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Technik-Review: HTC Vive

· ca. 4 Min. Lesezeit · VR · Andreas Zommer
Technik-Bild: HTC Vive

Auch 2016 ist der Trend rund um Virtual Reality auf der Gamescom nicht zu übersehen. An fast jeder Ecke stehen Besucher mit einer VR-Brille auf dem Kopf, um eines der aktuell in Entwicklung befindlichen Spiele auszuprobieren und sich von der Technik beeindrucken zu lassen. Die Hersteller strengen sich sichtbar an, den Spielern ein besonderes Erlebnis zu bieten. Schließlich braucht VR eine ausreichend große Nutzerbasis, damit sich die Entwicklung entsprechender Spiele und Anwendungen langfristig lohnt.

Viele Spieler bleiben aktuell jedoch noch skeptisch. Eine Anschaffung will gut überlegt sein, denn für ein überzeugendes VR-Erlebnis braucht man nicht nur die passende Brille, sondern auch einen leistungsstarken PC. Wir konnten uns auf der Gamescom beim taiwanesischen Hersteller HTC hinter verschlossenen Türen die HTC Vive genauer ansehen und wollen unsere Eindrücke mit euch teilen.

Wer sich auf der Gamescom umsieht, bekommt derzeit bei vielen Herstellern irgendeine Form von VR-Unterstützung präsentiert. Die meisten Spiele setzen dabei auf ein eher klassisches Prinzip: Man sitzt bequem vor dem Bildschirm beziehungsweise mit der Brille auf dem Kopf und kann sich in der virtuellen Welt in alle Richtungen umsehen. Dass VR aber deutlich mehr sein kann als reines Umschauen im Sitzen, zeigte uns HTC sehr eindrucksvoll. Die Vive brachte uns nämlich nicht nur zum Staunen, sondern auch ins Schwitzen.

Insgesamt vier Titel wurden uns während der Präsentation gezeigt. Jeder davon demonstrierte auf andere Weise, wie stark Virtual Reality die Wahrnehmung verändern kann, wenn Körperbewegung und Spielgeschehen direkt miteinander verbunden werden.

Im ersten Spiel durften wir unsere Ninja-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die Motion Controller verwandelten sich in virtuelle Schwerter, mit denen wir aus dem Boden fliegendes Obst zerschneiden mussten. Das funktionierte besser als erwartet. Nach wenigen Sekunden fühlt man sich tatsächlich wie ein Samurai-Meister, der gerade seinen Obstsalat zubereitet. Die Bewegungen wurden sauber erkannt, und das direkte Feedback sorgte sofort für ein überraschend natürliches Spielgefühl.

Das zweite Spiel erinnerte an eine moderne VR-Version von Pong. Ziel war es, einen virtuellen Ball am Gegner vorbeizuschießen, während dieser natürlich dasselbe bei uns versuchte. Die Grundidee ist simpel, aber genau deshalb funktioniert sie so gut. Man versteht die Steuerung sofort und ist innerhalb weniger Augenblicke mitten im Spiel.

Beim dritten Titel blieben wir beim Ballsport und spielten eine ungewöhnliche Variante von Tennis gegen uns selbst. Zu Beginn ist das ziemlich verwirrend, weil man ständig in die Rolle des anderen Spielers wechselt und sich den Ball selbst zuspielt. Sobald man sich daran gewöhnt hat, entsteht jedoch ein erstaunlich intensives Raumgefühl. Man bewegt sich, reagiert, dreht sich um – und läuft dabei durchaus Gefahr, gegen die Wand des Standes zu geraten.

Als letztes Spiel durften wir Space Pirate Trainer ausprobieren. Hier geht es darum, fliegende Drohnen abzuwehren, die es auf einen abgesehen haben. In der linken Hand hält man ein Schild, in der rechten einen Laser, mit dem man die Gegner vom Himmel holt. Während man selbst völlig im Spiel versinkt, muss das Ganze für Außenstehende ziemlich unterhaltsam aussehen: Man steht mitten im Raum, duckt sich vor virtuellen Schüssen weg, reißt den Schild hoch und versucht, aus allen Richtungen angreifende Drohnen zu treffen.

Die Technik funktionierte im Test sehr gut. Wir sind nie gegen eine Wand gelaufen, da rechtzeitig ein Gitternetz eingeblendet wird, sobald man sich dem Rand des Spielfelds nähert. Die beiden Tracker erfassen gemeinsam mit der Brille den Standort und die Handbewegungen erstaunlich präzise. Eine störende Zeitverzögerung fiel uns nicht auf, und unsere Bewegungen wurden zuverlässig umgesetzt.

Auch die Brille selbst machte einen guten Eindruck. Sie sitzt angenehm am Kopf und lässt sich so anpassen, dass nichts unangenehm drückt. Bild und Ton müssen sich ebenfalls nicht vor der Konkurrenz verstecken. Vor allem die Verbindung aus Bewegungsfreiheit, präzisem Tracking und direkter Interaktion sorgt dafür, dass man die Außenwelt sehr schnell vergisst.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Das größte Hindernis bleibt aktuell der Preis. Auch wenn die HTC Vive für rund 900 Euro technisch viel bietet, liegt sie damit über der Schmerzgrenze vieler Spieler. Dazu kommt, dass noch immer die ganz großen Systemseller fehlen. Vieles ist angekündigt, aber es bleibt schwer abzusehen, welcher Titel tatsächlich einen breiten Hype auslösen kann.

Sollte der Preis in den kommenden Monaten sinken und gleichzeitig der eine oder andere herausragende Titel erscheinen, könnte es allerdings schnell gehen. Dann wäre VR nicht mehr nur ein Messe-Trend, sondern könnte tatsächlich seinen Platz in den Wohnzimmern der Spieler finden.

Aktuell hat die HTC Vive gegenüber der Konkurrenz einen starken Eindruck hinterlassen. Ob sie diesen Vorsprung halten kann, bleibt abzuwarten. Ein einzigartiges und atemberaubendes Spielerlebnis bietet sie aber schon jetzt.

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