Mit Shaun of the Dead wurde die Zombiekomödie endgültig massentauglich. Plötzlich musste das Genre nicht mehr nur grausig, dreckig und bitterernst sein, sondern durfte auch schnellen Humor, absurde Situationen und echte Figurenmomente bieten. Mit Zombieland versucht Regisseur Ruben Fleischer nun, genau diesen Nerv zu treffen und die in den letzten Jahren immer größer gewordene Zombiemanie für eine herrlich schräge Horrorkomödie zu nutzen. In Österreich soll der Film aktuell nicht regulär in die Kinos kommen. Umso ärgerlicher ist das, denn uns entgeht damit einer der unterhaltsamsten Genrebeiträge des Jahres.
Der Titel Zombieland beschreibt im Grunde die gesamte Ausgangslage. Amerika, und vermutlich auch der Rest der Welt, wurde von Zombies überrannt. Die Zivilisation ist zusammengebrochen, nur wenige Menschen haben überlebt, und wer draußen unterwegs ist, braucht Glück, Nerven und am besten ein paar klare Regeln. Einer dieser Überlebenden ist ein Student der University of Texas, der sich auf den Weg nach Columbus, Ohio macht, um dort seine Eltern zu finden. Seinen echten Namen nennt er nicht. Im Film wird er einfach Columbus genannt.
Überlebt hat Columbus vor allem deshalb, weil er schon vor der Apokalypse kein besonders risikofreudiger Mensch war. Er war ein zurückgezogener Nerd, der viel Zeit in seinem Zimmer verbrachte, World of Warcraft spielte und den Kontakt zur Außenwelt eher vermied. In der neuen Welt wird ausgerechnet diese Vorsicht zur Überlebensstrategie. Columbus hält sich penibel an eine lange Liste selbst aufgestellter Regeln, die im Film immer wieder als eingeblendete Texttafeln auftauchen. Anschnallen, zweimal nachlegen, Kondition bewahren, keine unnötigen Risiken eingehen. Was zunächst wie ein netter Gag wirkt, wird schnell zu einem der charmantesten Einfälle des Films.
Auf seinem Weg trifft Columbus auf Tallahassee, einen wortkargen, kompromisslosen und ziemlich gefährlichen Einzelgänger. Dieser nennt Menschen nur nach ihren Herkunftsorten, um jede emotionale Bindung zu vermeiden. Während Columbus vorsichtig, nervös und analytisch durchs Leben stolpert, ist Tallahassee das genaue Gegenteil. Er jagt Zombies mit sichtbarer Freude, improvisiert Waffen aus allem, was ihm in die Hände fällt, und hat neben dem Überleben nur ein großes Ziel. Er will einen der letzten verbliebenen Twinkies finden.
Die ungleiche Zweckgemeinschaft bekommt bald Gesellschaft. Die Schwestern Wichita und Little Rock tauchen auf, meinen es mit den beiden Männern aber zunächst alles andere als gut. Statt sich zusammenzuschließen, tricksen sie Columbus und Tallahassee aus, rauben sie aus und setzen ihren Weg Richtung Kalifornien fort. Dort wollen sie einen verlassenen Vergnügungspark erreichen, der für Little Rock so etwas wie der letzte Rest kindlicher Normalität ist. Natürlich kreuzen sich die Wege der beiden Gruppen erneut, und aus Misstrauen wird langsam eine gemeinsame Reise durch das zombieverseuchte Amerika.
Zombieland funktioniert als Roadmovie erstaunlich gut. Der Film wechselt geschickt zwischen Humor, Action und Horror, ohne sich zu lange auf eine Tonlage festzulegen. Es gibt blutige Zombieattacken, schnelle Verfolgungen, absurde Alltagssituationen und immer wieder kleine Momente, in denen deutlich wird, dass diese Figuren nicht nur überleben, sondern auch versuchen, in einer kaputten Welt so etwas wie Nähe zu finden. Dabei bleibt der Film schnell, pointiert und angenehm kurzweilig. Langeweile kommt kaum auf.
