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Kino-Kritik: Männer, die auf Ziegen starren

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · YouGame Redaktion
Filmbild: Männer, die auf Ziegen starren

Schon lange gab es keinen Filmtitel mehr, der sich so schnell im Gedächtnis festsetzt wie Männer, die auf Ziegen starren. Allein dieser Name weckt Neugier und verspricht eine Geschichte, die irgendwo zwischen Militärsatire, absurdem Agentenfilm und komplettem Wahnsinn angesiedelt ist. Regisseur Grant Heslov kann dazu auf ein beeindruckendes Ensemble zurückgreifen. George Clooney, Jeff Bridges, Ewan McGregor, Kevin Spacey und Stephen Lang geben sich hier die Klinke in die Hand. Eigentlich müsste bei einer Satire, die lose auf realen Begebenheiten beruht, also wenig schiefgehen. Ganz so einfach ist es am Ende aber nicht.

Im Mittelpunkt steht Bob Wilton, gespielt von Ewan McGregor. Er ist ein Kleinstadtreporter, der nach einer großen Geschichte sucht und dabei zunächst auf den Frühpensionisten Gus Lacey trifft. Dieser lebt bei seiner Mutter und behauptet, während seiner Zeit beim Militär außergewöhnliche Fähigkeiten gelernt zu haben. Gedanken lesen, Menschen mit Blicken beeinflussen, sogar mit reiner Konzentration töten. Bob hält ihn für einen Spinner und sieht in seinen Erzählungen zunächst nicht mehr als die Fantasien eines Mannes, der zu viel Zeit mit sich selbst verbracht hat.

Kurz darauf gerät Bobs eigenes Leben aus den Fugen. Seine Frau verlässt ihn, und um sich selbst zu beweisen, dass er mehr ist als ein lokaler Reporter ohne große Ambitionen, reist er in den Nahen Osten. Dort will er über den Irakkrieg berichten, kommt aber zunächst nicht einmal aus Kuwait heraus. Statt journalistischer Frontnähe erlebt er Hotelbars, Stillstand und das Gefühl, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Dann begegnet er Lyn Cassady, gespielt von George Clooney, einem Mann, dessen Name bereits in Gus Laceys Geschichten gefallen ist.

Lyn hält sich für einen ehemaligen Supersoldaten und Jedi-Krieger, ausgebildet in einem geheimen Militärprogramm, das mit übersinnlichen Kräften, Bewusstseinserweiterung und alternativen Kampftechniken experimentierte. Für Bob klingt das völlig absurd. Doch Lyn nimmt ihn kurzerhand auf eine angeblich geheime Mission mit und beginnt, ihm nach und nach die Geschichte der sogenannten New Earth Army zu erzählen. Aus Bobs gescheitertem Versuch, Kriegsreporter zu werden, wird eine Reise durch militärische Esoterik, Wüstenwahnsinn und die Frage, wie viel Unsinn in realen Machtapparaten tatsächlich Platz finden kann.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch von Jon Ronson, nimmt sich aber viele Freiheiten. Das merkt man der Struktur deutlich an. Männer, die auf Ziegen starren wirkt weniger wie eine geradlinige Erzählung als wie eine Sammlung skurriler Episoden, die durch Bob und Lyn zusammengehalten werden. Drehbuchautor Peter Straughan greift einzelne absurde Ideen und Ereignisse auf und baut daraus eine Handlung, die bewusst immer wieder ins Groteske kippt. Mal funktioniert das hervorragend, mal wirkt der Film etwas lose zusammengesetzt.

Besonders gelungen sind die Rückblicke in die 70er- und 80er-Jahre, in denen die Entstehung der New Earth Army erzählt wird. Jeff Bridges spielt Bill Django als eine Art Hippie-Militärguru, der Krieg nicht mit klassischer Gewalt, sondern mit Bewusstsein, Energie, Tanz, Musik und spiritueller Überlegenheit neu denken möchte. Diese Passagen gehören zu den stärksten Momenten des Films, weil sie den absurden Kern der Geschichte am besten treffen. Man lacht über die Idee, dass ausgerechnet das Militär mit pazifistischer Esoterik experimentiert, und erschrickt gleichzeitig darüber, wie plausibel manche Absurdität in diesem Umfeld wirkt.

