Mit Fluch der Karibik gelang Produzent Jerry Bruckheimer gemeinsam mit Regisseur Gore Verbinski und Hauptdarsteller Johnny Depp ein moderner Abenteuerfilm-Coup, der das totgeglaubte Piratengenre wieder salonfähig machte. Die Mischung aus überdrehter Hauptfigur, groß angelegter Action, Slapstick, Fantasyelementen und klassischem Abenteuerkino traf damals genau den Nerv des Publikums. Mit Lone Ranger versuchte Disney, dieses Erfolgsrezept in den Wilden Westen zu übertragen. Aus Schiffen wurden Eisenbahnen, aus Säbeln Revolver und aus karibischen Häfen staubige Grenzstädte. Was auf dem Papier nach einem naheliegenden Schritt klingt, funktioniert in der Praxis allerdings nicht ganz so mühelos wie einst bei Jack Sparrow.
Knapp vier Monate nach dem Kinostart erscheint Lone Ranger nun pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf Blu-ray und bekommt damit die Gelegenheit, im Heimkino vielleicht noch einmal etwas wohlwollender betrachtet zu werden. Denn auch wenn der Film im Kino hinter den Erwartungen blieb, steckt in Gore Verbinskis Western-Abenteuer deutlich mehr Aufwand, Schauwert und handwerkliche Qualität, als es sein damaliger Ruf vermuten ließ.
Im Mittelpunkt steht John Reid, ein idealistischer Staatsanwalt, der in den Westen zurückkehrt, um dort für Recht und Ordnung einzutreten. Das ist ein ehrenwertes Ziel, doch in einer Gegend, in der Korruption, Gewalt und wirtschaftliche Interessen den Alltag bestimmen, wirkt sein Glaube an Gesetzbücher und faire Verfahren beinahe naiv. Gerade als die Eisenbahn die Region erschließt und damit Fortschritt, Geld und neue Machtverhältnisse bringt, taucht auch der berüchtigte Verbrecher Butch Cavendish wieder auf. Eigentlich soll er seiner gerechten Strafe zugeführt werden, doch Cavendish gelingt die Flucht.
John Reid schließt sich daraufhin seinem Bruder Dan an, einem erfahrenen Texas Ranger, der gemeinsam mit seinen Männern Jagd auf Cavendish macht. Die Verfolgung endet jedoch in einem blutigen Hinterhalt, bei dem fast die gesamte Gruppe getötet wird. John überlebt schwer verletzt und wird von dem geheimnisvollen Tonto gefunden, der in ihm nicht nur einen Geretteten, sondern auch eine Art Werkzeug der Gerechtigkeit sieht. Aus dem gesetzestreuen Staatsanwalt wird nach und nach der maskierte Rächer Lone Ranger. Gemeinsam mit Tonto begibt er sich auf die Suche nach Cavendish, wobei beide schnell merken, dass sie zwar ein gemeinsames Ziel haben, aber sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man es erreicht.
In Europa ist The Lone Ranger deutlich weniger fest in der Popkultur verankert als in den USA. Dort gehört die Figur seit den 1930er-Jahren zum klassischen Abenteuerstoff und war bereits in Radioformaten, Fernsehserien und Kinofilmen präsent. Disney greift also nicht irgendeine vergessene Westernfigur auf, sondern versucht, eine amerikanische Ikone für ein modernes Blockbusterpublikum neu zu beleben. Genau darin liegt aber auch ein Teil des Problems. Lone Ranger will nostalgischer Western, modernes Actionkino, Buddy-Komödie und Familienabenteuer zugleich sein, findet zwischen diesen Ansprüchen aber nur selten eine wirklich sichere Balance.
Die Geschichte wirkt deshalb immer wieder etwas unrund. Manche Szenen nehmen sich viel Zeit für Figuren und Atmosphäre, andere kippen plötzlich in überdrehte Action oder sehr breiten Humor. Dazu kommt ein Tonfall, der nicht immer klar erkennen lässt, wen der Film eigentlich erreichen möchte. Für einen klassischen Familienfilm ist Lone Ranger stellenweise erstaunlich hart, für ein ernsthaftes Westerndrama wiederum zu verspielt und zu sehr auf Spektakel ausgerichtet. Gerade diese Unentschlossenheit verhindert, dass der Film das Niveau erreicht, das seine Ausstattung und sein Budget eigentlich ermöglichen würden.
