Jon Favreau gehört zu jenen Hollywood-Künstlern, die sich nur schwer auf eine einzige Rolle festlegen lassen. Als Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent hat er sich längst einen Namen gemacht, und in Kiss the Cook übernimmt er gleich mehrere Aufgaben auf einmal. Er führt Regie, schrieb das Drehbuch und spielt auch die Hauptrolle. Das Ergebnis ist ein warmer, kulinarischer Feel-Good-Film über einen Mann, der in der Gourmetküche zwar Karriere gemacht hat, dabei aber seine Kreativität, seine Familie und ein Stück weit auch sich selbst verloren hat.
Carl Casper war einst ein begnadeter Koch, als er Chef de Cuisine im noblen Restaurant Gauloises wurde. Inzwischen ist von dieser Leidenschaft aber nur noch wenig übrig. Restaurantbesitzer Riva lässt ihm kaum kreative Freiheit und besteht darauf, dass Carl immer wieder dieselben bewährten Gerichte auf die Karte setzt. Während Carl beruflich feststeckt, läuft auch privat vieles schief. Die Ehe mit Inez ist gescheitert, zu seinem elfjährigen Sohn Percy findet er keinen richtigen Zugang, und sein Alltag besteht längst mehr aus Frust als aus Genuss.
Als der einflussreiche Restaurantkritiker Ramsey Michel Carls Küche öffentlich verreißt, eskaliert die Situation. Carl reagiert impulsiv auf Twitter, ohne zu begreifen, dass seine Nachricht nicht privat bleibt, sondern für alle sichtbar ist. Das daraus entstehende Wortgefecht verbreitet sich rasant im Netz und macht aus dem frustrierten Koch plötzlich eine öffentliche Figur. Unter dem wachsenden Druck bekommt Carl eine zweite Chance, den Kritiker von seinem Können zu überzeugen. Doch erneut stellt sich Riva quer und verbietet ihm, ein neues Menü zu kochen. Wieder landet das gleiche Essen auf dem Teller, wieder folgt ein Verriss, und diesmal verliert Carl endgültig die Kontrolle.
Vor den Augen der Restaurantgäste stellt er erst seinen Chef und dann den Kritiker zur Rede. Natürlich wird der Ausbruch gefilmt und landet im Internet. Carls Ruf ist ruiniert, sein Job im Gauloises Geschichte, und was zunächst wie der totale Zusammenbruch wirkt, wird zum Beginn eines neuen Kapitels. Inez überredet ihn, mit ihr und Percy nach Miami zu reisen. Dort steht ein alter, heruntergekommener Food Truck, den ihr zweiter Ex-Mann zur Verfügung stellt. Für Carl, der schon lange von einem eigenen Truck geträumt hat, eröffnet sich damit plötzlich eine Möglichkeit, noch einmal neu anzufangen.
Gemeinsam mit Percy und seinem ehemaligen Sous-Chef Martin restauriert Carl den Wagen und macht daraus El Jefe, einen Food Truck für kubanische und lateinamerikanisch inspirierte Spezialitäten. Was als improvisiertes Projekt beginnt, wird zur kulinarischen Reise quer durch die USA. Während Carl wieder Freude am Kochen findet, entdeckt er auch seinen Sohn neu. Percy dokumentiert die Fahrt mit Fotos und Tweets, wodurch der Truck schnell Aufmerksamkeit bekommt. Wo El Jefe hält, bilden sich bald lange Schlangen. Ausgerechnet über Essen, Handwerk und gemeinsame Zeit entsteht jene Verbindung zwischen Vater und Sohn, die Carl zuvor im Alltag nie richtig gefunden hat.
Kiss the Cook erzählt keine besonders überraschende Geschichte. Im Kern geht es um zweite Chancen, berufliche Selbstverwirklichung und die Rückkehr zu dem, was einen ursprünglich einmal angetrieben hat. Das ist vertrauter Stoff, aber Favreau erzählt ihn mit viel Wärme, Humor und spürbarer Liebe zum Essen. Die besten Szenen sind jene, in denen gekocht wird. Wenn Carl Zutaten vorbereitet, Fleisch brutzelt, Brot röstet oder ein Sandwich mit sichtbarer Hingabe fertigstellt, bekommt der Film eine Sinnlichkeit, die man selten so appetitlich inszeniert sieht. Man spürt, dass Kochen hier nicht bloß Beruf ist, sondern Ausdruck von Persönlichkeit.
