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Kino-Kritik: Fack ju Göhte 2

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Constantin Film · Andreas Zommer
Filmbild: Fack ju Göhte 2

Fack ju Göhte war 2013 einer der größten deutschen Kinoerfolge des Jahres. Mehr als sieben Millionen Kinobesucherinnen und Kinobesucher, ein Einspielergebnis von rund 60 Millionen Euro und eine Hauptfigur, die sich schnell in die Popkultur eingeschrieben hatte, machten eine Fortsetzung praktisch unvermeidlich. Bereits Ende 2013 wurde Fack ju Göhte 2 angekündigt, nun kehrt die Chaosklasse der Goethe-Gesamtschule zurück. Wir konnten uns den Film bereits vor Kinostart ansehen.

Zeki Müller hat sich zwar irgendwie in seiner neuen Rolle als Lehrer eingerichtet, wirklich glücklich ist er damit aber nicht. Früh aufstehen, Prüfungen korrigieren und sich mit aufmüpfigen Schülerinnen und Schülern herumschlagen, das alles passt weiterhin nur bedingt zu seinem Temperament. Eigentlich träumt Zeki längst von der Kündigung und einer eigenen Bar. Seine Freundin und Kollegin Lisi Schnabelstedt macht ihm jedoch klar, dass er zuerst Geld sparen und vor allem seine Klasse bis zum Abitur begleiten soll.

Während Zeki also nach einem Ausweg sucht, verfolgt Direktorin Gerster ihre ganz eigenen Pläne. Sie will das Image der Goethe-Gesamtschule aufpolieren und träumt davon, mit ihrer Schule zum Aushängeschild einer neuen Kampagne des Bildungsministeriums zu werden. Dafür braucht es allerdings eine Partnerschule in einem Entwicklungsland. Gerster plant deshalb eine Klassenfahrt nach Thailand. Lisi soll mit der Biologiegruppe reisen, dem Schillergymnasium eine Partnerschule wegschnappen und damit der Goethe-Gesamtschule den entscheidenden Vorteil verschaffen.

Zeki hat auf diese Reise natürlich keine Lust. Möglichst wenig Zeit mit seinen „Schwachmaten“ zu verbringen, wäre ihm deutlich lieber. Doch als der Rest seiner alten Beute überraschend wieder auftaucht, wittert er die Chance, endgültig auszusteigen und seiner Bar näherzukommen. Dummerweise versteckt er die Diamanten ausgerechnet in einem Stofftier von Lisis Schwester Laura. Und wie es das Schicksal will, landet dieses Stofftier kurz darauf in einem Spendencontainer für Kinder in Thailand.

Damit ändert Zeki seine Meinung zur Klassenfahrt sehr schnell. Als Lisi am Flughafen wegen eines missglückten Scherzes der Schülerinnen und Schüler unter Terrorverdacht festgenommen wird, muss Zeki allein mit der Klasse nach Thailand fliegen. Dort wartet nicht nur die Suche nach seinen Diamanten auf ihn, sondern auch die Konkurrenz des Schillergymnasiums rund um Vorzeigelehrer Hauke Wölki. Gleichzeitig muss er Chantal, Zeynep, Danger und den Rest der Truppe irgendwie im Griff behalten, was erwartungsgemäß nicht lange gutgeht.

Fack ju Göhte 2 setzt stärker als der erste Teil auf Situationskomik, Eskalation und den Wiedererkennungswert seiner Figuren. Die Geschichte ist nicht besonders überraschend und lebt weniger von einer sauberen Dramaturgie als von Tempo, Sprüchen und überdrehten Momenten. Gerade Chantal und Zeynep sorgen mit ihren Dialogen und Aktionen immer wieder für Lacher. Nicht jeder Gag sitzt, manches ist sehr laut und bewusst grob, doch der Film kennt sein Publikum und liefert genau jene Mischung aus Chaos, Frechheit und Herz, die schon den Vorgänger getragen hat.

