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Kino-Kritik: Merida - Legende der Highlands

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Walt Disney Studios Motion Pictures · YouGame Redaktion
Filmbild: Merida - Legende der Highlands

Mit Merida – Legende der Highlands schlägt Pixar einen etwas anderen Ton an als in vielen seiner vorherigen Filme und betritt dabei erfreulicherweise wieder Neuland. Der Film entführt in ein historisch angehauchtes Schottland mit einer weiblichen Hauptfigur, mystischen Wäldern und alten Traditionen und erzählt eine Geschichte, die stärker an klassische Disney-Märchen erinnert als viele frühere Pixar-Produktionen. Herausgekommen ist ein warmherziges, visuell beeindruckendes Abenteuer, das zwar nicht in allen Punkten perfekt ist, aber deutlich mehr Charme besitzt, als manche Kritik vermuten lässt.

Merida wächst als Tochter von König Fergus und Königin Elinor in den schottischen Highlands auf. Sie ist wild, eigensinnig und liebt nichts mehr, als mit ihrem Pferd Angus durch die Landschaft zu reiten, mit Pfeil und Bogen zu schießen und sich dem engen höfischen Regelwerk zu entziehen. Während ihr Vater ihre Abenteuerlust mit einer gewissen Gelassenheit betrachtet, sieht ihre Mutter darin ein Problem. Elinor will Merida auf ihre Rolle als zukünftige Königin vorbereiten und besteht auf Disziplin, Etikette und Pflichtbewusstsein.

Der Konflikt zwischen Mutter und Tochter bildet das Herz des Films. Merida will frei sein und ihr Leben selbst bestimmen, Elinor sieht in Tradition und Verantwortung den Weg, das Königreich zusammenzuhalten. Als die drei großen Clans eintreffen, um um Meridas Hand zu werben, eskaliert der Streit. Die Erstgeborenen der Clanführer sollen in einem Wettkampf antreten, dessen Sieger Merida heiraten darf. Doch Merida weigert sich, ihr Leben von anderen bestimmen zu lassen, tritt selbst an und blamiert damit nicht nur die Bewerber, sondern auch die alte Ordnung.

Nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter flieht Merida in den Wald und trifft dort auf eine Hexe. Diese ist allerdings keine klassische Märchenbösewichtin, sondern eine skurrile Holzschnitzerin, die von Zauberei eigentlich nicht mehr viel wissen möchte. Merida überredet sie dennoch, ihr einen Zauber zu geben, der ihre Mutter verändern soll. Der Wunsch erfüllt sich, allerdings ganz anders als gedacht. Königin Elinor verwandelt sich in einen Bären. Nun müssen Mutter und Tochter gemeinsam einen Weg finden, den Fluch zu brechen, bevor er dauerhaft wird. Besonders gefährlich ist das, weil König Fergus als großer Bärenjäger bekannt ist und nicht ahnt, wer sich wirklich hinter dem Tier verbirgt.

Merida ist ein Film über Freiheit, Verantwortung und das schwierige Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Die Geschichte lässt durchaus Gesellschaftskritik mitschwingen, ohne sie dem jungen Publikum aufzudrängen. Merida rebelliert nicht nur gegen ihre Mutter, sondern auch gegen ein patriarchal geprägtes System, in dem über ihre Zukunft entschieden werden soll, ohne dass sie selbst gefragt wird. Gleichzeitig zeigt der Film aber auch, dass Elinor nicht einfach die strenge Gegenspielerin ist. Sie handelt aus Sorge, aus Pflichtgefühl und aus dem Wunsch heraus, Merida auf eine Welt vorzubereiten, die nicht nur aus Abenteuer und Selbstverwirklichung besteht.

Gerade diese Balance macht den Film stärker, als seine recht einfache Handlung zunächst vermuten lässt. Merida hat recht, wenn sie ihr eigenes Leben bestimmen will. Elinor hat aber ebenfalls recht, wenn sie darauf hinweist, dass Entscheidungen Folgen haben und ein Königreich nicht nur aus persönlichen Wünschen besteht. Der Film ist am besten, wenn er diese Spannung nicht zu schnell auflöst, sondern Mutter und Tochter zwingt, einander wirklich zuzuhören.

Trotz der ernsteren Themen bleibt Merida – Legende der Highlands ein kindgerechter, sehr unterhaltsamer Film. Slapstick, Tempo und viele kleine komische Momente sorgen dafür, dass die Geschichte nie zu schwer wird. Besonders Meridas drei kleine Brüder sind pures Chaos auf zwei Beinen. Sie stehlen, tricksen, futtern und richten Unruhe an, ohne dass der Film sie je zu sehr in den Vordergrund drängt. Auch die drei Clanführer und ihre Söhne sorgen für viele Lacher, wobei manche Figuren etwas grob überzeichnet sind und stark in bekannte Klischees kippen.

