Mit Ida – Keine Katzengeschichte legt Noah Eggert (Edition Helden) einen Kindercomic vor, der ein schwieriges Thema nicht umgeht, sondern behutsam in den Mittelpunkt stellt. Auf 160 farbigen Seiten erzählt die Leipziger Produktion von häuslicher Gewalt, emotionaler Unsicherheit und vom Mut, sich ein anderes Leben vorzustellen.
Ida lebt mit ihrer Mutter in einem Haus am Waldrand. Nach außen wirkt alles normal. Doch zu Hause bewegt sich die junge Katze wie auf Eierschalen. Die Stimmung der Mutter kann blitzschnell kippen, Nähe wird unberechenbar, Sicherheit existiert nur scheinbar. Ida lernt früh, sich anzupassen, leise zu sein, nichts falsch zu machen. Auch in der Schule bleibt sie Außenseiterin, zu still, zu vorsichtig, zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Erst als sie Moritz und dessen Mutter kennenlernt, verändert sich etwas. In ihrer Gegenwart erlebt Ida Momente, die sie lange nicht mehr kannte: Verlässlichkeit, Wärme, Geborgenheit. Die Begegnung eröffnet ihr eine neue Perspektive und stellt die Frage, ob sie den Mut findet, ihren eigenen Weg zu gehen.
Noah Eggert wählt für diese Geschichte eine Katzenmetapher. Das schafft Distanz, ohne zu verharmlosen. Die Tierfiguren erlauben es jungen Leser:innen, sich dem Thema anzunähern, ohne von der Härte der Realität überwältigt zu werden. Gleichzeitig bleibt der Comic klar in seiner Aussage. Häusliche Gewalt existiert, sie betrifft Kinder und sie darf nicht verschwiegen werden.
Formal setzt Ida – Keine Katzengeschichte auf eine zugängliche, farbige Bildsprache, die Emotionen trägt, ohne ins Dramatische zu kippen. Der Ton ist sensibel, ruhig und respektvoll. Der Comic traut jungen Leser:innen zu, komplexe Gefühle zu verstehen, und bietet gleichzeitig Hoffnung: Veränderung ist möglich, Unterstützung existiert, Freundschaft kann ein Wendepunkt sein. Gerade deshalb eignet sich das Buch auch als Gesprächsanlass in Schulen, Kitas und pädagogischen Kontexten. Es öffnet einen Raum, um über Gewalt, Angst, Scham und Hilfe zu sprechen – ohne moralisierend zu wirken. Die Geschichte bleibt trotz ihrer Ernsthaftigkeit eine Erzählung über Stärke und Aufbruch.


