Vor langer, langer Zeit packt der ängstliche Nestrier Dave seinen Koffer, denn der Löwe hat alle Tiere der Welt zu einer großen Versammlung gerufen. Dort verkündet der König der Tiere eine furchtbare Nachricht: Eine alles vernichtende Sintflut steht bevor, und die einzige Rettung ist Noahs Arche. Doch wer an Bord darf, muss auf Noahs Liste stehen. Genau hier beginnt das Problem, denn die Nestrier wurden offenbar vergessen. Viel Zeit bleibt Dave und seinem Sohn Finny nicht, um doch noch einen Platz auf der Arche zu finden, bevor das Wasser alles verschlingt.
Der europäische Animationsfilm Ooops! Die Arche ist weg! lehnt sich lose an die biblische Geschichte von Noah und seiner Arche an, erzählt daraus aber rasch eine eigene Familien- und Abenteuerhandlung. Die Arche dient vor allem als Rahmen, um die fiktiven Tierarten der Nestrier und Grymps aufeinanderprallen zu lassen. Papa Dave und sein Sohn Finny gehören zu den Nestriern, einer quietschbunten, flauschigen und einfallsreichen Spezies, die für handwerkliches Geschick und kreative Lösungen bekannt ist. Weil sie nicht auf der Passagierliste stehen, verkleiden sich die beiden als wolfsähnliche Grymps und versuchen, sich so an Bord zu schmuggeln.
Ganz unbemerkt bleibt dieser Plan allerdings nicht. Grymp-Dame Kate und ihre Tochter Leah erkennen den Trick sofort und versuchen, die beiden Nestrier zu enttarnen. Die Besatzung hält den Streit jedoch für ein familiäres Missverständnis, und so landen Dave, Finny, Kate und Leah ausgerechnet gemeinsam in einer Kabine. Während die beiden Erwachsenen kaum eine Gelegenheit auslassen, einander anzufauchen, entsteht zwischen den Kindern eine ganz eigene Dynamik.
Finny und Leah sind grundverschieden. Er ist neugierig, freundlich und voller Fantasie, sie deutlich selbstständiger, mutiger und anfangs wenig begeistert von ihrem neuen Begleiter. Als die beiden an Deck schleichen, um einen Blick auf die nahende Sintflut zu werfen, werden sie von einer Wache entdeckt und verstecken sich auf einem Baugerüst. Wie es das Schicksal will, verpassen sie dadurch die Abfahrt der Arche und bleiben allein zurück. Plötzlich müssen ausgerechnet diese beiden ungleichen Kinder zusammenarbeiten, um auf einem nahen Berg Schutz zu finden und zwei fleischfressenden Vögeln zu entkommen.
Parallel dazu bemerken auch die Eltern, dass ihre Kinder verschwunden sind. Dave und Kate wollen erreichen, dass die Arche umkehrt, stoßen damit aber auf wenig Verständnis. Der Löwe führt als Kapitän ein strenges Kommando und hat kein Interesse daran, wegen zweier vermisster Jungtiere den Kurs zu ändern. So erzählt der Film zwei Fluchtgeschichten zugleich: die Kinder auf dem Land, die gegen Wasser, Hunger und Feinde kämpfen, und die Eltern auf der Arche, die ihre Vorurteile überwinden müssen, um gemeinsam etwas zu bewirken.
Technisch ist Ooops! Die Arche ist weg! ordentlich umgesetzt. Die Nestrier sind sehr niedlich gestaltet und dürften gerade beim jüngeren Publikum sofort Sympathien wecken. Ihre bunten Farben, die flauschige Optik und die kleinen Eigenheiten machen sie zu klaren Sympathieträgern. Auch die Grymps funktionieren als Gegenpol gut, weil sie grimmiger und kantiger wirken, ohne zu bedrohlich zu werden. Der Film setzt auf eine freundliche, kindgerechte Bildsprache, die nie zu düster wird, selbst wenn die Sintflut als große Gefahr im Hintergrund steht.
Die 3D-Animationen sind solide, auch wenn sie nicht ganz an die Detailfülle und Dynamik großer Hollywood-Produktionen heranreichen. Gerade bei Landschaften, Wasser und Bewegung hätte man sich stellenweise etwas mehr Tiefe und visuelle Wucht wünschen können. Man merkt aber, dass der Film klar auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten ist. Statt übermäßiger Effekthascherei stehen verständliche Figuren, einfache Konflikte und ein warmherziger Ton im Vordergrund.
Erzählerisch bleibt Ooops! Die Arche ist weg! sehr geradlinig. Für kleine Kinder funktioniert die Geschichte gut, weil sie leicht verständlich ist und mit Finny und Leah zwei Figuren bietet, mit denen man schnell mitfiebern kann. Erwachsene werden dagegen vermutlich merken, dass die Handlung nur wenige echte Überraschungen bereithält und manche Konflikte recht simpel gelöst werden. Der Film hat Charme, aber nicht die erzählerische Raffinesse oder emotionale Tiefe der großen Animationsvorbilder.
Seine stärksten Momente hat der Film immer dann, wenn er auf das Zusammenspiel der ungleichen Figuren setzt. Nestrier und Grymps könnten unterschiedlicher kaum sein, müssen aber lernen, einander zu vertrauen. Daraus entsteht die zentrale Botschaft des Films: Gemeinsam kommt man weiter als allein. Das ist nicht neu, wird aber klar und kindgerecht erzählt. Gerade für ein junges Publikum ist diese Botschaft wertvoll, weil sie ohne große Belehrung aus dem Abenteuer der Figuren entsteht.
Fazit
Für Erwachsene bleibt die Geschichte etwas zu einfach und arm an echten Höhepunkten. Dennoch vermittelt der Film eine schöne Botschaft über Zusammenhalt, Vertrauen und gegenseitige Hilfe. Kein Animations-Meisterwerk, aber ein netter Familienfilm, der besonders bei kleinen Kindern gut funktionieren dürfte.