George Clooney spielt Lyn Cassady mit sichtbarer Freude an der schrägen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lächerlichkeit. Lyn glaubt an seine Fähigkeiten, oder will zumindest unbedingt daran glauben. Gerade dadurch funktioniert die Figur. Clooney macht ihn nicht zur reinen Witzfigur, sondern zu einem Mann, der zwischen echter Überzeugung, verdrängtem Scheitern und militärischem Größenwahn schwankt. Ewan McGregor ist als Bob der passende Gegenpol. Er betrachtet das Geschehen mit Skepsis, lässt sich aber immer weiter hineinziehen, weil er selbst nach Sinn, Abenteuer und einer besseren Geschichte über sich sucht.

Auch Kevin Spacey fügt sich als verbissener Gegenspieler gut in dieses absurde Militärpanoptikum ein. Seine Figur bringt jene unangenehme Härte in den Film, die zeigt, dass aus lächerlichen Ideen in einem Machtapparat schnell gefährliche Konsequenzen entstehen können. Männer, die auf Ziegen starren ist am besten, wenn er diese Balance hält. Dann ist der Film lustig, schräg und zugleich eine bitterböse Satire auf militärischen Ehrgeiz, Männerfantasien und den Wunsch, Krieg irgendwie sauberer, intelligenter oder spiritueller erscheinen zu lassen.

Nicht alles sitzt jedoch. Manche Szenen wirken wie Lückenfüller, einige Pointen verlaufen im Sand, und die Handlung verliert zwischendurch spürbar an Zug. Der Film hat viele gute Ideen, aber nicht immer eine Form, die sie konsequent bündelt. Gerade weil die Prämisse so stark ist und das Ensemble so hochkarätig besetzt wurde, hätte man sich stellenweise eine schärfere, konzentriertere Satire gewünscht.

Schade ist auch, dass der Film aktuelle politische Themen nur am Rand wirklich trifft. Der Irakkrieg bildet zwar den Hintergrund, wird aber selten so kritisch oder präzise aufgegriffen, wie es möglich gewesen wäre. Männer, die auf Ziegen starren macht sich über militärische Absurditäten lustig, bleibt aber oft bei der Schrulligkeit einzelner Figuren stehen. Die größere Systemkritik blitzt immer wieder auf, wird aber nicht so konsequent verfolgt, wie es dem Film gutgetan hätte.

Trotzdem besitzt der Film einen ganz eigenen Charme. Er lebt von seinem Ensemble, seinem trockenen Humor und der Freude an Situationen, die so absurd sind, dass man sie sich kaum ausdenken würde. Gerade die Mischung aus Roadmovie, Kriegssatire und esoterischer Militärfarce sorgt dafür, dass Männer, die auf Ziegen starren deutlich anders wirkt als viele andere Komödien dieser Zeit.

Fazit

YouGame Redaktion
YouGame Redaktion
Männer, die auf Ziegen starren ist eine skurrile, charmante und stellenweise sehr witzige Militärsatire, die vor allem durch ihr starkes Ensemble getragen wird. George Clooney, Ewan McGregor und Jeff Bridges haben sichtlich Spaß an diesem absurden Stoff und schaffen es, auch schwächere Szenen am Leben zu halten. Die besten Momente entstehen immer dann, wenn der Film militärischen Größenwahn und spirituelle Selbstüberschätzung direkt aufeinanderprallen lässt.

Ganz rund ist das Ergebnis aber nicht. Die episodische Struktur sorgt für einige Längen, manche Pointen bleiben liegen, und die politische Schärfe hätte deutlicher ausfallen dürfen. Trotzdem ist Männer, die auf Ziegen starren ein unterhaltsamer Film mit eigenem Ton, vielen schrägen Einfällen und genug Charme, um trotz seiner Schwächen im Gedächtnis zu bleiben.

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