma aus der Vergangenheit, eine Ersatzfamilie, eine persönliche Schuld, ein klar markiertes Feindbild und eine Reihe von Schurken, die nur darauf warten, von Statham aus dem Verkehr gezogen zu werden.
Das wäre nicht zwingend ein Problem. Ein Film wie A Working Man muss das Genre nicht neu erfinden, solange er seine vertrauten Bausteine mit genug Wucht, Stil oder Persönlichkeit füllt. Genau daran scheitert er jedoch über weite Strecken. David Ayer und Drehbuch-Co-Autor Sylvester Stallone wissen eigentlich, wie man harte Genrekost mit markanten Figuren verbindet. Hier wirkt vieles jedoch überraschend blass. Die Handlung ist funktional, die Konflikte bleiben behauptet, und die Dialoge klingen oft, als wären sie aus einem Standardbaukasten für Selbstjustiz-Thriller zusammengesetzt.
Auch die Action bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Es gibt Kämpfe, Schießereien und einige solide Schauplätze, doch nur wenig davon bleibt wirklich hängen. Die Choreografien wirken oft hektisch, die Kamera rückt so nah an das Geschehen, dass man mehr Bewegung als Präzision wahrnimmt, und der Schnitt nimmt vielen Szenen die körperliche Klarheit, die Statham-Filme eigentlich auszeichnen kann. Gerade bei einem Darsteller, der Action mit Präsenz und Physis verkaufen kann, ist das enttäuschend. A Working Man hat Gewalt, Härte und Tempo, aber zu selten echte Setpieces.
Bei den Figuren sieht es kaum besser aus. Statham bemüht sich, Levon Cade zumindest etwas Schwere zu geben, doch das Drehbuch lässt ihm wenig Raum. Seine Vergangenheit, sein Verhältnis zur eigenen Tochter, die Loyalität zu seinem Chef und die angebliche innere Zerrissenheit bleiben eher Stichworte als echte emotionale Anker. Cade soll ein Mann sein, der viel verloren hat und nun doch wieder kämpfen muss. Zu spüren ist davon allerdings wenig. Meist wirkt er wie die nächste Variation derselben Statham-Figur, die erst schweigt, dann zuschlägt und am Ende recht behält.
Die Nebenfiguren haben es noch schwerer. Michael Peña, David Harbour und Jason Flemyng bringen grundsätzlich genug Präsenz mit, werden aber weitgehend verschenkt oder in überzeichnete Rollen gedrängt. Besonders die russische Mafia wirkt wie ein Relikt aus älteren Actionfilmen, in denen Schurken vor allem durch Akzent, Brutalität und schlechte Manieren definiert wurden. Das kann funktionieren, wenn ein Film es mit Selbstironie oder überzeichneter Lust am Genre spielt. A Working Man nimmt seine Klischees jedoch erstaunlich ernst und wirkt dadurch altmodischer, als er vermutlich sein möchte.
Dabei gibt es durchaus Ansätze, die mehr versprochen hätten. Der Nebenstrang um Cades eigene Tochter deutet kurz an, dass der Film Themen wie Trauma, Schuld und zweite Chancen ernster nehmen könnte. Auch die Idee eines Mannes, der versucht, nach einem gewalttätigen Leben in einer normalen Arbeitswelt Fuß zu fassen, hätte Potenzial. Doch immer wenn A Working Man interessanter werden könnte, zieht er sich wieder in die vertraute Komfortzone zurück. Statt Charakterentwicklung gibt es den nächsten Schlagabtausch, statt innerem Konflikt den nächsten finsteren Blick.
Visuell ist der Film solide, aber selten aufregend. Einige Kulissen wirken hochwertig, die Kameraarbeit ist grundsätzlich ordentlich, und Ayers Gespür für urbane Härte blitzt gelegentlich durch. Dennoch fehlt dem Film ein prägnanter eigener Stil. Weder die Baustellenwelt noch das kriminelle Milieu bekommen genug Eigenleben, um sich deutlich von anderen Actionthrillern abzuheben. Auch die Musik und das Sounddesign bleiben austauschbar. Mal klingt alles nach Standard-Action, mal nach unfreiwilliger Überhöhung, aber selten nach einer klaren ästhetischen Entscheidung.
Das größte Problem ist am Ende nicht, dass A Working Man simpel ist. Viele gute Actionfilme sind simpel. Das Problem ist, dass der Film kaum Persönlichkeit besitzt. Er wirkt wie ein routiniert produzierter Genrebeitrag, der alle bekannten Zutaten abhakt, ohne ihnen neuen Geschmack zu geben. Für Statham-Fans gibt es natürlich einige kernige Momente, ein paar trockene Blicke und genug Szenen, in denen er kompromisslos aufräumt. Doch wer auch nur ein wenig Überraschung, Selbstironie oder besondere Energie erwartet, wird hier wenig finden.
Fazit
Gleichzeitig verschenkt der Film viel Potenzial. Die Figuren bleiben flach, die Handlung ist generisch, und die Action wirkt zu selten wirklich erinnerungswürdig. Aus der Vorlage und aus der Besetzung hätte deutlich mehr entstehen können. So bleibt A Working Man ein routinierter, aber überraschend lebloser Statham-Thriller, dem mehr Biss, mehr Stil und vor allem mehr Mut zur Eigenständigkeit gutgetan hätten.