Trotzdem wäre es falsch, Lone Ranger als misslungenen Film abzutun. Dafür gibt es zu viele Momente, in denen Gore Verbinski zeigt, wie gut er großes Abenteuerkino inszenieren kann. Die Actionszenen sind aufwendig, dynamisch und mit einem Gespür für Tempo umgesetzt, besonders wenn Züge, Pferde und Revolver gleichzeitig ins Spiel kommen. Die großen Eisenbahnsequenzen gehören klar zu den Höhepunkten und erinnern daran, dass Verbinski ein Regisseur ist, der Spektakel nicht nur verwaltet, sondern sichtbar Freude an Bewegung, Timing und Bildkomposition hat.
Auch das Zusammenspiel der Hauptfiguren trägt den Film über weite Strecken. Armie Hammer spielt John Reid als aufrechten, aber unerfahrenen Mann, der erst lernen muss, dass Recht und Gerechtigkeit im Wilden Westen nicht zwangsläufig dasselbe bedeuten. Johnny Depp legt Tonto gewohnt exzentrisch an, allerdings nicht ganz so frisch und überraschend wie einst Jack Sparrow. Seine Figur sorgt für viele der komischen Momente, bleibt aber stellenweise zu sehr auf eine schräge Oberfläche reduziert. Wenn der Film den beiden Raum gibt, funktioniert die Dynamik dennoch ordentlich, weil ihr ungleiches Bündnis genug Reibung besitzt, um die lange Laufzeit zu tragen.
Technisch präsentiert sich die Blu-ray von ihrer starken Seite. Das Bild ist scharf, detailreich und bringt die staubigen Landschaften, die weiten Panoramen und die aufwendigen Sets sehr sauber zur Geltung. Die Farben wirken kräftig, ohne unnatürlich überzogen zu erscheinen, und auch dunklere Szenen bleiben gut erfassbar. Gerade weil Lone Ranger so stark von seinen Schauwerten lebt, profitiert der Film im Heimkino deutlich von der gelungenen Bildumsetzung.
Auch beim Ton gibt es wenig zu beanstanden. Schüsse, Explosionen, galoppierende Pferde und vorbeirauschende Züge entfalten ordentlich Druck, während Dialoge jederzeit verständlich bleiben. Wer eine gute Surround-Anlage besitzt, bekommt ein lebendiges Klangbild geboten, das die Actionszenen spürbar aufwertet. Der Soundtrack unterstreicht die großen Abenteuerbilder wirkungsvoll und hilft dem Film immer wieder dabei, jene klassische Western-Energie aufzubauen, die der Erzählung selbst nicht durchgehend gelingt.
Das Bonusmaterial rundet die Veröffentlichung solide ab. Neben Pannen vom Dreh und geschnittenen Szenen gibt es mehrere Einblicke in die Produktion, darunter Beiträge zur Entstehung der Westernwelt, zur Arbeit am Set und zur Vorbereitung der Darsteller. Gerade bei einem Film dieser Größenordnung ist es interessant zu sehen, wie viel handwerklicher Aufwand hinter den Kulissen steckt. Die Extras wirken dadurch nicht wie bloße Pflichtbeigabe, sondern wie eine sinnvolle Ergänzung für alle, die sich für die Entstehung des Films interessieren.
Fazit
Wer einen konzentrierten, klassischen Western erwartet, wird mit Lone Ranger vermutlich nicht ganz glücklich. Wer sich aber auf ein großes, lautes und stellenweise sehr unterhaltsames Abenteuer einlässt, bekommt einen Film, der im Heimkino besser funktioniert, als sein damaliger Ruf vermuten lässt. Die Blu-ray ist sauber umgesetzt, bietet ein starkes Bild, kräftigen Ton und ordentliche Extras. Damit ist Lone Ranger zwar kein großer Wurf, aber durchaus ein unterhaltsamer Kandidat für einen entspannten Filmabend.








