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Kino-Kritik: A Million ways to die in the west

· ca. 6 Min. Lesezeit · Kino · Universal Pictures · YouGame Redaktion
Filmbild: A Million ways to die in the west

Der Western wurde im Kino schon oft für tot erklärt, nur um kurz darauf wieder aufzutauchen. Mal ernst, mal düster, mal nostalgisch, mal als schräge Parodie auf sich selbst. Seth MacFarlane nutzt dieses traditionsreiche Genre nun für A Million Ways to Die in the West und macht daraus eine Komödie, die den Wilden Westen zugleich verspottet und sichtbar liebt. Nach dem Überraschungserfolg von Ted war die Frage groß, ob MacFarlanes derber Humor auch mit Colts, staubigen Straßen und Duellen bei Sonnenuntergang funktioniert.

Die Antwort fällt gemischt, aber überwiegend positiv aus. A Million Ways to Die in the West ist keine besonders raffinierte Geschichte und auch kein Film, der den Western neu erfindet. Stattdessen setzt MacFarlane auf eine sehr klassische Ausgangslage, die er mit moderner Selbstironie, brutalen Pointen und vielen absurden Einfällen auflädt. Das Ergebnis ist eine Komödie, die nicht immer zündet, aber oft genug genau den respektlosen Ton trifft, den man von ihm erwartet.

Die Handlung spielt im Jahr 1882 in dem kleinen Städtchen Old Stump. Dort lebt Albert Stark, ein Schafzüchter, der mit dem Mythos des rauen, furchtlosen Cowboys herzlich wenig zu tun hat. Er kann nicht schießen, hat vor fast allem Angst und hält den Wilden Westen im Grunde für einen lebensgefährlichen Irrtum. Während andere Männer Duelle suchen, Vieh treiben oder sich mit Stolz in Schlägereien stürzen, wäre Albert am liebsten weit weg von all dem Staub, der Gewalt und den unzähligen Möglichkeiten, auf dumme Weise zu sterben.

Am Leben hält ihn neben seinem vorlauten Mundwerk vor allem die Liebe zu Louise. Doch als Albert sich bei einem Duell wieder einmal wenig heldenhaft verhält, hat Louise genug und verlässt ihn. Für Albert bricht eine Welt zusammen. Er zieht sich zurück, suhlt sich in Selbstmitleid und hadert mit einer Umgebung, in der Mut oft nur bedeutet, besonders schnell besonders schlechte Entscheidungen zu treffen.

Zur selben Zeit kommt Anna nach Old Stump. Sie ist die Frau des gefürchteten Banditen Clinch und soll sich in der Stadt verstecken, während ihr Mann in der Umgebung seine Geschäfte erledigt. Durch Zufall lernen sich Albert und Anna kennen. Aus anfänglicher Sympathie wird schnell mehr, ohne dass Albert ahnt, mit wem er es eigentlich zu tun hat. Anna erkennt in ihm nicht den klassischen Westernhelden, sondern einen ehrlichen, witzigen und verletzlichen Mann, der sich nicht in die brutalen Spielregeln seiner Zeit fügen will.

Natürlich kann dieses Glück nicht lange halten. Als Clinch plötzlich in der Stadt auftaucht, holt die Realität Albert ein. Nun muss er sich nicht nur einem gefährlichen Revolverhelden stellen, sondern auch seinen eigenen Ängsten. Der Film folgt damit einer sehr vertrauten Komödienstruktur. Ein feiger Außenseiter muss über sich hinauswachsen, um die Frau zu retten, die er liebt, und sich selbst als jemand zu beweisen, der mehr kann, als er glaubt. Neu ist das nicht, aber MacFarlane nutzt diese bekannte Form vor allem als Bühne für seine Pointen.

A Million Ways to Die in the West trägt MacFarlanes Handschrift deutlich. Wer Family Guy oder Ted mag, erkennt den Ton sofort. Der Humor ist direkt, oft derb, manchmal albern und gelegentlich bewusst geschmacklos. Der Film macht vor kaum einem Thema halt und lebt davon, die romantisierte Vorstellung des Wilden Westens konsequent zu zerstören. Krankheiten, schlechte Medizin, Gewalt, miserable Hygiene, giftige Tiere, betrunkene Revolverhelden und absurde Unfälle machen klar, dass dieses Leben kaum etwas mit der heroischen Legende zu tun hatte, die das Kino so lange gepflegt hat.

