Seit dem Sieg von Katniss und Peeta bei den 74. Hungerspielen hat sich ihr Leben verändert. Sie wohnen nun in großen Häusern, müssen nicht mehr hungern und gelten im Kapitol als gefeierte Sieger. Doch der Wohlstand hat seinen Preis. Beide wissen, dass andere für ihren Triumph gestorben sind, und dass ihr gemeinsamer Sieg nicht nur ein Happy End war, sondern ein gefährlicher Bruch mit den Regeln. Während die dekadente Elite im Kapitol weiterlebt, als wäre nichts geschehen, wächst in den Distrikten die Wut. Catching Fire zeigt eine Gesellschaft, in der nur noch ein Funke fehlt, bis aus Angst offener Widerstand wird.
Dieser Funke ist Katniss selbst. Weil sie sich am Ende der letzten Hungerspiele weigerte, Peeta zu töten, wurde sie unfreiwillig zum Symbol der Hoffnung. Präsident Snow erkennt diese Gefahr sofort. Er versucht, Katniss und Peeta als romantisches Traumpaar zu inszenieren und schickt sie auf eine Tour durch die Distrikte. Offiziell sollen sie feiern, danken und die Einheit Panems beschwören. In Wahrheit soll ihre Liebesgeschichte das Volk beruhigen und den Eindruck erwecken, dass ihr Regelbruch kein Akt des Widerstands war, sondern bloß eine dramatische Geste zweier Liebender.
Doch diese Inszenierung funktioniert immer weniger. Peeta versucht, sich in seine Rolle zu fügen, während Katniss spürt, wie falsch alles ist. Sie kann nicht einfach den Wohlstand genießen, während ihre Familie, ihre Freunde und die Menschen in Distrikt 12 weiter in Armut leben. Auf der Reise durch Panem sehen Katniss und Peeta, dass die Stimmung kippt. Demonstrationen, Zeichen des Widerstands und brutale Reaktionen der Friedenswächter machen deutlich, dass das Kapitol seine Kontrolle verliert. Snow verlangt von Katniss, die Liebesgeschichte glaubhaft weiterzuspielen, doch je stärker er sie dazu zwingt, desto deutlicher wird, dass sie längst für etwas steht, das er nicht mehr vollständig kontrollieren kann.
Um Katniss und Peeta loszuwerden, entwickeln Snow und der neue Spielleiter Plutarch Heavensbee einen besonders grausamen Plan. Die 75. Hungerspiele sollen als Jubiläumsausgabe stattfinden. Statt neue Tribute aus den Distrikten zu ziehen, werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diesmal aus dem Kreis der bisherigen Sieger gewählt. Damit ist klar, dass Katniss erneut in die Arena muss. Peeta folgt ihr aus Loyalität, obwohl beide wissen, dass laut Regeln wieder nur eine Person überleben darf. Der Sieg aus dem ersten Teil wird dadurch nachträglich vergiftet. Das Kapitol zeigt, dass selbst Triumph keine Sicherheit bedeutet.
Der zweite Teil nimmt sich mehr Zeit für die politische Lage in Panem als sein Vorgänger. Während Die Tribute von Panem noch stark vom unmittelbaren Überlebenskampf der Arena lebte, zeigt Catching Fire deutlicher, wie tief die soziale Spaltung des Landes reicht. Die Distrikte wirken arm, grau und von Angst geprägt, das Kapitol dagegen bunt, schrill und maßlos. Dieser Kontrast ist nicht subtil, aber wirkungsvoll. Man versteht sofort, warum das System nur durch Gewalt, Propaganda und ständige Einschüchterung aufrechterhalten werden kann.
Katniss steht dabei im Zentrum eines Konflikts, den sie selbst noch nicht vollständig begreift. Sie will keine Anführerin sein, keine Märtyrerin und keine bewusst inszenierte Ikone. Eigentlich möchte sie nur die Menschen schützen, die sie liebt. Doch genau diese Menschlichkeit macht sie für die Unterdrückten so wichtig. Jennifer Lawrence spielt diese Zerrissenheit erneut sehr stark. Ihre Katniss ist keine strahlende Heldin, sondern eine junge Frau, die unter Schuldgefühlen, Angst und politischem Druck steht. Gerade dadurch wirkt sie glaubwürdig.
Auch Peeta gewinnt an Profil. Josh Hutcherson spielt ihn nicht als bloßen romantischen Gegenpol zu Gale, sondern als jemanden, der seine Wirkung auf andere Menschen versteht und Sprache als Mittel des Widerstands nutzt. Während Katniss instinktiv handelt, kann Peeta Situationen lesen, Menschen berühren und mit Worten etwas auslösen. Liam Hemsworth als Gale bleibt dagegen eher Randfigur, ist aber wichtig für Katniss’ innere Zerrissenheit und für die Verbindung zu Distrikt 12.
Im zweiten Teil des Films kehrt die Handlung in die Arena zurück. Der Überlebenskampf im Dschungel erinnert auf den ersten Blick an den ersten Film, funktioniert diesmal aber anders. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind keine unerfahrenen Jugendlichen mehr, sondern frühere Sieger, also Menschen, die bereits getötet, überlebt und Narben davongetragen haben. Dadurch verändert sich die Dynamik. Katniss und Peeta treffen nicht nur auf Gegner, sondern auch auf mögliche Verbündete, die ihre eigenen Traumata und Motive mitbringen.
Die neue Arena bietet mit ihrem zentralen See, den tödlichen Zonen und den wiederkehrenden Gefahren einige starke Ideen. Dennoch erreicht dieser Abschnitt nicht immer die emotionale Unmittelbarkeit des ersten Films. Dort war der Schock größer, weil Kinder zum ersten Mal in einen brutalen Kampf gezwungen wurden. In Catching Fire liegt die Stärke weniger in der Arena selbst als in dem, was sie politisch bedeutet. Das Kapitol will Katniss brechen, doch je brutaler es vorgeht, desto stärker wird ihr Symbolwert.
Technisch ist der Film hervorragend umgesetzt. Die Welt von Panem wirkt größer, klarer und stimmiger als im ersten Teil. Die ärmlichen Distrikte, der sterile Prunk des Kapitols und die bedrohliche Arena sind visuell deutlich voneinander getrennt. Auch die Kostüme und Kulissen tragen viel dazu bei, die sozialen Unterschiede sichtbar zu machen. Besonders das Kapitol wirkt in seiner Übertreibung zugleich faszinierend und abstoßend.
Darstellerisch überzeugt das Ensemble durchgehend. Donald Sutherland gibt Präsident Snow eine ruhige, eiskalte Bedrohlichkeit, die stärker wirkt als jede laute Machtdemonstration. Philip Seymour Hoffman bringt als Plutarch Heavensbee eine undurchsichtige Intelligenz in die Geschichte, während Elizabeth Banks als Effie Trinket diesmal mehr emotionale Zwischentöne zeigen darf. Gerade an solchen Nebenfiguren merkt man, dass Catching Fire die Welt von Panem weiter öffnet und komplexer macht.
Fazit
Nicht jeder Arena-Moment erreicht die Intensität des ersten Films, doch als Gesamtwerk wirkt Catching Fire runder und größer. Gesellschaftskritik, Liebesgeschichte, Zukunftsvision und Action greifen gut ineinander, ohne dass eine Ebene den Film völlig dominiert. Für Fans der Bücher ist das eine gelungene Umsetzung, für Genre-Fans ein sehenswertes Jugend-Dystopie-Abenteuer mit deutlich mehr Substanz, als man auf den ersten Blick erwarten könnte.











