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Nintendo Switch Präsentation

München game von YouGame Redaktion ca. 6 Min. Lesezeit
Nintendo Switch Präsentation

Nur wenige Wochen vor dem Marktstart der Nintendo Switch lud Nintendo am 17. Jänner 2017 nach München, um einen ersten ausführlichen Blick auf die neue Konsole zu ermöglichen. Für Nintendo war es ein wichtiger Moment. Nach dem durchwachsenen Erfolg der Wii U sollte die Switch nicht einfach nur die nächste Heimkonsole werden, sondern ein neues Konzept etablieren. Eine Konsole, die am Fernseher, auf der Couch, unterwegs im Zug und gemeinsam mit Freunden funktionieren soll.

Schon beim ersten Anfassen wurde klar, dass Nintendo diesmal weniger über reine Hardwareleistung argumentiert, sondern über Nutzbarkeit. Die Switch ist im Kern ein 6,2 Zoll großes Tablet, an dessen Seiten die beiden Joy-Con-Controller eingehängt werden. In dieser Form wirkt sie wie ein Handheld. Wird sie in die mitgelieferte Docking-Station gestellt, verwandelt sie sich in eine klassische TV-Konsole. Genau diese Wechselbarkeit ist das zentrale Versprechen des Systems. Spielen soll nicht mehr an einen Ort gebunden sein, sondern fließend zwischen Wohnzimmer und unterwegs wechseln.

Der Akku soll je nach Spiel zwischen zweieinhalb und sechseinhalb Stunden halten. Mobil kann die Konsole ebenfalls geladen werden, allerdings zeigte sich bereits beim Event eine kleine Schwäche des Designs. Da der Ladeanschluss an der Unterseite sitzt, lässt sich die Switch nicht gleichzeitig mit dem integrierten Kickstand aufstellen und laden. Für längere mobile Sessions am Tisch ist das unpraktisch. Das Benutzerinterface blieb beim Hands-on weiterhin unter Verschluss, weshalb sich dazu noch kein Eindruck gewinnen ließ.

Nintendo Switch Hands-onMehr zeigen durfte Nintendo bei den Controllern, und genau dort wird die eigentliche Experimentierfreude des Konzerns sichtbar. Die Joy-Con können links und rechts an der Konsole hängen, einzeln verwendet oder in eine Halterung gesteckt werden, wodurch ein klassischeres Gamepad entsteht. Besonders charmant ist die Idee, dass man unterwegs sofort zu zweit spielen kann, ohne einen zweiten Controller einpacken zu müssen. Jeder Joy-Con funktioniert als eigene kleine Steuereinheit, auch wenn die geringe Größe natürlich nicht für jede Hand ideal ist.

Technisch steckt in den kleinen Controllern mehr, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Bewegungssensoren ermöglichen Spielideen, die an die Wii erinnern, aber feiner umgesetzt wirken. Besonders eindrucksvoll war das bei 1-2-Switch. In einem Minispiel musste man die Anzahl virtueller Kugeln in einer Holzkiste erspüren, indem man den Joy-Con bewegte. Die Vibrationen waren überraschend präzise. Nach kurzer Eingewöhnung ließ sich tatsächlich nachvollziehen, wie viele Kugeln sich in der Kiste befinden könnten. Das war ein kleiner, aber wirkungsvoller Moment, der zeigte, warum Nintendo nach wie vor eigene Wege im Hardwaredesign geht.

Nicht alles überzeugte gleichermaßen. Die Position der Sticks wirkt gewöhnungsbedürftig, besonders beim rechten Joy-Con. Der Stick sitzt sehr niedrig, wodurch man weniger mit der Daumenspitze als mit dem Daumengelenk spielt. Für kurze Sessions ist das verkraftbar, bei längeren Spielen könnte es störend werden. Wer lieber mit einem klassischen Controller spielt, kann zum Launch zusätzlich den Pro Controller kaufen.

Nintendo Switch SpieleBeim Spieleangebot zeigte sich ein gemischtes Bild. Mehr als hundert Titel waren laut Nintendo in Entwicklung, zum Start sollten jedoch nur wenige Spiele verfügbar sein. Anspielbar war ein Teil des Line-ups, doch abseits von The Legend of Zelda. Breath of the Wild drängte sich kein Launch-Titel als zwingender Kauf auf. 1-2-Switch demonstriert die Möglichkeiten der Joy-Con sehr gut, wirkt aber eher wie eine charmante Minispielsammlung für kurze Partyrunden. Auf Dauer könnten die einzelnen Spiele zu wenig Substanz bieten, zumal die Ladezeiten zwischen den Minispielen mehrfach störend auffielen. Als Vollpreistitel wirkte das Preis-Leistungs-Verhältnis deshalb fragwürdig.

Deutlich unmittelbarer funktionierte Just Dance 2017. Die Bewegungen mit den Joy-Con wurden gut erkannt, und als Partyspiel bleibt die Ubisoft-Reihe ohnehin eine sichere Bank. Super Bomberman R wiederum setzt auf ein bewährtes Mehrspielerprinzip. Wer den Klassiker kennt, wird sich schnell zurechtfinden. Für jüngere Spielerinnen und Spieler bringt Activision außerdem Skylanders Imaginators auf die Switch, das im Hands-on ebenfalls einen ordentlichen Eindruck machte. Weitere Launch-Titel wie The Binding of Isaac. Afterbirth+, Constructor HD, Human Resource Machine, I Am Setsuna, Little Inferno und World of Goo konnten vor Ort nicht ausprobiert werden.