Trotz aller Überzeichnung vergisst der Film nicht ganz, seinen Figuren auch ein paar ernstere Momente zu geben. Hinter der großen Klappe der Klasse steckt weiterhin Unsicherheit, Sehnsucht nach Anerkennung und der Wunsch, nicht einfach abgeschrieben zu werden. Das war schon im ersten Teil eine der Stärken der Reihe. Fack ju Göhte funktioniert dann am besten, wenn unter den Sprüchen kurz sichtbar wird, dass diese Jugendlichen mehr sind als bloße Karikaturen. Auch Teil zwei findet dafür einzelne schöne Momente, wenngleich sie diesmal stärker von der Komödie überlagert werden.

Elyas M’Barek trägt den Film erneut mit viel Charisma. Sein Zeki bleibt ein Lehrer wider Willen, der pädagogisch weiterhin fragwürdig handelt, aber im entscheidenden Moment doch Verantwortung übernimmt. Gerade das Zusammenspiel mit Jella Haase als Chantal gehört wieder zu den stärksten Elementen des Films. Haase spielt die Figur laut, naiv, selbstbewusst und verletzlich zugleich, ohne sie völlig zur Witzfigur verkommen zu lassen. Auch die übrige Klasse bekommt ihre Momente, auch wenn der Film klar weiß, welche Figuren beim Publikum besonders gut funktionieren.

Etwas weniger stark ist die Beziehung zwischen Zeki und Lisi, die im ersten Teil noch ein wichtiger emotionaler Motor war. Da die beiden inzwischen ein Paar sind, verliert dieser Konflikt an Spannung. Stattdessen rückt stärker das Zusammenwachsen von Zeki und seiner Klasse in den Mittelpunkt. Das funktioniert grundsätzlich, auch wenn der Film dabei nicht ganz die Frische des Vorgängers erreicht. Die Fortsetzung wirkt größer, lauter und exotischer, aber nicht zwingend erzählerisch stärker.

Der Thailand-Schauplatz bringt neue Bilder und einige absurde Situationen, sorgt aber auch dafür, dass Fack ju Göhte 2 stellenweise etwas beliebiger wirkt. Die Klassenfahrt ist vor allem ein Vorwand, um die Figuren in möglichst chaotische Situationen zu werfen. Das macht Spaß, solange das Tempo hoch bleibt, wirkt aber gelegentlich wie eine Aneinanderreihung von Sketchen. Der Film kompensiert das mit Energie, einem gut aufgelegten Ensemble und einem Soundtrack, der die Szenen oft passend antreibt. Lena Meyer-Landrut liefert mit Wild and Free einen eingängigen Titelsong, der gut zum jugendlichen, überdrehten Ton passt.

Auch der damalige Trend, bekannte YouTuberinnen in Kinofilme einzubauen, wird aufgegriffen. Dagi Bee und Shirin David bekommen Gastauftritte, die weniger aus der Handlung entstehen als aus dem Zeitgeist. Das ist nicht weiter störend, wirkt aber heute deutlicher wie ein Produkt seiner Entstehungszeit. Fack ju Göhte 2 ist eben auch ein Film, der sehr genau weiß, welche Zielgruppe er erreichen will.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Fack ju Göhte 2 ist ein würdiger, wenn auch nicht ganz so frischer Nachfolger des Überraschungshits. Die Geschichte kann nicht ganz mit dem ersten Teil mithalten, weil die Beziehung zwischen Zeki, Lisi und der Klasse dort noch stärker aus einer echten Entwicklung heraus funktionierte. Teil zwei setzt mehr auf Tempo, Situationskomik und die bekannten Figuren, die inzwischen längst zu Publikumslieblingen geworden sind.

Das funktioniert über weite Strecken trotzdem gut. Elyas M’Barek und Jella Haase tragen den Film, viele Gags sitzen, und hinter dem Chaos steckt weiterhin eine sympathische Botschaft über Zusammenhalt, zweite Chancen und den Glauben daran, dass niemand einfach aufgegeben werden sollte. Fack ju Göhte 2 ist lauter, überdrehter und weniger rund als der Vorgänger, aber als freche Schulkomödie mit viel Energie und Herz macht der Film genau das, was Fans erwarten.

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