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| Titel: The Fantastic Four: First Steps Original-Titel: The Fantastic Four: First Steps USA/2025 Verleih: Laufzeit: 114 Minuten |
Filmkritik: The Fantastic Four: First Steps
08.08.2025 - Andreas
Zehn Jahre nach dem letzten, krachend gescheiterten Versuch kehren die Fantastic Four zurück - und diesmal sollen sie endlich den Platz im MCU bekommen, den sie verdienen. Fantastic Four: First Steps überspringt die bekannte Ursprungsgeschichte und wirft uns direkt hinein in ein retrofuturistisches 60er-Jahre-Universum, in dem Marvels „First Family“ längst gefeierte Helden sind - bis ein kosmischer Besucher ihr perfektes Leben ins Wanken bringt.
Auf Earth-828, einer alternativen Realität fernab der bekannten MCU-Hauptwelt, genießen die vier Superhelden den Status von Popstars. Reed Richards (Pedro Pascal) und Sue Storm (Vanessa Kirby) erwarten ihr erstes Kind, Johnny Storm (Joseph Quinn) lässt sich als Draufgänger feiern, und Ben Grimm (Ebon Moss-Bachrach) hat sich mit seiner steinernen Erscheinung arrangiert. Die Kameras sind allgegenwärtig, die Fans euphorisch – doch dann taucht Silver Surfer (Julia Garner) auf und kündigt das baldige Ende der Erde an. Galactus (Ralph Ineson), ein gottähnlicher Weltenverschlinger, ist unterwegs – und ausgerechnet Sues ungeborenes Kind scheint für ihn von besonderem Interesse zu sein.
Statt reiner Materialschlacht setzt Regisseur Matt Shakman (WandaVision) auf ein prägnantes Setting: eine stilisierte 60er-Jahre-Ästhetik, die nostalgischen Optimismus mit futuristischem Design verbindet. Die Sets sind detailverliebt, die Farbpalette satt und lebendig, und das Produktionsdesign wirkt wie eine bewusste Gegenreaktion auf die oft generischen CGI-Welten der letzten MCU-Jahre. Diese Welt fühlt sich greifbar an, fast wie eine Paralleldimension aus einem vergessenen Science-Fiction-Magazin.
Die Figuren profitieren von dieser Fokussierung. Vanessa Kirby verleiht Sue Storm mehr Tiefe als in früheren Verfilmungen, zeigt sowohl Fürsorge als auch Entschlossenheit. Ebon Moss-Bachrach bringt Herz und feinen Humor in seine Darstellung von Ben Grimm, während Pascal als Reed Richards eine ruhigere, abgeklärtere Version des Supergenies spielt – weniger exzentrisch als Tony Stark, aber nicht minder charismatisch. Joseph Quinn gibt dem Johnny Storm eine charmante Mischung aus Übermut und Verletzlichkeit, ohne in alte Klischees zu verfallen.
Allerdings bleibt nicht alles ohne Makel. Galactus wirkt trotz seiner bedrohlichen Erscheinung zu eindimensional und reiht sich damit in eine lange Liste generischer MCU-Gegenspieler ein. Silver Surfer hingegen besitzt das Potenzial für echte Komplexität, doch das Drehbuch kratzt nur an der Oberfläche ihrer inneren Konflikte. Julia Garner bringt Präsenz und Tragik in die Rolle, bekommt jedoch zu wenig Raum, um das volle Spektrum auszuspielen
. Trotzdem gelingt es First Steps, eine Geschichte zu erzählen, die – zumindest für den Moment – auf eigenen Beinen steht. Der Film verzichtet weitgehend auf Gastauftritte anderer MCU-Größen und konzentriert sich auf das, was die Fantastic Four ausmacht: Zusammenhalt, familiäre Bindungen und die Bereitschaft, füreinander zu kämpfen. Der emotionale Kern wirkt ehrlich und hebt den Film von manch routiniertem Franchise-Beitrag ab. Unterstützt wird das Ganze von Michael Giacchinos kraftvollem Score, der epische Weite und intime Momente gleichermaßen einfängt.
Fazit:
Fantastic Four: First Steps ist nicht fehlerfrei, aber definitiv der bislang gelungenste Kinoauftritt von Marvels „First Family“. Die Mischung aus stilvoller Retro-Optik, solider Ensemble-Leistung und emotionaler Familiengeschichte sorgt für frischen Wind im MCU, das zuletzt häufiger nach Orientierung suchte. Auch wenn der Antagonist schwächelt und einige erzählerische Chancen ungenutzt bleiben, bietet der Film mehr Herz, Stil und Eigenständigkeit, als man ihm nach den Vorgängern vielleicht zugetraut hätte.
Für Fans bedeutet das: Endlich ein Fantastic-Four-Film, der sich nicht anfühlt wie ein halbherziger Kompromiss. Für das MCU ist es ein hoffnungsvoller Neustart – und ein Versprechen, dass die kommenden Auftritte der Helden, etwa in Avengers: Doomsday und Secret Wars, auf einem soliden Fundament stehen werden. Wer die Fantastic Four bisher abgeschrieben hat, sollte ihnen mit First Steps definitiv noch einmal eine Chance geben.



