Bösewichte haben es auch nicht leicht. Jeder will der größte Schurke der Welt sein, doch wenn plötzlich jemand die Pyramiden stiehlt, steht die Konkurrenz unter Druck. Wer ernst genommen werden möchte, muss noch größer, noch verrückter und noch spektakulärer zuschlagen. Genau aus dieser Idee zieht Ich – Einfach unverbesserlich seinen Reiz. Der Film erzählt zwar keine besonders originelle Geschichte, macht daraus aber ein charmantes Animationsabenteuer für Jung und Alt, das vor allem durch seine Figuren und seinen Humor funktioniert.
Seit dem großen 3D-Boom gibt es kaum noch einen Animationsfilm, der nicht auch auf diese Technik setzt. Auch Ich – Einfach unverbesserlich reiht sich hier ein und nutzt die dritte Dimension vor allem für schnelle Bewegungen, überdrehte Einfälle und kleine Schauwerte. Im Mittelpunkt steht aber weniger die Technik als eine wunderbar schräge Grundidee. Was passiert, wenn ein Superschurke plötzlich nicht mehr nur an seine Welteroberungspläne denken kann, weil drei Waisenmädchen sein Leben auf den Kopf stellen?
Der Hauptcharakter der Geschichte ist Gru, ein hochgewachsener Bösewicht mit spitzer Nase, finsterem Blick und einem Hang zu dramatischen Auftritten. Superkräfte besitzt er keine, dafür aber eine ganze Sammlung technischer Spielereien, mit denen er seine Umgebung in Angst und Schrecken versetzt. Gru lebt nicht etwa in einer abgelegenen Festung, sondern mitten in einem ganz normalen Vorort. Von außen wirkt sein Haus nur etwas düsterer als die Nachbarschaft, doch darunter verbirgt sich ein riesiges geheimes Labor.
Dort arbeitet Dr. Nefario, Grus persönlicher Erfinder, an allerlei gefährlichen und oft ziemlich absurden Geräten. Unterstützt werden die beiden von einer Armee kleiner gelber Helfer, den Minions. Diese sind loyal, chaotisch, tollpatschig und stehlen dem Film in vielen Szenen fast die Show. Mit ihrer Fantasiesprache, ihrem Slapstick und ihrer kindlichen Freude am Unsinn werden sie besonders beim jüngeren Publikum sofort für Begeisterung sorgen. Wer Videospiele kennt, wird sich bei ihrer Energie und ihrem Chaos vielleicht an die Rabbids aus Rayman erinnert fühlen.
Gru hat allerdings ein Problem. Sein Status als großer Bösewicht ist bedroht. Der junge Schurke Vector, Sohn des Chefs der Bank des Bösen, will ihm den Rang ablaufen. Nachdem Gru ihn einmal mit seiner Eispistole bloßgestellt hat, sinnt Vector auf Rache und stiehlt ihm ausgerechnet einen Schrumpfstrahler vor der Nase weg. Dieses Gerät braucht Gru jedoch dringend für seinen bisher größten Plan. Er will den Mond stehlen und damit den spektakulärsten Raub aller Zeiten vollbringen.
Bevor Gru dieses Vorhaben umsetzen kann, muss er den Schrumpfstrahler zurückbekommen. Doch Vectors Haus ist ein hochgesicherter Technikbunker, in den Gru nicht eindringen kann. Also greift er zu einer List. Drei Waisenmädchen verkaufen Vector regelmäßig Kekse und kommen deshalb ohne Probleme durch seine Sicherheitssysteme. Gru adoptiert Margo, Edith und Agnes kurzerhand, nicht aus Liebe oder Mitgefühl, sondern als Werkzeug für seinen Plan.
Natürlich ahnen die Mädchen zunächst nicht, bei wem sie gelandet sind. Sie hoffen auf ein liebevolles Zuhause, während Gru sie nur als Mittel zum Zweck betrachtet. Doch genau hier beginnt der eigentliche Film. Je mehr Zeit Gru mit den Kindern verbringt, desto schwerer fällt es ihm, ihnen die kalte Schulter zu zeigen. Aus dem eiskalten Schurken wird langsam ein Mann, der Gefühle zulässt, obwohl er damit selbst kaum umgehen kann. Gerade dieser Wandel macht Ich – Einfach unverbesserlich stärker, als die einfache Ausgangsidee zunächst vermuten lässt.
Die Geschichte verlagert ihren Schwerpunkt dadurch nach und nach. Am Anfang steht noch der Blick auf die Welt der Bösewichte im Mittelpunkt, mit schrägen Erfindungen, Konkurrenzdenken und überdrehten Raubplänen. Später wird daraus zunehmend eine Familiengeschichte über Nähe, Verantwortung und die Frage, ob jemand, der sich selbst für unverbesserlich hält, doch noch lernen kann, für andere da zu sein. Das ist nicht neu, aber sehr sympathisch erzählt.
Der Humor funktioniert auf mehreren Ebenen. Kinder werden vor allem an den Minions, den vielen Slapstickmomenten und Grus absurden Erfindungen ihren Spaß haben. Erwachsene bekommen zusätzlich kleine Anspielungen, die eher an ihnen hängenbleiben werden. Besonders schön ist etwa die Bank des Bösen, unter deren Namen der Hinweis „ehemals Lehman Brothers“ steht. Solche Details zeigen, dass der Film nicht nur auf bunte Bilder und laute Gags setzt, sondern auch ein paar spitze Seitenhiebe einstreut.
Visuell ist Ich – Einfach unverbesserlich bunt, dynamisch und sehr zugänglich. Der Film hat nicht die emotionale Raffinesse der besten Pixar-Werke, besitzt aber einen eigenen, leicht schrägen Charme. Grus kantiges Design, Vectors übertriebene Technikspielereien, die kindlich-chaotischen Minions und die warmherzigen Szenen mit den Mädchen ergeben eine gelungene Mischung. Auch die 3D-Effekte werden ordentlich eingesetzt, ohne die Geschichte völlig zu überlagern.
Nicht alles ist perfekt. Die Handlung ist vorhersehbar, Vector bleibt als Gegenspieler eher albern als wirklich interessant, und manche Gags sind deutlich stärker als andere. Doch der Film hat genug Herz, um diese Schwächen auszugleichen. Vor allem die Beziehung zwischen Gru und den Mädchen sorgt dafür, dass Ich – Einfach unverbesserlich mehr ist als nur eine Sammlung lustiger Einfälle rund um einen Möchtegern-Schurken.
Fazit
Besonders die Minions, die drei Waisenmädchen und die vielen kleinen Gags machen den Film zu einer unterhaltsamen Familienkomödie. Nicht jeder Einfall sitzt, und erzählerisch bleibt vieles vertraut. Trotzdem bietet Ich – Einfach unverbesserlich Spaß für Jung und Alt, sieht in 3D gut aus und beweist, dass selbst ein Superschurke manchmal nur die richtigen Menschen braucht, um sein Herz zu entdecken.











