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| Titel: Hoppers Original-Titel: Hoppers USA/2026 Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Laufzeit: 105 Minuten |
Filmkritik: Hoppers
02.04.2026 - Andreas
Wie bringt man einem Publikum Naturschutz näher, ohne sofort in den üblichen Animationsfilm-Modus aus niedlichen Tieren und erhobenem Zeigefinger zu verfallen? Hoppers versucht genau dafür einen ziemlich guten Trick. Der Film lässt seine Heldin nicht nur für Tiere sprechen, sondern macht sie selbst für eine Weile zu einem von ihnen. Aus dieser Idee entsteht ein Pixar-Abenteuer, das oft sehr witzig, stellenweise überraschend böse und insgesamt deutlich interessanter ist, als sein auf den ersten Blick etwas beliebig wirkender Tierfilm-Aufhänger vermuten lässt.
Im Mittelpunkt steht Mabel, die schon als Kind jedes Tier retten wollte, das ihr irgendwie in die Quere kam. Jahre später ist aus dieser Obsession kein bisschen weniger geworden. Als eine Umgehungsstraße durch ihren geliebten Naturraum gebaut werden soll und der Bürgermeister die Abwesenheit der Tiere gleich als Freibrief für Fortschritt versteht, gerät Mabel einmal mehr in den bekannten Kampf gegen politische Bequemlichkeit und wirtschaftliche Selbstinszenierung. Der entscheidende Dreh besteht darin, dass an ihrer Universität gerade eine Technologie entwickelt wurde, mit der sich menschliches Bewusstsein in künstliche Tierkörper übertragen lässt. Mabel wird also nicht einfach zur Naturschützerin mit Mission, sondern als Biber mitten in jene Welt hineingeworfen, die sie bisher nur von außen verteidigen wollte. Das ist ein starkes Konzept, weil es mehr kann als bloß lustige Körpertausch-Gags zu produzieren. Natürlich macht Hoppers genau damit zunächst sehr viel Spaß. Mabel als übermotivierter, ungeduldiger Robo-Biber, der sich in eine komplexe Tiergesellschaft hineinverhandeln muss, liefert reichlich Gelegenheit für Situationskomik, Missverständnisse und Tempo. Gleichzeitig verschiebt der Film den Blick auf die Natur. Tiere sind hier nicht bloß putzige Statisten oder moralische Verstärker menschlicher Anliegen, sondern eigenwillige Figuren mit eigenen Regeln, Hierarchien und ziemlich unterschiedlichen Interessen. Gerade dieser Perspektivwechsel gehört zu den besten Einfällen des Films. Überhaupt spürt man, dass Hoppers sich nicht mit einer allzu simplen Gut-gegen-Böse-Erzählung zufriedengeben will. Zwar ist der Bürgermeister zunächst ziemlich klar als eitler Fortschrittsverkäufer gezeichnet, der Effizienz und Wiederwahl über alles stellt. Aber der Film erlaubt sich in der zweiten Hälfte einige überraschende Abzweigungen, die das Ganze komplizierter machen. Plötzlich geht es nicht nur darum, die Natur gegen den Menschen zu verteidigen, sondern auch darum, wie Gemeinschaft funktioniert, wie Kommunikation scheitert und wie schnell selbst gute Motive in Besessenheit kippen können. Dass Hoppers dabei stellenweise fast schon in Richtung Tierhorror und satirische Groteske driftet, macht ihn deutlich unberechenbarer als viele jüngere Pixar-Filme. Visuell ist das ohnehin wieder sehr stark. Pixar setzt diesmal nicht auf die ganz große Farbexplosion, sondern auf wärmere, erdigere Bilder, die der Natur Raum geben und dem Film eine angenehm organische Atmosphäre verleihen. Besonders schön ist, dass die Tiere je nach Perspektive anders wirken. Wenn Menschen sie betrachten, erscheinen sie reduzierter, fremder, weniger vermenschlicht. Wenn Mabel als Teil ihrer Welt unterwegs ist, werden sie komplexer, lebendiger und individueller. Das ist ein cleverer Kniff, der viel über Wahrnehmung erzählt, ohne sich dafür in lange Erklärungen zu flüchten. Ganz frei von Problemen ist Hoppers trotzdem nicht. Vor allem im letzten Drittel will der Film sehr viel auf einmal. Er möchte Naturschutz, Verständigung, politische Eitelkeit, Generationenkonflikt, Wut, Gemeinschaft und am Ende auch noch Katastrophenbilder verhandeln. Das ist ambitioniert, aber nicht immer sauber sortiert. Man merkt deutlich, wie der Film im Finale ins Überladene kippt und dabei die emotionale Klarheit verliert, die er am Anfang noch so schön aufgebaut hatte. Gerade jüngere Zuseher:innen könnten hier vom Film überfordert werden. Auch der Humor ist nicht durchgehend treffsicher. Vieles funktioniert, manches wirkt aber etwas zu bewusst frech oder zu hektisch zugespitzt. Hinzu kommt, dass Mabel selbst nicht immer leicht zu mögen ist. Das ist grundsätzlich kein Problem, im Gegenteil, Pixar darf gern wieder schwierigere Hauptfiguren zulassen. Aber Hoppers reizt ihre Ungeduld, ihre Rechthaberei und ihren Aktivismus manchmal so stark aus, dass die Balance kurz kippt. Der Film fängt das meist wieder auf, weil er ihr nicht einfach nur recht gibt, sondern sie lernen lässt, dass man nicht jede Krise mit derselben Energie lösen kann. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass hier ein wenig mehr Ruhe manchen emotionalen Momenten gutgetan hätte. Am Ende ist Hoppers vor allem ein gutes Zeichen für Pixar. Kein neuer großer Klassiker, dafür reicht es nicht ganz. Aber ein Film, der wieder Lust auf originäre Ideen, auf verrückte Prämissen und auf gesellschaftliche Themen hat, ohne sich dabei völlig in pädagogischer Pflichterfüllung zu verlieren. Gerade weil er manchmal zu viel will, wirkt er lebendiger als manch glatterer, kalkulierterer Animationsfilm der letzten Jahre. Und selbst wenn nicht jeder Einfall sitzt, ist hier doch wieder spürbar mehr Eigenwille vorhanden als zuletzt.
Fazit:
Hoppers ist ein unterhaltsames, visuell starkes und angenehm eigenwilliges Pixar-Abenteuer, das seine Naturschutzbotschaft nicht einfach nur behauptet, sondern über einen klugen Perspektivwechsel erfahrbar machen will. Der Film lebt von seiner originellen Grundidee, seiner warmen Optik und dem Mut, sich in der zweiten Hälfte auch tonal etwas weiter vorzuwagen. Gerade darin liegt sein Reiz, weil er eben nicht bloß der nächste harmlose Tierfilm sein will.
Gleichzeitig überfordert sich Hoppers im Finale ein wenig selbst. Zu viele Themen, zu viel Tempo, zu viele letzte Eskalationen. Das macht ihn stellenweise unruhiger und weniger rund, als er sein könnte. Trotzdem bleibt ein sympathischer, oft überraschender und insgesamt klar gelungener Pixar-Film, der vielleicht nicht ganz an die besten Werke des Studios heranreicht, aber deutlich mehr Leben und eigene Ideen mitbringt als manche jüngeren Produktionen.