Fleischer findet für diese Mischung eine sehr passende Inszenierung. Schon der Vorspann, in dem die Zombieapokalypse in Zeitlupe und mit schwarzem Humor eingeführt wird, macht klar, in welchem Ton sich der Film bewegt. Gewalt ist hier präsent, aber selten wirklich erschreckend. Stattdessen entsteht der Reiz aus der Mischung aus Splatter, Slapstick und trockenem Kommentar. Die Kamera spielt immer wieder mit den Erwartungen des Publikums, die eingeblendeten Regeln sorgen für zusätzliche Dynamik, und der Film hat ein gutes Gespür dafür, wann er eine Szene zuspitzen und wann er sie einfach laufen lassen muss.
Auch die Figuren tragen viel zum Erfolg bei. Jesse Eisenberg spielt Columbus als liebenswert verklemmten, ängstlichen und übervorsichtigen jungen Mann, der noch immer auf seinen ersten echten Kuss wartet und dabei gar nicht merkt, wie sehr ihm seine Unsicherheit im Weg steht. Gerade diese Nervosität macht ihn sympathisch. Er ist kein klassischer Held, sondern jemand, der in einer absurden Welt mit Regeln, Listen und Vorsicht irgendwie überleben will.
Woody Harrelson ist als Tallahassee das komödiantische Kraftzentrum des Films. Er ist brutal, trocken, völlig überzogen und trotzdem nie bloß eine Karikatur. Seine Jagd nach Twinkies ist herrlich absurd, gleichzeitig deutet der Film genug Traurigkeit hinter seiner Härte an, um die Figur nicht eindimensional wirken zu lassen. Harrelson bekommt einige der besten Sprüche und Actionszenen, und fast jedes Mal, wenn er ins Bild kommt, gewinnt der Film an Energie.
Emma Stone als Wichita und Abigail Breslin als Little Rock runden das Quartett gut ab. Die beiden Schwestern sind clever, misstrauisch und deutlich weniger hilflos, als Columbus und Tallahassee zunächst glauben. Zwar erreichen sie nicht ganz die komödiantische Durchschlagskraft der beiden männlichen Hauptfiguren, doch sie bringen einen wichtigen Gegenpol in die Gruppe. Besonders Wichita sorgt dafür, dass Columbus langsam aus seiner Schutzblase herauskommt, während Little Rock dem Film eine etwas weichere, fast melancholische Note gibt.
Ein besonderes Highlight ist der Auftritt von Bill Murray. Mehr sollte man darüber eigentlich nicht verraten, denn diese Szene gehört zu den großen Überraschungen des Films. Nur so viel sei gesagt. Sein Cameo ist nicht einfach ein netter Promi-Gag, sondern einer der witzigsten und denkwürdigsten Momente des ganzen Films. Wer den Abspann zu früh verlässt, verpasst außerdem noch eine kleine Zugabe.
Natürlich ist Zombieland keine tiefgründige Neuerfindung des Zombiegenres. Die Geschichte bleibt im Kern einfach. Eine kleine Gruppe Überlebender sucht nach Sicherheit, nach Süßigkeiten, nach einem Ort zum Durchatmen und nach anderen Menschen, denen man vielleicht doch vertrauen kann. Das kennt man aus vielen Zombiefilmen. Der Unterschied liegt im Ton. Zombieland nimmt die Apokalypse ernst genug, um Spannung zu erzeugen, aber nie so ernst, dass der Spaß verloren geht.
Gerade diese Leichtigkeit macht den Film so stark. Hinter all dem Blut, den Gags und den Zombieattacken steckt eine simple, aber schöne Botschaft. In einer zerstörten Welt zählen nicht nur Regeln und Waffen, sondern auch die kleinen Momente. Ein gemeinsames Essen, ein blöder Witz, ein Kirmeslicht, ein letzter Snack oder das Gefühl, nicht allein unterwegs zu sein. Columbus fasst es im Film mit einer seiner Regeln gut zusammen. Man soll die kleinen Dinge genießen. Genau das tut auch Zombieland.
Fazit
Der Film ist blutig, witzig, schnell und überraschend charmant. Wer Zombiekomödien mag, bekommt hier einen der besten Genrebeiträge seit Shaun of the Dead. Umso unverständlicher ist es, dass Zombieland in Österreich nicht regulär ins Kino kommen soll. Denn dieser Film gehört auf die große Leinwand, am besten mit einem Publikum, das gemeinsam lachen, zusammenzucken und danach garantiert nie wieder achtlos an einem Twinkie vorbeigehen wird.











