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Kino-Kritik: Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Constantin Film · YouGame Redaktion
Filmbild: Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1

Das Problem bei mehrteiligen Filmreihen ist bekanntlich die Wartezeit. Bei Die Tribute von Panem hat diese nun ein Ende, denn der mit Spannung erwartete dritte Teil kommt in die Kinos. Nach zwei Filmen, in denen vor allem die Hungerspiele selbst im Mittelpunkt standen, verändert Mockingjay Teil 1 den Blick auf Panem deutlich. Die Arena rückt in den Hintergrund, der Krieg tritt nach vorne. Wir konnten den Film bereits sehen und verraten euch, warum dieser ruhigere, düstere Teil der Reihe trotzdem sehenswert ist.

Die ersten beiden Filme zeigten bereits, wie tief die Gräben zwischen dem reichen Kapitol und den unterdrückten Distrikten sind. Gleichzeitig blieb vieles noch auf die Hungerspiele konzentriert, jene grausame Inszenierung, bei der jedes Jahr Jugendliche aus den Distrikten gegeneinander antreten müssen, bis nur eine Person überlebt. Katniss Everdeen hat dieses System jedoch beschädigt. Durch ihr Verhalten in den Spielen und später in der Jubiläumsausgabe wurde sie zur Symbolfigur des Widerstands. Das Kapitol wollte die Spiele als Propagandainstrument nutzen, doch Katniss machte daraus ungewollt den Funken einer Rebellion.

Mockingjay Teil 1 setzt nach ihrer Rettung aus der Arena ein. Katniss erwacht im angeblich zerstörten Distrikt 13, der in Wahrheit tief unter der Erde weiterexistiert und zum Zentrum des Widerstands geworden ist. Seit Jahren bereiten Präsidentin Alma Coin und ihre Leute dort den Kampf gegen das Kapitol vor. Doch Katniss ist nicht bereit, sich einfach zur Galionsfigur dieser Bewegung machen zu lassen. Sie ist traumatisiert, erschöpft und wütend. Ihr Heimatdistrikt 12 wurde als Vergeltung fast vollständig zerstört, Peeta befindet sich in den Händen des Kapitols, und Katniss will im Grunde nur ihre Familie schützen.

Genau Peeta wird für Präsident Snow zum entscheidenden Druckmittel. Während die Rebellen Katniss als Spotttölpel inszenieren wollen, taucht Peeta plötzlich in den Sendungen des Kapitols auf und ruft zu Frieden und Unterwerfung auf. Ob aus Angst, Zwang oder Manipulation, seine Botschaften treffen Katniss schwer. Sie erkennt, dass der Krieg längst nicht mehr nur auf Schlachtfeldern geführt wird, sondern über Bilder, Worte und Symbole. Wer die Menschen in Panem erreichen will, muss ihnen Hoffnung geben. Und dafür braucht der Widerstand Katniss.

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 führt deutlich tiefer in die politische und soziale Welt von Panem als seine Vorgänger. Der Unterschied zwischen dem dekadenten Kapitol und den ausgebeuteten Distrikten wird spürbarer denn je. Während Snow seine Macht mit Drohungen, Hinrichtungen und Propaganda verteidigt, versucht Coin, Katniss als lebendiges Symbol des Aufstands aufzubauen. Beide Seiten wissen, dass Bilder Waffen sein können. Katniss wird gefilmt, inszeniert und strategisch eingesetzt, während Peeta auf der Gegenseite zum Werkzeug des Kapitols wird.

Gerade dieser Propagandakrieg gehört zu den stärksten Elementen des Films. Mockingjay Teil 1 ist ruhiger als die beiden Vorgänger, aber nicht weniger angespannt. Die Bedrohung entsteht nicht mehr durch die unmittelbare Gefahr der Arena, sondern durch das Wissen, dass ganz Panem kurz vor dem offenen Krieg steht. Jede Sendung, jede Rede und jedes Zeichen kann Menschen zum Aufstand bewegen oder sie brechen. Der Film zeigt sehr deutlich, wie sehr Katniss zwischen persönlichem Schmerz und politischer Vereinnahmung aufgerieben wird.