Ganz rund ist der Film trotzdem nicht. Favreau scheint sich nicht immer entscheiden zu können, ob Carls künstlerische Selbstfindung oder die Vater-Sohn-Beziehung im Zentrum stehen soll. Beides ist wichtig, beides funktioniert in einzelnen Szenen gut, doch nicht immer greifen die Ebenen sauber ineinander. Gerade Carls beruflicher Wandel wirkt gelegentlich etwas vereinfacht. Am Anfang sehen wir ihn als ambitionierten Koch, der ein aufwendiges Menü voller Leidenschaft zubereiten will. Später findet er seine Erfüllung im Food Truck, was grundsätzlich stimmig ist, aber erzählerisch etwas mehr Entwicklung vertragen hätte.
Stärker funktioniert die Beziehung zwischen Carl und Percy. Hier findet der Film sein Herz. Die gemeinsamen Szenen im Truck, die kleinen Lernmomente und die wachsende Vertrautheit zwischen Vater und Sohn geben Kiss the Cook jene emotionale Wärme, die ihn über viele Schwächen hinwegträgt. Nicht jede Szene ist vollständig ausgereizt, manche Konflikte lösen sich recht bequem, doch die Grunddynamik stimmt. Der Film glaubt an Nähe, an gemeinsames Arbeiten und daran, dass Essen Menschen verbinden kann, ohne daraus ein großes Drama machen zu müssen.
Auch die Besetzung trägt viel zum Charme bei. Jon Favreau spielt Carl als gereizten, aber grundsätzlich sympathischen Mann, der sich selbst wiederfinden muss, bevor er anderen wirklich nahekommen kann. Sofia Vergara bringt als Inez Wärme und Energie in den Film, ohne nur als Ex-Frau oder romantischer Gegenpol zu funktionieren. John Leguizamo sorgt als Martin für viele lockere Momente, während Dustin Hoffman als kontrollierender Restaurantbesitzer und Scarlett Johansson als Kollegin kleinere, aber prägnante Auftritte haben. Robert Downey Jr. wiederum nutzt seine kurze Rolle mit sichtbarer Spielfreude und bringt zusätzlichen Schwung in die Miami-Passage.
Atmosphärisch ist Kiss the Cook ein sehr angenehmer Film. Die sonnigen Bilder, der lateinamerikanisch geprägte Soundtrack und die vielen kulinarischen Details erzeugen eine Stimmung, die sofort Lust auf Sommer, Straßenküche und gutes Essen macht. Der Film ist bunt, freundlich und nie zynisch. Er will kein großes Drama sein, sondern ein leichter, warmherziger Film über einen Mann, der erst alles verlieren muss, um wieder Freude an seinem Leben zu finden.
Das bedeutet allerdings auch, dass Kiss the Cook manchen Konflikt zu weich behandelt. Carls öffentliche Blamage, seine berufliche Krise und die komplizierte Familiensituation hätten dramatisch mehr Gewicht bekommen können. Favreau entscheidet sich aber bewusst für den Wohlfühlweg. Das nimmt dem Film etwas Tiefe, macht ihn aber zugleich sehr zugänglich. Wer eine scharfe Satire auf Restaurantkultur, Social Media und Starkoch-Egos erwartet, bekommt nur Ansätze davon. Wer sich auf einen charmanten, kulinarischen Roadmovie einlässt, wird deutlich zufriedener sein.
Fazit
Jon Favreau liefert keinen großen filmischen Wurf, aber einen charmanten, sonnigen und sehr appetitlichen Film, der mit Humor, Musik und kulinarischer Leidenschaft überzeugt. Wer einen leichten Film mit guter Stimmung, Happy End und vielen Bildern sucht, bei denen einem der Magen knurrt, macht mit Kiss the Cook wenig falsch. Nur eines sollte man beachten: besser nicht hungrig ins Kino gehen.











