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Kino-Kritik: The Book of Eli

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Tobis · YouGame Redaktion
Filmbild: The Book of Eli

Die Welt ist wieder einmal zerstört, die Zivilisation zusammengebrochen und von der alten Ordnung ist kaum mehr etwas übrig. Das Endzeitkino hat solche Szenarien schon oft gezeigt, doch The Book of Eli bringt mit Denzel Washington und Gary Oldman ein starkes Gut-Böse-Duell in diese bekannte Kulisse. Der Film der Hughes-Brüder erzählt von einem einsamen Wanderer, einem gefährlichen Buch und der Frage, was nach dem Untergang eigentlich noch Wert besitzt.

Rund drei Jahrzehnte nach einer nicht näher benannten Katastrophe ist die Erde ein lebensfeindlicher Ort geworden. Die Sonne brennt, Städte sind verfallen, Straßen leergefegt, und wer überleben will, muss vorsichtig sein. Nahrung, Wasser und brauchbare Gegenstände sind kostbar geworden. Vertrauen gibt es kaum noch. Der Mensch ist für den Menschen längst zur größten Gefahr geworden, sei es durch Räuber, marodierende Banden oder durch jene, die in dieser neuen Welt jede moralische Grenze verloren haben.

In dieser trostlosen Landschaft ist Eli unterwegs. Denzel Washington spielt ihn als schweigsamen, konzentrierten Mann, der seit Jahren nach Westen wandert. Er besitzt wenig, doch das, was er bei sich trägt, beschützt er mit aller Härte. In seiner Tasche befindet sich ein Buch, das für ihn mehr ist als ein Gegenstand. Es ist Auftrag, Hoffnung und Vermächtnis zugleich. Jeder, der versucht, es ihm wegzunehmen, bekommt schnell zu spüren, dass Eli kein gewöhnlicher Wanderer ist.

Seine Reise führt ihn in eine verfallene Stadt, in der sich einige Überlebende unter der Herrschaft von Carnegie eingerichtet haben. Gary Oldman spielt diesen Machtmenschen als Mischung aus skrupellosem Lokalherrscher, gebildetem Zyniker und gefährlichem Fanatiker. Carnegie kontrolliert die Stadt, weil er Zugang zu Wasser besitzt und Gewalt gezielt als Mittel der Ordnung einsetzt. Für ihn ist Wissen Macht, und genau deshalb sucht auch er nach jenem Buch, das Eli bei sich trägt.

Zunächst will Eli nur seine Wasservorräte auffüllen und weiterziehen. Doch sein Auftauchen bleibt nicht unbemerkt. In einer Bar gerät er mit einigen Männern aneinander und zeigt, dass er sich in dieser Welt nicht nur durch Glauben, sondern auch durch enorme Kampfkraft behauptet. Die Nachricht von diesem Fremden erreicht Carnegie schnell. Als er erkennt, was Eli bei sich haben könnte, beginnt ein Kampf um das Buch, der bald auch Solaras Leben verändert. Sie ist die Tochter von Carnegies Geliebter und wird zunächst auf Eli angesetzt, schlägt sich später aber an seine Seite.

The Book of Eli lebt stark von seiner Atmosphäre. Die Hughes-Brüder zeichnen eine ausgedörrte, graue und fast vollständig entmenschlichte Welt, in der jeder Gegenstand eine Bedeutung haben kann. Eine Sonnenbrille, ein Feuerzeug, ein bisschen Wasser oder ein altes Buch wirken plötzlich wie Schätze. Der Film nimmt sich Zeit, diese Leere wirken zu lassen. Die verlassenen Straßen, die staubigen Häuser und die ausgebrannten Landschaften vermitteln eine glaubwürdige Endzeitstimmung, auch wenn das Szenario selbst nicht völlig neu ist.

Denzel Washington trägt den Film mit viel Ruhe und körperlicher Präsenz. Eli ist kein gesprächiger Held, sondern ein Mann, der von einem inneren Auftrag angetrieben wird. Er wirkt erschöpft, aber nicht gebrochen. Wenn er kämpfen muss, tut er es schnell, präzise und ohne sichtbare Freude an der Gewalt. Gerade diese Zurückhaltung macht die Figur interessant. Eli ist kein klassischer Actionheld, sondern jemand, der durch eine zerstörte Welt geht, weil er überzeugt ist, dass sein Ziel wichtiger ist als sein eigenes Leben.

Gary Oldman bildet dazu einen starken Gegenpol. Carnegie versteht sehr genau, dass die neue Welt nicht nur mit Waffen regiert wird, sondern mit Ideen. Für ihn ist das Buch kein heiliger Gegenstand, sondern ein Werkzeug der Kontrolle. Er will damit Menschen beeinflussen, lenken und unterwerfen. Dadurch bekommt der Konflikt zwischen Eli und Carnegie mehr Gewicht als eine gewöhnliche Jagd nach einem wertvollen Objekt. Es geht darum, ob Wissen Hoffnung stiften oder Macht absichern soll.

Die Action ist solide und wird mit zunehmender Laufzeit stärker eingesetzt. Besonders die Nahkampfszenen sind klar und hart inszeniert, ohne unnötig lange ausgewalzt zu werden. Der Film bleibt dabei eher ein Endzeit-Western als ein reiner Actionthriller. Eli zieht wie ein einsamer Revolverheld durch eine zerstörte Welt, Carnegie herrscht wie ein korrupter Stadtboss, und der Weg nach Westen bekommt fast mythische Bedeutung. Diese Mischung aus Western, Science-Fiction und religiösem Motiv funktioniert über weite Strecken gut.

Nicht alles ist perfekt. Manche Nebenfiguren bleiben recht funktional, und einige Entwicklungen sind vorhersehbar. Auch die religiöse Symbolik wird stellenweise sehr deutlich ausgespielt. Wer mit solchen Motiven wenig anfangen kann, könnte sich daran stören. Gleichzeitig vermeidet der Film weitgehend platte Predigten. Am spannendsten ist The Book of Eli dort, wo er zeigt, dass ein Text allein weder gut noch böse ist. Entscheidend ist, was Menschen daraus machen.

Überraschend stark ist auch die Wendung am Ende, die dem Film eine zusätzliche Ebene gibt, ohne den bisherigen Verlauf komplett zu entwerten. Sie passt zum Thema des Films und verändert den Blick auf Elis Reise. Gleichzeitig unterstreicht sie die eigentliche Aussage der Geschichte. Die Zukunft liegt nicht allein in den Händen der Starken, Bewaffneten oder Machtgierigen, sondern bei jenen, die Wissen bewahren und weitergeben können.

Fazit

YouGame Redaktion
YouGame Redaktion
The Book of Eli ist kein völlig neuer Entwurf des Endzeitfilms, aber ein atmosphärisch dichter und gut gespielter Genrebeitrag. Die Hughes-Brüder schaffen eine glaubwürdige, beklemmende Welt, in der Hoffnung selten geworden ist und ein einzelnes Buch über Macht, Glauben und Zukunft entscheiden kann. Denzel Washington überzeugt als schweigsamer Wanderer, Gary Oldman liefert einen starken Gegenspieler.

Der Film hat kleinere Schwächen bei Nebenfiguren und Symbolik, bleibt aber spannend, visuell stark und überraschend wirkungsvoll. Wer kein revolutionäres Meisterwerk erwartet, bekommt zwei unterhaltsame Stunden mit Endzeitstimmung, solider Action und einem Finale, das dem bekannten Szenario doch noch eine interessante Wendung gibt.

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