Zehn Jahre VIECC Vienna Comic Con, eigentlich ein perfekter Anlass, um sich mit einer besonders starken Ausgabe in Szene zu setzen. Kurz vor dem Messewochenende am 22. und 23. November 2025 drängt sich aber eher ein anderes Bild auf: Die ganz große Euphorie bleibt aus. Während in früheren Jahren kurz vor Start vielerorts „ausverkauft“-Hinweise auftauchten, sind heuer nur wenige Tage vor der Eröffnung fast sämtliche Ticketkombinationen ganz regulär erhältlich. Für die selbsternannte größte Popkultur- und Gaming-Messe Österreichs ist das ein deutliches Warnsignal.
Am Stargast liegt es auf dem Papier nicht: Elijah Wood ist als Frodo-Darsteller ein Name, mit dem sich problemlos Plakate füllen lassen. Dazu kommen weitere internationale Gäste aus Film und Fernsehen. Trotzdem wirkt das Gesamtpaket 2025 eher wie eine routinierte Fortsetzung der vergangenen Jahre als wie eine klar aufgewertete Jubiläumsausgabe. Das Grundmuster bleibt gleich: Stars, überteuerte Autogramm- und Fotopoints, Artist Alley, Merch-Flächen, Cosplay-Wettbewerbe und etwas Gaming. Wer die Messe seit Jahren besucht, findet vieles in vertrauter Form wieder und offenbar reicht das immer weniger, um frühzeitig für verknappte Tickets und starken Vorverkaufsdruck zu sorgen.
Besonders auffällig ist dabei ein Punkt, der ausgerechnet den Kernbegriff im Namen der Veranstaltung trifft: Comics. 2025 gibt es keinen wirklich großen Comic-Künstler, der als klarer Headliner kommuniziert wird. In der Artist Alley sind zwar wie gewohnt zahlreiche lokale Zeichner:innen, Autor:innen und Kreative vertreten, aber ein internationaler Top-Name aus dem Comicbereich, der klassische „Must-see“-Gast für Sammler:innen und Superhelden-Fans, fehlt. Für eine Veranstaltung, die sich „Comic Con“ nennt, ist das ein bemerkenswerter blinder Fleck. Stars aus Serien und Filmen sind wichtig, aber das Profil im eigentlichen Kernthema Comics wirkt im Jubiläumsjahr überraschend blass.
Dass wenige Tage vor Beginn noch alle Ticketvarianten verfügbar sind, passt in dieses Bild. Ob gestiegene Lebenshaltungskosten, ein generell überfüllter Eventkalender oder eine gewisse Ermüdung gegenüber immer gleichen Con-Konzepten, die Gründe werden vielfältig sein. Gleichzeitig machen es Streaming, Gaming und internationale Live-Events der VIECC zunehmend schwerer, nur über den Markennamen und Nostalgie zu punkten. Wer regelmäßig auf Conventions unterwegs ist, kennt das Muster: Ohne starke Exklusivinhalte, echte Programm-Experimente oder klare Profilierung in bestimmten Nischen ist es schwierig, aus der Masse herauszustechen und hier fehlt es dem aktuellen Veranstalterteam sowohl an Erfahrung, an der Kreativität, wie auch an den internationalen Kontakten.
Nach zehn Jahren steht die Vienna Comic Con damit an einem Punkt, an dem sich die Erfolgsmeldungen der Vergangenheit und die Realität des Ticketverkaufs spürbar voneinander entfernen. Die Messe bleibt ein Fixtermin im österreichischen Popkulturkalender, keine Frage. Aber das Jubiläumsjahr zeigt auch, dass der Status als „größte“ oder „wichtigste“ Convention allein nicht mehr ausreicht. Wenn die VIECC in den nächsten zehn Jahren mehr sein will als ein routiniert laufendes Event im Autopilot-Modus, wird sie sich deutlich stärker fragen müssen, wofür sie stehen will und wie sie wieder zu dem Termin wird, bei dem Fans ihre Tickets nicht bis zur letzten Woche liegen lassen. Vor allem der Rechteinhaber sollte dringend überlegen, ob das Event wirklich an die richtigen Personen verpachtet wurde.
Fotocredit: ReedExhibitions David Bitzan