Gerade diese Idee funktioniert erstaunlich gut. Der Film zeigt den Westen nicht als Sehnsuchtsort, sondern als Ort, an dem man an fast allem sterben kann. Der Titel ist also Programm. Immer wieder gibt es kleine, makabre Todesfälle und grausame Nebenbemerkungen, die den Mythos Cowboyleben genüsslich zerlegen. Nicht jeder Gag landet, manche Pointen werden etwas zu lange ausgewalzt, und einige Witze wirken eher wie lose Sketche als wie organischer Teil der Handlung. Doch die Trefferquote ist hoch genug, um über weite Strecken gut zu unterhalten.

Interessant ist, dass MacFarlane den Western nicht nur verspottet. Zwischen all den derben Witzen merkt man dem Film eine echte Liebe zum Genre an. Die Landschaftsaufnahmen sind schön komponiert, der Soundtrack klingt angenehm klassisch, und manche Bilder könnten aus einem deutlich ernsteren Western stammen. Genau dieser Kontrast macht den Reiz aus. A Million Ways to Die in the West lacht über die Konventionen des Genres, nimmt dessen Atmosphäre aber ernst genug, damit die Parodie nicht völlig beliebig wirkt.

Schauspielerisch ist der Film unterschiedlich stark. Seth MacFarlane spielt Albert solide, bleibt aber neben einigen seiner Co-Stars etwas blass. Sein Timing für Dialoge und trockene Kommentare funktioniert, doch als Leinwandpräsenz ist er nicht immer stark genug, um den Film allein zu tragen. Charlize Theron gleicht das als Anna deutlich aus. Sie bringt Charme, Ruhe und Souveränität mit und sorgt dafür, dass die Liebesgeschichte besser funktioniert, als sie auf dem Papier müsste. Die Chemie zwischen ihr und MacFarlane ist sympathisch, auch wenn der Film nie ganz erklären kann, warum Anna sich so schnell zu Albert hingezogen fühlt.

Neil Patrick Harris ist als Foy eines der komödiantischen Highlights. Sein überhebliches Auftreten, seine Eitelkeit und seine Freude daran, Albert öffentlich bloßzustellen, passen perfekt zum Ton des Films. Liam Neeson wiederum gibt Clinch mit großer Ernsthaftigkeit und genau der richtigen Portion Selbstironie. Dass ein so gravitätischer Schauspieler in einem derart absurden Umfeld auftritt, sorgt für einen schönen Reibungseffekt. Dazu kommen einige Cameos, die besonders für filmkundige Zuschauerinnen und Zuschauer nette Überraschungen bereithalten, auch wenn einer der besten Auftritte leider schon im Trailer verraten wurde.

Schwächen hat der Film vor allem in seiner Länge und Struktur. Die Geschichte ist dünn, der Mittelteil hängt gelegentlich durch, und einige Gags wirken, als wären sie eher wegen ihrer Schockwirkung als wegen ihrer dramaturgischen Funktion eingebaut worden. MacFarlane vertraut sehr stark darauf, dass ein weiterer obszöner Witz oder eine weitere absurde Gewalteinlage die Energie hochhält. Das klappt oft, aber nicht immer. Wer mit seinem Humor nichts anfangen kann, wird hier vermutlich wenig Freude haben.

Für Fans von Ted oder Family Guy sieht das anders aus. A Million Ways to Die in the West liefert genau jene Mischung aus frechem Mundwerk, Popkultur-Witzen, derber Körperkomik und liebevoller Genre-Parodie, die man erwarten darf. Der Film ist nicht so kompakt und pointensicher wie Ted, hat aber genug eigene Momente, um nicht wie ein bloßer Versuch zu wirken, denselben Humor in eine andere Kulisse zu stellen.

Fazit

YouGame Redaktion
YouGame Redaktion
A Million Ways to Die in the West ist keine große Neuerfindung der Westernkomödie, aber eine unterhaltsame, oft sehr derbe und stellenweise herrlich makabre Genre-Parodie. Die Geschichte um den feigen Schafzüchter Albert ist eher Durchschnitt, doch die vielen Pointen, die schönen Westernbilder und der gut aufgelegte Cast machen den Film deutlich reizvoller, als seine einfache Handlung vermuten lässt.

Nicht jeder Gag sitzt, und MacFarlane verlässt sich manchmal zu stark auf Provokation und Sketch-Humor. Wer seinen Stil mag, bekommt aber eine witzige, respektlose und zugleich überraschend liebevolle Abrechnung mit dem Mythos Wilder Westen. A Million Ways to Die in the West ist kein perfekter Film, aber für Fans von Ted, Family Guy und derben Genre-Parodien ein sehr unterhaltsamer Kinobesuch.

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