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Kino-Kritik: Non-Stop

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Constantin Film · YouGame Redaktion
Filmbild: Non-Stop

Wenn man sich die Actionrollen ansieht, die Liam Neeson in den letzten Jahren übernommen hat, vergisst man beinahe, dass derselbe Schauspieler einst in Schindlers Liste zu sehen war. Seit 96 Hours ist Neeson zur späten Action-Ikone geworden, zum wortkargen Mann mit schwerer Vergangenheit, der in Extremsituationen erstaunlich zuverlässig funktioniert. Auch in Non-Stop bleibt er diesem Rollenbild treu. Diesmal spielt er den alkoholabhängigen Air Marshal Bill Marks, der an Bord eines Passagierflugzeugs einen unsichtbaren Killer stoppen muss. Und wie so oft läuft ihm dabei die Zeit davon.

Bill Marks hasst sein Leben. Seit den Anschlägen vom 11. September arbeitet er als Air Marshal und fliegt unerkannt auf Linienflügen mit, um im Ernstfall terroristische Bedrohungen abzuwehren. Doch von Idealismus ist nicht viel übrig geblieben. Marks kann seinen Job kaum noch ertragen, leidet bei jedem Start unter Flugangst und hat auch privat längst den Halt verloren. Seit dem Krebstod seiner Tochter ist sein Leben ein Trümmerhaufen. Er trinkt, er funktioniert nur noch irgendwie, und wirklich vorbildlich wirkt dieser Mann schon lange nicht mehr.

Sein aktueller Flug führt ihn von New York nach London. Für Marks ist es eigentlich Routine, einer jener Flüge, die man möglichst unauffällig überstehen möchte. Doch kurz nach dem Start erhält er über ein gesichertes Netzwerk Nachrichten von einer unbekannten Person. Die Forderung ist klar: Die Fluggesellschaft soll 150 Millionen Dollar auf ein geheimes Konto überweisen, sonst werde alle 20 Minuten ein Mensch an Bord sterben. Zunächst klingt das wie eine absurde Drohung. Dann gibt es das erste Opfer.

Von diesem Moment an entwickelt sich Non-Stop zu einem klassischen Katz-und-Maus-Spiel auf engstem Raum. Marks muss den Täter finden, ohne Panik auszulösen, während die Uhr unaufhaltsam weiterläuft. Das Problem ist nur, dass alle Hinweise plötzlich auf ihn selbst zeigen. Das angegebene Konto läuft auf seinen Namen, sein ohnehin angeschlagener Ruf arbeitet gegen ihn, und als auch noch eine Bombe an Bord auftaucht, glaubt ihm bald niemand mehr. Weder das FBI am Boden noch die Passagiere im Flugzeug sind sicher, ob Marks Retter oder Täter ist.

Genau aus dieser Unsicherheit zieht der Film seine Spannung. Das Flugzeug wird zur abgeschlossenen Bühne, auf der jeder verdächtig sein könnte. Der nervöse Passagier, die ruhige Sitznachbarin, das Bordpersonal, der Pilot, der Geschäftsmann, der scheinbar harmlose Mitreisende. Regisseur Jaume Collet-Serra nutzt den begrenzten Raum geschickt aus und sorgt dafür, dass die Enge der Maschine zunehmend bedrückend wirkt. Jeder Blick, jede Bewegung und jede kurze Abwesenheit kann plötzlich Bedeutung bekommen.

Liam Neeson trägt den Film mit genau jener Mischung aus Müdigkeit, Härte und innerer Verwundung, die ihm in solchen Rollen gut steht. Bill Marks ist kein makelloser Held, sondern ein gebrochener Mann, der gerade deshalb interessant bleibt. Man merkt ihm an, dass er den Job nicht mehr liebt und vielleicht auch sich selbst nicht besonders leiden kann. Doch sobald Menschenleben auf dem Spiel stehen, greift sein Pflichtgefühl. Dann wird aus dem abgekämpften Air Marshal wieder jemand, der bereit ist, alles zu riskieren.

Dabei geht Marks nicht zimperlich vor. Wenn er glaubt, eine Spur zu haben, wird verhört, gedrängt und notfalls auch körperlich nachgeholfen. Das macht ihn nicht immer sympathisch, aber glaubwürdig innerhalb dieses Szenarios. Non-Stop lebt davon, dass man Marks nicht völlig trauen muss, um trotzdem mit ihm mitzufiebern. Der Film spielt mit seiner Vergangenheit, seinem Alkoholproblem und seiner zunehmenden Verzweiflung, ohne daraus ein tiefes Charakterdrama zu machen. Dafür bleibt er zu sehr Thriller, aber als emotionale Grundlage reicht es.

Stark ist auch die Art, wie der Film die Handynachrichten einbindet. Die Textnachrichten werden dynamisch ins Bild gesetzt, ohne den Fluss der Szenen zu stören. Dadurch entsteht ein moderner Spannungsmechanismus, der gut zum klaustrophobischen Setting passt. Die Bedrohung ist ständig präsent, obwohl der Täter zunächst unsichtbar bleibt. Man wartet mit Marks auf die nächste Nachricht, die nächste Frist, den nächsten Hinweis und irgendwann auf den nächsten Tod.

Weniger überzeugend sind einige Nebenfiguren. Julianne Moore bringt als Sitznachbarin Jen Summers zwar Ruhe und Präsenz mit, bekommt aber nicht genug Raum, um wirklich komplex zu werden. Auch viele andere Passagiere bleiben eher Funktionsträger, die kurz Verdacht erzeugen, Informationen liefern oder für zusätzliche Unruhe sorgen. Das ist für einen Thriller dieser Art verständlich, nimmt dem Film aber etwas Tiefe. Die Handlung steht klar über den Figuren.

Auch die Auflösung ist nicht ganz so stark wie der Weg dorthin. Non-Stop baut lange eine wirkungsvolle Spannung auf, arbeitet mit falschen Fährten und Verdachtsmomenten, doch sobald die Hintergründe klarer werden, verliert der Film etwas von seiner Eleganz. Die Motivation des Täters wirkt nicht so überzeugend, wie es die vorherige Inszenierung verdient hätte. Hier merkt man, dass der Film stärker als Spannungskonstruktion funktioniert als als logisch wasserdichter Thriller.

Trotzdem bleibt Non-Stop über weite Strecken sehr unterhaltsam. Collet-Serra inszeniert straff, nutzt den Flugzeugraum effektiv und hält das Tempo hoch. Der Film macht aus seiner einfachen Ausgangslage genug, um bis zum Finale spannend zu bleiben. Man weiß lange nicht, wem man trauen kann, und genau das ist bei einem Thriller dieser Art entscheidend.

Fazit

YouGame Redaktion
YouGame Redaktion
Non-Stop ist ein spannender Actionthriller über den Wolken, der seine begrenzte Kulisse geschickt nutzt und Liam Neeson erneut als abgekämpften, aber entschlossenen Problemlöser zeigt. Das Katz-und-Maus-Spiel an Bord funktioniert gut, die Verdachtsmomente wechseln flott, und der Film hält lange offen, wer hinter der Bedrohung steckt.

Nicht alles geht am Ende sauber auf. Einige Nebenfiguren bleiben blass, und die Auflösung ist schwächer als der Weg dorthin. Wer aber einen kompakten, temporeichen Thriller mit klaustrophobischer Atmosphäre und einem überzeugenden Liam Neeson sucht, macht mit Non-Stop wenig falsch.

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