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Kino-Kritik: Vaiana 2

· ca. 6 Min. Lesezeit · Kino · Walt Disney Studios Motion Pictures · Andreas Zommer
Filmbild: Vaiana 2

Acht Jahre nach dem ersten Kinoabenteuer kehrt Disney mit Vaiana 2 zurück und schickt die mutige Wegfinderin erneut hinaus auf den Ozean. Der erste Film war 2016 bereits ein Erfolg, entwickelte sich aber erst danach im Heimkino und auf Disney+ zu einem echten Dauerphänomen. Millionen Kinder und Erwachsene haben Vaiana immer wieder gesehen, die Songs wurden zu Ohrwürmern, und die Titelheldin zählt längst zu den beliebtesten modernen Disney-Figuren. Kein Wunder also, dass Disney neben einer geplanten Realverfilmung auch eine animierte Fortsetzung auf den Weg brachte. Ursprünglich als Serie für Disney+ gedacht, wurde daraus schließlich ein Kinofilm, der nun tropische Wärme, Abenteuerlust und vertraute Figuren zurück auf die große Leinwand bringt.

Vaiana befindet sich inzwischen in einer neuen Lebensphase. Nach ihrer ersten großen Reise ist sie nicht mehr das Mädchen, das gegen die Erwartungen ihres Volkes aufbrechen muss, sondern eine erfahrene Wegfinderin, die regelmäßig Expeditionen unternimmt, um Spuren anderer Völker im weiten Ozean zu finden. Als sie eine mysteriöse Botschaft ihrer Ahnen erhält, führt diese sie zur Legende von Motufetu, einer versunkenen Insel, die einst als verbindendes Zentrum verschiedener polynesischer Kulturen galt. Der rachsüchtige Sturmgott Nalo soll sie zerstört und tief unter dem Meer verborgen haben. Für Vaiana beginnt damit eine neue Mission, die nicht nur ihr eigenes Volk betrifft, sondern die Zukunft aller Menschen auf den Inseln.

Allein ist sie dabei natürlich nicht. Neben Pua und dem nach wie vor herrlich unberechenbaren Heihei bekommt Vaiana eine neue Crew an die Seite gestellt. Dazu gehören die talentierte Bootsbauerin Loto, der enthusiastische Geschichtenerzähler Moni und der erfahrene Bauer Kele. Auch Maui darf selbstverständlich nicht fehlen, wenngleich der Film ihn zunächst wieder aus einer verzwickten Lage befreien muss, bevor das vertraute Zusammenspiel zwischen Halbgott und Wegfinderin richtig in Fahrt kommt. Gerade diese Rückkehr zu bekannten Dynamiken macht Vaiana 2 sofort zugänglich, zeigt aber auch früh, wo die größte Schwäche des Films liegt. Vieles fühlt sich vertraut an, manchmal zu vertraut.

Optisch legt Disney noch einmal sichtbar nach. Vaiana 2 ist ein wunderschön animierter Film, der vor allem in seinen Meeresbildern beeindruckt. Das Wasser, schon im ersten Teil beinahe eine eigene Figur, wirkt noch lebendiger, leuchtender und detailreicher. Die Blautöne, die Lichtreflexe, die Bewegungen der Wellen und die Übergänge zwischen ruhigen Momenten und gefährlichen Gewässern zeigen, auf welchem technischen Niveau Disney hier arbeitet. Auch die tropischen Inseln, die nächtlichen Himmelsbilder und die großen Effektsequenzen sind sorgfältig gestaltet und bieten genau jene visuelle Opulenz, die man von einem Disney-Kinoabenteuer erwartet.

Die Action ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich größer angelegt. Vaiana 2 will mehr Tempo, mehr Bewegung und mehr Spektakel bieten. Das sorgt für viele unterhaltsame Szenen, geht aber stellenweise auf Kosten der emotionalen Tiefe. Der erste Film lebte stark davon, dass Vaianas Reise nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich notwendig war. Sie musste sich gegen Zweifel, familiäre Erwartungen und die Grenzen ihrer Gemeinschaft behaupten. In der Fortsetzung ist sie bereits akzeptiert, bewundert und gefestigt. Dadurch fehlt ein zentraler innerer Konflikt, der die neue Reise ähnlich stark tragen könnte.

