Die Hochphase klassischer Agententhriller liegt lange zurück, doch Tom Cruise hat es geschafft, Ethan Hunt auch im 21. Jahrhundert als feste Action-Ikone neben James Bond zu etablieren. Mit Mission: Impossible – Fallout erreicht die Reihe ihren sechsten Teil und verspricht erneut, was Fans seit Jahren erwarten: waghalsige Stunts, internationale Schauplätze, Teamdynamik, Täuschungsmanöver und eine Handlung, die möglichst schnell von einer Krise in die nächste springt. Die große Frage ist nur, ob diese Formel nach mehr als zwei Jahrzehnten noch immer funktioniert.
Auf den ersten Blick wirkt die Ausgangslage erstaunlich vertraut. Ethan Hunt erhält eine Mission, die ihn in eine Reihe terroristischer Bedrohungen verwickelt. Plutoniumkerne, fanatische Gegner, alte Feinde und ein globales Ultimatum sorgen dafür, dass von Beginn an Druck auf der Geschichte liegt. Wie gewohnt muss Ethan nicht nur die Welt retten, sondern auch improvisieren, täuschen und sich gegen das Misstrauen der eigenen Institutionen behaupten. Nach einem missglückten Einsatz gerät er unter Beobachtung, während die CIA ihm mit August Walker einen eigenen Mann an die Seite stellt.
Auch Benji und Luther sind wieder dabei und sorgen dafür, dass Fallout trotz aller Wucht nicht zur reinen Tom-Cruise-Show wird. Simon Pegg und Ving Rhames bringen jene Vertrautheit mit, die die Reihe inzwischen stark prägt. Gleichzeitig kehrt Solomon Lane zurück, der als Gegenspieler jedoch weniger unberechenbar wirkt als zuvor. Sean Harris spielt ihn weiterhin mit kühler Bedrohlichkeit, doch die Figur scheint diesmal stärker als Teil eines größeren Spiels zu funktionieren als als eigenständiger Motor der Handlung.
Nach dem klassischen Cold-Opener folgt natürlich wieder die ikonische Titelmusik, und auch beim sechsten Mal funktioniert dieser Moment noch. Mission: Impossible weiß, welche Rituale zum eigenen Markenkern gehören, und Fallout nutzt sie selbstbewusst. Maskentricks, falsche Identitäten, technische Spielereien und plötzliche Wendungen sind erneut fester Bestandteil der Geschichte. Wirklich überraschend ist das nicht mehr. Die Frage ist längst nicht mehr, ob irgendwann jemand eine Maske trägt, sondern wann der Trick aufgelöst wird.
Das Drehbuch von Regisseur Christopher McQuarrie ist deshalb kein Meisterwerk an Originalität. Manche Wendung ist zu sehr Teil der Serienmechanik, um wirklich zu verblüffen, und einige Dialoge dienen vor allem dazu, die nächste Eskalation vorzubereiten. Auch Simon Peggs bekannte Mischung aus Panik und trockener Bemerkung nutzt sich stellenweise ab. Henry Cavill bleibt als CIA-Konkurrent August Walker ebenfalls etwas durchschaubar, bringt aber genug physische Präsenz mit, um als Gegenpol zu Ethan Hunt zu funktionieren. Gerade seine wuchtige Körperlichkeit bildet einen reizvollen Kontrast zu Cruises getriebener, fast fiebriger Beweglichkeit.
Trotz dieser Schwächen hält Fallout seine Linie erstaunlich gut. Der Film nimmt seine Welt ernst, ohne völlig humorlos zu werden. Die Figuren behandeln ihre Missionen mit echter Dringlichkeit, doch der Film vergisst nie, dass diese Reihe immer auch vom Spaß an der Übertreibung lebt. Man muss einige physikalisch fragwürdige Szenen akzeptieren, doch Fallout verkauft sie mit genug Energie, Tempo und handwerklicher Sorgfalt, dass man sich selten für dumm verkauft fühlt.
Der entscheidende Faktor bleibt ohnehin die Action. Und hier liefert Fallout auf sehr hohem Niveau. Von den Verfolgungsjagden durch Paris und London bis zum spektakulären Helikopterfinale ist der Film ein Paradebeispiel dafür, wie modernes Actionkino aussehen kann, wenn es auf echte Körper, echte Bewegung und nachvollziehbare Rauminszenierung setzt. Die Kamera bleibt nah am Geschehen, ohne die Übersicht völlig zu verlieren, und die Schnitte erzeugen Druck, ohne die Stunts zu zerstückeln.
Gerade der Umstand, dass Tom Cruise viele seiner Stunts selbst vollführt, verleiht dem Film eine besondere Spannung. Wenn Ethan Hunt über Dächer sprintet, mit dem Motorrad durch den Verkehr rast oder sich an einem Helikopter festklammert, spürt man eine Körperlichkeit, die vielen digitalen Actionfilmen fehlt. Die Mischung aus praktischen Stunts und CGI-Unterstützung funktioniert hervorragend, auch wenn der 3D-Effekt nur selten wirklich ins Gewicht fällt. Fallout lebt nicht von der dritten Dimension, sondern von Tempo, Risiko und der sichtbaren Bereitschaft, den Hauptdarsteller an seine Grenzen zu bringen.
Ganz frei von Ermüdungserscheinungen ist der Film dennoch nicht. Mit knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit ist Fallout sehr großzügig bemessen, und gerade im Mittelteil hätte etwas Straffung gutgetan. Nach der dritten Verfolgungsjagd lässt die Wirkung einzelner Sequenzen etwas nach, so stark sie für sich genommen auch inszeniert sind. Das Motorrad im Gegenverkehr, der Wettlauf gegen den Countdown, die Bombe kurz vor der Explosion: All das gehört zur DNA der Reihe, fühlt sich hier aber stellenweise eher wie Pflichtprogramm als wie echte Überraschung an.
Trotzdem bleibt Mission: Impossible – Fallout über weite Strecken enorm unterhaltsam. Der Film weiß, dass seine Geschichte nicht das eigentliche Verkaufsargument ist. Entscheidend ist, wie präzise McQuarrie die vertrauten Bausteine zusammensetzt. Die Action ist klar, die Schauplätze sind stark, die Figuren sind eingespielt, und Tom Cruise wirkt weiterhin so kompromisslos engagiert, als müsste er persönlich beweisen, dass handgemachtes Actionkino noch immer eine Zukunft hat.
Fazit
Trotzdem bleibt Fallout ein wuchtiger und sehr gut gemachter Sommer-Blockbuster. Christopher McQuarrie inszeniert mit Übersicht und Druck, Tom Cruise wirft sich mit beeindruckender Konsequenz in jede Actionszene, und die Reihe beweist erneut, warum sie im modernen Agentenkino eine Sonderstellung einnimmt. Nicht neu, nicht perfekt, aber verdammt effektiv.