Zum Start wirkt die Auswahl damit überschaubar. Spannender wird der Blick auf die Monate danach. Mario Kart 8 Deluxe, Arms und Splatoon 2 konnten bereits angespielt werden und machten sofort klar, wo die Stärke der Switch liegen könnte. Alle drei Titel profitieren von Mehrspielerpartien, schneller Zugänglichkeit und Nintendos Fähigkeit, einfache Grundideen mit hoher Spielbarkeit zu verbinden. Gerade für lokale Multiplayer-Situationen scheint die Switch wie gemacht. Schade ist nur, dass diese Titel nicht direkt zum Launch verfügbar sind, sondern erst im Laufe des Frühjahrs und Sommers erscheinen.

Mit Super Mario Odyssey hatte Nintendo außerdem bereits den großen Weihnachtstitel für 2017 in Aussicht gestellt. Gezeigt wurde das Spiel beim Event noch nicht in spielbarer Form, doch allein die Ankündigung machte deutlich, dass Nintendo die Switch über das gesamte Jahr hinweg mit starken eigenen Marken stützen will. Dazu kommen zahlreiche Third-Party-Titel, die zumindest für 2017 ein breiteres Angebot versprechen.

The Legend of Zelda Breath of the WildDer wichtigste Launch-Titel bleibt aber eindeutig The Legend of Zelda. Breath of the Wild. Der erste große Open-World-Ableger der Reihe zeigte bereits im Hands-on, wie sehr Nintendo die bekannte Formel öffnen möchte. Die Welt wirkt weit, frei begehbar und voller Möglichkeiten. Kämpfe, Erkundung, Physik, Kochen, Klettern und kleine Umgebungsrätsel greifen ineinander und dürften Spielerinnen und Spieler problemlos viele Dutzend Stunden beschäftigen. Mobil wird das Spiel in 720p dargestellt, am Fernseher soll es mit 1080p laufen.

Ganz ohne Einschränkungen war der gezeigte Entwicklungsstand allerdings nicht. In der Version vor Ort waren Probleme bei Tiefenschärfe und Kantenglättung erkennbar. Das ist bei einem so wichtigen Launch-Titel nicht ideal, zumal Breath of the Wild die Switch zum Start tragen muss. Gleichzeitig war die spielerische Qualität schon so deutlich spürbar, dass diese technischen Punkte den positiven Gesamteindruck nicht zerstörten. Man konnte nur hoffen, dass Nintendo bis zur Veröffentlichung noch sichtbar nachbessert.

Weniger erfreulich ist die fehlende Abwärtskompatibilität. Durch das neue Speichermedium können alte Wii-U- oder 3DS-Datenträger nicht weiterverwendet werden. Auch digital erworbene Titel sollen nicht einfach übernommen werden können. Nintendo wird erfolgreiche ältere Spiele stattdessen neu für die Switch veröffentlichen oder als Download anbieten. Der interne Speicher von 32 GB wirkt dafür allerdings knapp bemessen, weshalb viele Nutzerinnen und Nutzer früher oder später zusätzlichen Speicher benötigen dürften.

Auch beim Online-Angebot bleibt Nintendo noch erklärungsbedürftig. Der Online-Modus soll bis Herbst kostenlos bleiben und danach jährlich rund 25 bis 30 Euro kosten. Als Bonus soll monatlich ein klassischer Nintendo-Titel spielbar sein. Der Haken liegt darin, dass dieser Titel offenbar nur während des jeweiligen Monats kostenlos genutzt werden kann. Danach wird er gesperrt, sofern man ihn nicht kauft. Im Vergleich zu den Angeboten von Sony und Microsoft wirkt dieses Modell wenig großzügig, da die dort angebotenen Spiele zumindest unter bestimmten Bedingungen dauerhaft in der Bibliothek bleiben.

Nach dem Hands-on bleibt die Nintendo Switch eine der spannendsten Konsolenideen seit Jahren. Sie ist optisch ansprechend, flexibel einsetzbar und besitzt mit den Joy-Con ein Eingabekonzept, das nicht nur technisch interessant ist, sondern tatsächlich neue Spielsituationen ermöglicht. Gerade das schnelle Wechseln zwischen Einzelspiel, lokalem Multiplayer, Handheld-Modus und TV-Modus könnte im Alltag stärker wirken als reine Leistungsdaten.

Eine direkte Konkurrenz zu PlayStation 4 und Xbox One ist die Switch nicht. Das muss sie aber auch nicht sein. Nintendo versucht erneut, einen eigenen Raum zu besetzen, so wie es schon mit der Wii gelungen ist. Technik allein steht nicht im Mittelpunkt. Entscheidend wird sein, ob Nintendo und die Third-Party-Partner regelmäßig genug starke Spiele liefern, damit die Konsole nicht nur durch ihre Idee, sondern auch langfristig durch ihr Line-up trägt.

Zum Start bleibt die Spieleauswahl noch überschaubar, doch das Konzept besitzt eindeutig Potenzial. Die Switch wirkt wie eine Konsole, die besonders dann glänzen kann, wenn man sie mitnimmt, herumreicht oder gemeinsam mit anderen nutzt. Nintendo-Fans dürften trotz des Launchpreises von rund 330 Euro ohnehin schwer widerstehen können. Nach dem Event bleibt vor allem Neugier zurück. Die Switch muss noch beweisen, wie gut ihr Konzept im Alltag trägt, aber der erste Eindruck macht Lust auf die ersten längeren Spielesessions mit Freunden.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reise zum Hands-on-Event nach München erfolgte auf Einladung von Nintendo.

Fotocredits: Andreas Zommer

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