Auch optisch unterscheidet sich der dritte Teil stark von den bisherigen Filmen. Die Hungerspiele boten zuvor noch bunte Kostüme, überzeichnete Kapitol-Bilder und eine grausame Showfassade. Mockingjay Teil 1 ist karger, grauer und bedrückender. Ein großer Teil der Handlung spielt in den unterirdischen Anlagen von Distrikt 13, die an Bunker, Militärkomplexe und Schutzräume erinnern. Die wenigen Ausflüge nach draußen führen in zerstörte Distrikte, in Ruinen und an Orte, an denen die Gewalt des Kapitols sichtbar geworden ist. Dadurch bekommt der Film eine ganz eigene Schwere.

Regisseur Francis Lawrence nimmt sich bewusst Zeit für diese neue Atmosphäre. Mockingjay Teil 1 ist kein Film, der von einer Actionszene zur nächsten hetzt. Stattdessen beobachtet er, wie aus einer verletzten jungen Frau eine Symbolfigur gemacht wird und wie schwer es Katniss fällt, diese Rolle anzunehmen. Das macht den Film weniger spektakulär als Catching Fire, aber auch politischer und nachdenklicher. Der Preis dafür ist, dass sich manche Passagen wie Vorbereitung auf das große Finale anfühlen. Man merkt dem Film an, dass er nur die erste Hälfte des letzten Buches erzählt.

Darstellerisch steht Jennifer Lawrence erneut klar im Zentrum. Sie spielt Katniss nicht als unerschütterliche Heldin, sondern als junge Frau, die durch Verlust, Schuldgefühle und Angst gezeichnet ist. Gerade in den stilleren Momenten zeigt Lawrence, wie schwer es Katniss fällt, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Sie soll Hoffnung geben, obwohl sie selbst kaum noch welche besitzt. Diese Spannung trägt den Film über weite Strecken.

Auch die Nebenfiguren gewinnen an Profil. Philip Seymour Hoffman gibt Plutarch Heavensbee jene Mischung aus Manipulation, Intelligenz und Pragmatismus, die ihn zu einer der interessantesten Figuren des Widerstands macht. Julianne Moore bringt als Alma Coin kühle Autorität ins Spiel und lässt von Beginn an spüren, dass auch die Rebellion nicht frei von Machtinteressen ist. Woody Harrelson als Haymitch, Elizabeth Banks als Effie und Liam Hemsworth als Gale ergänzen das Bild einer Bewegung, in der jeder seine eigene Rolle finden muss.

Ein weiterer starker Baustein ist die Musik von James Newton Howard. Der Soundtrack fängt die düstere Stimmung des Films sehr gut ein und wechselt zwischen ruhigen, fast verletzlichen Momenten und wuchtigen, aufrührerischen Passagen. Besonders Katniss’ Rebellenlied gehört zu den eindringlichsten Szenen des Films. Es zeigt, wie aus persönlicher Trauer ein kollektives Zeichen werden kann. Auch der Titelsong von Lorde passt gut zur kühlen, angespannten Atmosphäre dieses Kapitels.

Ganz ohne Schwächen bleibt Mockingjay Teil 1 allerdings nicht. Durch die Aufteilung des Finales in zwei Filme fehlt stellenweise der erzählerische Druck. Manche Entwicklungen werden lange vorbereitet, ohne bereits vollständig eingelöst zu werden. Wer die unmittelbare Spannung der Arena erwartet, wird diesen Teil vielleicht als zu ruhig empfinden. Gleichzeitig ist genau diese Ruhe notwendig, um den Übergang vom Überlebenskampf einzelner Figuren zum offenen Krieg einer ganzen Gesellschaft zu erzählen.

Fazit

YouGame Redaktion
YouGame Redaktion
Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 ist ein deutlich ruhigerer, düstererer und politischerer Film als seine Vorgänger. Regisseur Francis Lawrence nimmt sich Zeit, um den Konflikt zwischen Kapitol und Distrikten, den Propagandakrieg und Katniss’ innere Zerrissenheit stärker herauszuarbeiten. Die große Action steht nicht im Mittelpunkt, dafür gewinnt die Welt von Panem an Tiefe.

Der Film ist nicht perfekt und spürbar als erster Teil eines Finales angelegt. Dennoch überzeugt Mockingjay Teil 1 mit starker Atmosphäre, einer erneut hervorragenden Jennifer Lawrence und einigen eindringlichen Momenten. Gerade weil der Film weniger auf Spektakel setzt, bleibt er auf andere Weise hängen. Er zeigt, dass Katniss nicht nur gegen Snow kämpfen muss, sondern auch gegen die Rolle, die andere aus ihr machen wollen.

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