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| Titel: F1 - Der Film Original-Titel: F1 The Movie USA/2025 Verleih: Warner Bros. Pictures Laufzeit: 155 Minuten |
Filmkritik: F1 - Der Film
03.07.2025 - Andreas
Es gibt Filme, die will man nicht diskutieren – die will man erleben. „F1 - Der Film“ gehört genau in diese Kategorie: Hier quietschen die Reifen, das Adrenalin pumpt schon vor dem ersten Rennen und Brad Pitt gibt den coolsten Oldie, den das Action-Kino seit Jahren gesehen hat. Das ist kein Stoff für Feingeister, sondern für alle, die Kino als Event vermissen und für über zwei Stunden einfach mal wieder Staunen, Lachen, Mitfiebern wollen. Hier brennt der Asphalt, aber auch das Herz fürs große Kino.
Es wäre zu einfach, F1 - Der Film auf ein weiteres Hollywood-Sportdrama mit vorhersehbarem Plot und dem üblichen Underdog-Pathos zu reduzieren. Der Film ist viel mehr als das: eine Hochglanz-Hommage an den Rennzirkus, eine einzige Liebeserklärung an die Geschwindigkeit und vor allem ein Triumph der Inszenierung. Die Produktion hat, unterstützt von Apple und Produzent Jerry Bruckheimer, keine Mühen und Kosten gescheut: Mit echten Rennwagen, authentischen Drehorten auf Grand-Prix-Strecken und Dutzenden Kameraeinstellungen mitten im Cockpit fühlt sich F1 - Der Film manchmal mehr wie ein immersiver Ride als wie ein klassischer Kinofilm an. Die Grenzen zwischen Realität, Simulation und Fiktion verschwimmen – und spätestens in den ersten Runden von Silverstone ist klar, dass hier etwas geboten wird, das dem klassischen Motorsport-Dokumentarfilm ebenso nahekommt wie dem großen Hollywoodspektakel.
Allerdings: Wer auf eine komplexe, psychologisch vielschichtige Story hofft, wird enttäuscht. Die Handlung dient klar als Rahmen für das visuelle Feuerwerk. Sonny Hayes muss sich in einem von Skandalen, Intrigen und Fachjargon geprägten Umfeld erst gegen das Misstrauen seines jungen Teamkollegen Joshua Pearce (Damson Idris), dann gegen einen vorhersehbar eingeführten „Bösewicht“ und nicht zuletzt gegen das eigene Alter behaupten. Klischees gibt es zuhauf: der alte Haudegen, der Youngster, der skeptische Technikchef (Kerry Condon), die klassische Underdog-Truppe, die sich mit den „Großen“ misst. Doch das alles wird so charmant und selbstbewusst inszeniert, dass man sich diesen erzählerischen Formel-1-Punk gerne gefallen lässt.
In den 90ern war Sonny Hayes noch das große Talent der Formel 1 – bis ein schwerer Crash alles veränderte. Heute fährt er nur noch gelegentlich Rennen, sein Ruhm längst verblasst. Doch dann klopft das Schicksal an: Sein früherer Teamkollege Ruben Cervantes, inzwischen Chef des erfolglosen F1-Teams APXGP, steht mit dem Rücken zur Wand und setzt alles auf eine verrückte Idee. Hayes soll noch einmal ins Cockpit – gemeinsam mit Rookie Joshua Pearce als letzter Hoffnungsschimmer für das Team. Ein Comeback mit Risiko – und vielleicht der größte Coup ihrer Karriere.
Was den Film aber besonders macht, ist der Verzicht auf Zynismus. Die Leidenschaft fürs Kino, für große Gesten, für überlebensgroße Figuren und echte Starpräsenz steht hier im Vordergrund. Brad Pitt dominiert die Leinwand mit einer Mischung aus Coolness, Altersmilde und einem spitzbübischen Lächeln, das selbst dann noch funktioniert, wenn das Drehbuch ihm wieder einen Koffer voller Klischees in die Hand drückt. Die Chemie zwischen ihm, Bardem und Condon funktioniert, besonders die spritzigen Dialoge mit Condon verleihen dem Ganzen fast Screwball-Qualitäten.
Wenn der Motorsport zum Blockbuster wird
Natürlich lebt der Film auch von seinem technischen Aufwand. Kosinski und Kameramann Claudio Miranda haben alles aus dem modernen Kino herausgeholt, was geht: Von der IMAX-Breitwand bis hin zur Kamera im Cockpit, von der authentischen Geräuschkulisse bis zum Score von Hans Zimmer, alles ist auf Hochglanz poliert. Die Action ist schnell, laut, immersiv, die Fahrten im Cockpit sind tatsächlich atemberaubend und doch bleibt der Film angenehm nahbar. Klar, vieles ist übertrieben, manches wirkt wie eine Werbe-Inszenierung für die Formel 1 und die Produktplatzierungen springen einem förmlich ins Auge. Und ja, bei all der Lust am Spektakel bleiben Story und Figurenzeichnung manchmal auf der Strecke.
Aber was den Film davor bewahrt, zur reinen Hochglanzhülle zu werden, ist die Lust am Mythos und der Mut, auf echte Stars zu setzen. Dass ein über 60-jähriger Brad Pitt überzeugend als F1-Rebell im Haifischbecken inszeniert wird, ist einerseits hanebüchen, andererseits so charmant, dass man sich dem Sog nicht entziehen kann. Der Film kennt die Regeln der klassischen Sport- und Heldenepen auswendig, spielt sie aber mit solcher Überzeugung, dass es fast schon wieder cool ist.
Die Cameos echter F1-Stars, von Lewis Hamilton über Max Verstappen bis zu Toto Wolff, sorgen für Authentizität und werden von der Kamera so beiläufig eingefangen, dass das Formel-1-Herz höher schlägt. Auch dass Pitt und Co. tatsächlich in umgebauten Boliden mit bis zu 350 km/h über die Strecke jagen durften, hebt das Erlebnis weit über herkömmliche Rennfilme hinaus. Dass das Ganze dabei wie ein Hybrid aus „Days of Thunder“, „Rush“ und „Top Gun: Maverick“ daherkommt, versteht sich von selbst, Jerry Bruckheimer weiß eben, wie Blockbuster heute zu funktionieren haben.
Fazit:
F1 – Der Film ist Kino in Reinform: groß, laut, schnell und voller Lust an der Übertreibung. Wer hier nach feiner Charakterzeichnung oder tiefschürfender Sozialkritik sucht, ist im falschen Rennen. Der Film funktioniert als rasant inszenierter, immer wieder ironischer Hochglanz-Blockbuster, der sich seiner eigenen Klischees so bewusst ist, dass man ihm das alles gerne durchgehen lässt. Der Motorsport, die Technik und die Lust am Tempo stehen im Vordergrund, aber im Herzen ist der Film vor allem eins: ein Starvehikel der alten Schule.
Trotz aller Drehbuchschwächen und der zugegeben überdeutlichen Werbeinszenierung macht der Film einfach Spaß. Brad Pitt trägt die Geschichte, das technische Spektakel sorgt für das Staunen und am Ende geht man mit dem Gefühl aus dem Kino, tatsächlich wieder einmal einen richtigen Sommer-Blockbuster erlebt zu haben. Für Motorsportfans ohnehin Pflicht, für alle anderen zumindest ein temporeicher Ausflug ins Reich des eskapistischen Kinos - das, was das Genre früher groß gemacht hat. Kommen Sie für die Rennwagen – bleiben Sie für Brad Pitt.



