Pixar konnte 2001 mit Die Monster AG einen riesigen Erfolg feiern. Mike, Sulley, Buh und die Welt von Monstropolis haben sich schnell in die Herzen vieler Zuschauerinnen und Zuschauer gespielt. Lange stellte sich deshalb die Frage, wie ein Nachfolger zu diesem beliebten Animationsfilm aussehen könnte. Pixar entschied sich schließlich nicht für eine klassische Fortsetzung, sondern dreht die Zeit zurück. Die Monster Uni erzählt, wie aus Mike und Sulley überhaupt jene Freunde wurden, die wir aus Die Monster AG kennen.
Die Handlung spielt rund ein Jahrzehnt vor den Ereignissen des ersten Films. Mike Glotzkowski träumt schon seit seiner Kindheit davon, einmal ein großer Schrecker zu werden. Seit einem Ausflug zur Monster AG ist für ihn klar, dass er später in Kinderzimmer schleichen und mit den Schreien der Menschenkinder Energie für Monstropolis sammeln möchte. Dafür schreibt er sich an der renommierten Monster Uni ein, wo die besten Schrecker des Landes ausgebildet werden.
Dort trifft Mike auf James P. Sullivan, genannt Sulley. Während Mike ein fleißiger, ehrgeiziger Außenseiter ist, stammt Sulley aus einer berühmten Schrecker-Familie und verlässt sich zunächst vor allem auf seinen Namen, sein Talent und sein selbstsicheres Auftreten. Lernen hält er für überflüssig, schließlich scheint ihm das Schrecken ohnehin im Blut zu liegen. Mike dagegen arbeitet hart, kennt jedes Lehrbuch und will allen beweisen, dass man auch ohne furchteinflößendes Äußeres ein großer Schrecker werden kann.
Es dauert nicht lange, bis die beiden aneinandergeraten. Mike sieht in Sulley einen überheblichen Faulpelz, Sulley wiederum nimmt Mike nicht ernst. Ihre Rivalität eskaliert schließlich bei einer wichtigen Prüfung, woraufhin Dekanin Hardscrabble genug hat. Wegen ihres Regelbruchs werden beide aus dem Schrecker-Programm geworfen. Für Mike und Sulley scheint der große Traum damit geplatzt zu sein.
Doch eine letzte Chance bleibt. Wenn sie bei den universitären Schreckspielen gewinnen, könnten sie sich ihren Platz im Programm zurückerobern. Das Problem ist nur, dass sie dafür einer Studentenverbindung angehören müssen. Da keine der angesehenen Verbindungen Interesse an den beiden Streithähnen hat, landen sie ausgerechnet bei Oozma Kappa, einer Gruppe liebenswerter Außenseiter, die bisher eher durch mangelndes Talent als durch Schrecken aufgefallen ist. Gemeinsam müssen sie lernen, als Team zu funktionieren, obwohl zunächst kaum jemand an sie glaubt.
Pixar hat sich viel Zeit gelassen, um zur Welt der Monster zurückzukehren, und das merkt man dem Film an. Die Monster Uni wirkt nicht wie ein lieblos nachgeschobener Nachfolger, sondern wie eine sorgfältig ausgearbeitete Erweiterung des bekannten Universums. Der Campus ist voller kleiner Ideen, schräger Kreaturen und liebevoller Details. Von Studentenverbindungen über Vorlesungssäle bis hin zu Wettkämpfen und Wohnheimchaos wird die amerikanische College-Welt charmant ins Monsterhafte übersetzt.
Besonders schön ist, wie viele neue Monster durch die Geschichte wuseln. Gleichzeitig gibt es genug Wiedersehen mit bekannten Figuren, ohne dass der Film nur von Nostalgie lebt. Randall Boggs taucht etwa als noch harmloser, etwas unsicherer Student mit Nerdbrille auf, was für Kenner des ersten Films besonders amüsant ist. Solche Momente sind kleine Verbeugungen vor Die Monster AG, stehen aber nicht im Weg.
Die größte Stärke des Films ist erneut die Dynamik zwischen Mike und Sulley. Während man aus dem ersten Film bereits weiß, dass die beiden einmal beste Freunde werden, zeigt Die Monster Uni, dass dieser Weg alles andere als selbstverständlich war. Der Film erzählt von Rivalität, falschen Erwartungen und davon, dass Talent allein nicht reicht, wenn man nicht bereit ist, an sich zu arbeiten. Gleichzeitig stellt er eine für einen Familienfilm überraschend ehrliche Botschaft in den Mittelpunkt: Nicht jeder Traum erfüllt sich genau so, wie man ihn sich ausgemalt hat. Manchmal muss man einen anderen Weg finden, ohne sich selbst aufzugeben.
Humor gibt es reichlich. Die Schreckspiele bieten viele Möglichkeiten für Situationskomik, schräge Team-Momente und klassische Pixar-Gags. Manchmal nimmt sich der Film dafür fast etwas zu viel Zeit, wodurch die eigentliche Geschichte nicht ganz die emotionale Tiefe von Die Monster AG erreicht. Gerade im Vergleich zum Vorgänger fehlt ein wenig jene große Herzenswärme, die durch Buh entstanden ist. Dafür punktet Die Monster Uni stärker als College-Komödie für die ganze Familie.
Technisch ist der Film hervorragend umgesetzt. Die Monster sind noch detailreicher, die Farben kräftiger und die Animationen sichtbar feiner als im ersten Teil. Fell, Hautstrukturen, Licht, Bewegungen und die vielen Hintergründe zeigen, wie stark sich Pixars Technik weiterentwickelt hat. Besonders der Campus lebt durch seine Fülle an kleinen Einfällen. Fast jede Szene enthält im Hintergrund neue Wesen, witzige Designs oder kleine visuelle Gags, die man beim ersten Sehen leicht übersehen kann.
Trotzdem bleibt Die Monster Uni erzählerisch etwas sicherer als Pixars ganz große Meisterwerke. Der Verlauf ist weitgehend vorhersehbar, und manche Figuren aus Oozma Kappa hätten noch mehr Raum verdient. Der Film ist charmant, witzig und sehr sympathisch, aber nicht ganz so überraschend oder emotional durchschlagend wie Die Monster AG. Das ist keine Katastrophe, aber es verhindert, dass das Prequel ganz an den Klassiker heranreicht.
Fazit
Ganz die emotionale Klasse des Vorgängers erreicht Die Monster Uni nicht. Die Geschichte ist vorhersehbarer, und manche Nebenfiguren bleiben etwas oberflächlich. Trotzdem ist der Film ein sehr unterhaltsames, warmherziges Familienabenteuer über Freundschaft, Ehrgeiz und die Erkenntnis, dass man manchmal andere Wege finden muss, um ans Ziel zu kommen. Für Fans der Monsterwelt ist das Wiedersehen auf jeden Fall gelungen.