Die besten Szenen gehören aber klar Merida und Elinor. Durch die Verwandlung der Mutter müssen beide lernen, sich auf eine völlig neue Weise zu verständigen. Elinor kann nicht mehr durch Worte, Regeln und höfische Autorität wirken, Merida wiederum muss Verantwortung übernehmen, statt einfach davonzulaufen. Aus dem Zauber wird dadurch kein bloßer Märchentrick, sondern ein Mittel, um den festgefahrenen Konflikt zwischen den beiden aufzubrechen.

Schade ist, dass die Auflösung des Fluchs am Ende etwas zu einfach ausfällt. Der Film baut den Konflikt lange mit viel Gefühl und dramatischer Spannung auf, löst ihn dann aber recht schnell und erwartbar. Hier hätte Merida etwas mehr erzählerische Tiefe vertragen. Auch insgesamt ist die Geschichte nicht so überraschend oder vielschichtig wie Pixars ganz große Meisterwerke. Der emotionale Kern funktioniert, doch manche Wendungen bleiben etwas vorhersehbar.

Technisch ist Merida allerdings beeindruckend. Die schottischen Landschaften gehören zu den schönsten Bildern, die Pixar bis dahin geschaffen hat. Nebelige Wälder, raue Felsen, Wasserfälle, mystische Steinkreise und weite grüne Täler erzeugen eine Atmosphäre, in die man sofort eintaucht. Besonders Meridas rotes Haar ist ein kleines Kunstwerk für sich. Jede Locke scheint ein eigenes Leben zu führen und unterstreicht perfekt den wilden, ungezähmten Charakter der Figur.

Auch die Animationen sind hervorragend. Die Figuren sind liebevoll gestaltet, die Bewegungen flüssig, die Lichtstimmungen stark und die Welt voller Details. In 3D entfaltet die Landschaft zusätzlich Tiefe, ohne dass der Film auf aufdringliche Effekte setzt. Merida wirkt nicht wie eine reine Technikdemonstration, sondern wie ein Film, bei dem die visuelle Schönheit direkt zur Stimmung der Geschichte beiträgt.

Musikalisch passt die Mischung aus schottisch geprägten Klängen, Folklore-Elementen und eingängigen Liedern sehr gut zur Welt des Films. Die Musik unterstützt das Abenteuergefühl, ohne die emotionalen Momente zu überladen. In der deutschen Fassung geht allerdings ein Teil der Atmosphäre verloren, weil die schottischen Akzente des Originals naturgemäß nicht in gleicher Form übertragen werden. Das stört nicht massiv, nimmt dem Film aber eine kleine regionale Eigenheit.

Merida – Legende der Highlands ist damit kein makelloser Pixar-Film, aber ein sehr sympathischer. Er verbindet Märchen, Abenteuer, Humor und Familiendrama zu einer Geschichte, die besonders durch ihre Hauptfigur und die Mutter-Tochter-Beziehung trägt. Dass Pixar hier stärker in Richtung klassischer Disney-Erzählung geht, ist kein Nachteil. Im Gegenteil. Gerade dieser märchenhafte Ton gibt dem Film eine eigene Farbe innerhalb des Pixar-Katalogs.

Fazit

YouGame Redaktion
YouGame Redaktion
Merida – Legende der Highlands ist ein wunderschön animierter, warmherziger Familienfilm über Freiheit, Verantwortung und die schwierige Liebe zwischen Mutter und Tochter. Die Geschichte ist nicht immer überraschend und bedient sich stellenweise bekannter Klischees, doch der emotionale Kern funktioniert. Merida ist eine starke, eigensinnige Heldin, deren Wunsch nach Selbstbestimmung verständlich bleibt, ohne dass der Film ihre Mutter zur einfachen Gegenspielerin macht.

Technisch zählt Merida zu den schönsten Pixar-Filmen seiner Zeit. Die schottischen Landschaften, die detailreichen Animationen und die stimmungsvolle Musik machen den Film zu einem visuellen Genuss. Kein ganz großes Meisterwerk, aber ein sehr sehenswertes Abenteuer für Jung und Alt, das zeigt, dass Pixar auch mit mehr Märchengefühl und weniger klassischer Studioformel überzeugen kann.

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