Genau deshalb wirkt Vaiana 2 inhaltlich weniger zwingend. Viele Handlungselemente erinnern deutlich an den ersten Teil. Wieder gibt es eine Vision, wieder ruft der Ozean, wieder muss Maui eingebunden werden, wieder wartet eine übernatürliche Bedrohung. Das ist angenehm vertraut, aber selten überraschend. Disney spielt hier sehr klar auf Sicherheit und liefert eine Fortsetzung, die das Erfolgsrezept des Originals möglichst sorgfältig wiederholt, statt es mutig weiterzuentwickeln. Neue Figuren und neue Orte sind vorhanden, doch die Struktur bleibt so nah am bekannten Muster, dass sich immer wieder ein Déjà-vu-Effekt einstellt.

Auch die neue Crew hat es schwer, sich wirklich zu behaupten. Loto, Moni und Kele bringen nette Eigenschaften mit, bleiben aber über weite Strecken eher Begleiter als eigenständige Figuren. Am stärksten funktioniert Vaianas jüngere Schwester Simea, die mit ihrer liebenswerten, frechen Art einige der charmantesten Momente des Films bekommt. Sie erinnert in ihrer Energie gelegentlich an Lilo aus Lilo & Stitch und verleiht Vaianas Familienbindung eine neue emotionale Note. Schade ist nur, dass der Film diese Beziehung nicht noch stärker ausspielt.

Die Antagonisten bleiben ebenfalls blasser, als es dem Abenteuer guttut. Nalo wird als große Bedrohung aufgebaut, bleibt aber lange unsichtbar und dadurch weniger greifbar. Der Film behauptet seine Gefahr stärker, als er sie wirklich spürbar macht. Das nimmt der Geschichte etwas Spannung, weil die emotionale und dramatische Gegenkraft fehlt, die im ersten Teil durch Te Kā und Vaianas persönliche Entwicklung deutlich stärker war. Vaiana 2 hat große Ideen, aber nicht immer genug Fokus, um sie voll auszuschöpfen.

Musikalisch bleibt die Fortsetzung solide, erreicht aber nicht die Strahlkraft des Originals. Der erste Teil hatte mit Songs wie How Far I’ll Go Stücke, die sofort hängenblieben und Vaianas innere Sehnsucht perfekt auf den Punkt brachten. Vaiana 2 bietet ebenfalls einige eingängige Momente, besonders Vaianas Solo Beyond und Mauis humorvolles Can I Get a Chee Hoo?, doch insgesamt fehlt den Liedern etwas von jener emotionalen Wucht und musikalischen Eigenständigkeit, die den Vorgänger so nachhaltig gemacht haben. Die Songs funktionieren im Film, dürften aber weniger stark nachhallen.

Trotzdem macht Vaiana 2 vieles richtig. Der Humor sitzt, Maui sorgt mit seinen Sprüchen zuverlässig für Lacher, Heihei bleibt ein absurder Running Gag, und die Mischung aus Abenteuer, Musik und Familiengefühl funktioniert besonders für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer sehr gut. Der Film ist bunt, schnell, liebevoll animiert und leicht zugänglich. Erwachsene könnten sich an der Vorhersehbarkeit und den erzählerischen Wiederholungen stören, doch für Kinder bietet Vaiana 2 genau jene Mischung aus Spannung, Witz und Wärme, die Disney-Fortsetzungen im besten Fall auszeichnet.

Die Botschaft bleibt dabei klar und sympathisch. Es geht um Zusammenhalt, Mut, Herkunft und die Frage, wie man Verbindungen schafft, statt Grenzen hinzunehmen. Auch wenn der Film diese Themen nicht so kraftvoll vertieft wie der Vorgänger, sind sie weiterhin emotional verständlich und passend zur Welt von Vaiana. Gerade in seinen besten Momenten erinnert Vaiana 2 daran, warum diese Figur so gut funktioniert. Sie ist mutig, neugierig, verantwortungsbewusst und nie bloß eine Heldin, die Abenteuer erlebt, sondern jemand, der sein Volk mit der Welt verbinden will.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Vaiana 2 ist eine gelungene, aber wenig überraschende Fortsetzung. Visuell beeindruckt der Film mit wunderschönen Meeresbildern, starken Farben und großem Disney-Spektakel, erzählerisch bleibt er jedoch deutlich zu nah am Erfolgsrezept des Originals. Die neuen Figuren sind sympathisch, aber nicht stark genug ausgearbeitet, und auch die Songs erreichen nicht ganz die Kraft des ersten Films.

Für Familien und jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer funktioniert Vaiana 2 trotzdem sehr gut. Der Film ist warmherzig, temporeich, witzig und bietet genug Abenteuer, um über seine Schwächen hinwegzutragen. Fans des Originals bekommen ein schönes Wiedersehen mit Vaiana, Maui und ihrer Welt. Ein mutiger neuer Schritt ist das nicht, aber solide Disney-Unterhaltung mit viel Herz und beeindruckender Optik.

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