Titel:
Final Destination - Bloodlines
Original-Titel:
Final Destination - Bloodlines
USA/2025
Verleih:
Warner Bros. Pictures

Laufzeit:
110 Minuten

Filmkritik: Final Destination - Bloodlines

19.05.2025 - Andreas

Der Tod ist nach 14 Jahren Pause zurück. Und wer die Final Destination-Filmreihe kennt, wechselt auf der Autobahn noch immer instinktiv die Spur, sobald ein LKW mit Holzladung auftaucht. Aber nach fünf Teilen und endlosen Kettenreaktionen aus absurden Unfällen – braucht es da wirklich noch einen neuen Film? Die Antwort ist nach diesem Kinoabend ein klares: Oh ja, und wie!

Statt die altbekannte Formel mit einer x-beliebigen Teenie-Clique weiter zu melken, setzt „Bloodlines“ von Anfang an ein Zeichen: Die Handlung verwebt erstmals zwei Zeitebenen miteinander und stellt das Schicksal einer zerrissenen Familie ins Zentrum. Im Jahr 1968 erhält die junge Iris während eines festlichen Abends im neuen Skyview Tower eine verstörende Vorahnung vom drohenden Massensterben und kann tatsächlich eine Katastrophe verhindern, bei der Dutzende Besucher sterben würden. Doch der Preis für diese Rettung ist hoch: Über die Jahrzehnte hinweg beginnt der Tod selbst, die gesamte Blutlinie der Überlebenden systematisch einzufordern.

So landet der Film in der Gegenwart bei Iris’ Enkelin Stefani, die von immer intensiveren Albträumen geplagt wird. Als sie der Herkunft ihrer Träume nachspürt, stößt sie auf eine verstörte Großmutter, eine von Trauma und Paranoia gezeichnete Familie und das alte, nie wirklich ausgesprochene Wissen: Was damals gerettet wurde, muss heute teuer bezahlt werden. Dieses neue Familienthema verleiht „Bloodlines“ eine ungewöhnliche emotionale Tiefe, die so mancher Vorgänger vermissen ließ und macht die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen den Figuren noch verwundbarer, wenn die Todesfalle zuschnappt.

Fieser, witziger, einfallsreicher – Der Tod kann wieder überraschen
Natürlich weiß auch der sechste Teil genau, was die Fans sehen wollen und liefert ab: Von der furios inszenierten Katastrophe zum Auftakt (deren Kettenreaktion an die goldene Ära des Katastrophenfilms erinnert), bis zu den immer grotesker werdenden Unfällen, die mit makabrem Witz und handfestem Splatter den Puls hochtreiben. Jede Szene spielt geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer: Wo lauert die nächste Gefahr? Wird das Messer, die Glasscherbe, die Piercingmaschine oder die Müllabfuhr zur tödlichen Waffe?

Die Regisseure Zach Lipovsky und Adam Stein, selbst erklärte Fans des Franchise, demonstrieren hier ihr Gespür für Timing und ironische Brechung. Sie wissen genau, wie man einen Gag aufbaut, Erwartungen schürt und dann im letzten Moment alles anders kommen lässt. Besonders gelungen: Die Szene im Tattoostudio, die erst mit den Möglichkeiten spielt, dann scheinbar enttäuscht, nur um später noch einmal doppelt so gemein zurückzuschlagen. In jeder Sequenz wird deutlich, dass sich das Team die Pause von über einem Jahrzehnt genutzt hat, um frische Ideen zu sammeln.

Auch die Besetzung funktioniert: Von der introvertierten Stefani (Kaitlyn Santa Juana) über ihren chaotischen Bruder Charlie und den gepiercten Cousin Erik bis zur altgewordenen, verbitterten Iris. Die Figuren sind keine bloßen Opferlämmer, sondern tatsächlich schräg, tragikomisch und so überzeichnet, dass man auch mal für einen Moment wirklich mit ihnen mitfiebert, bevor das Blut spritzt. Ein echtes Highlight: Der letzte, würdige Auftritt von Tony Todd als William Bludworth, der zum ersten Mal so etwas wie eine Hintergrundgeschichte bekommt und damit dem Franchise einen Hauch von Gravitas verleiht.

Allerdings bleibt Bloodlines trotz aller frischen Impulse und cleveren Einfälle ein typischer Final Destination-Film. Die Handlung ist, wie immer, bloß Vehikel für die Todeskette, manche Figuren bleiben zu blass, die CGI-Effekte sind nicht immer überzeugend und gegen Ende verlieren sich die Macher etwas zu sehr in der erweiterten Mythologie. Wer die Formel nach fünf Teilen nicht mehr sehen kann, wird auch hier nicht endgültig bekehrt. Für alle anderen bietet Teil sechs aber endlich wieder einen richtig fiesen, blutigen, einfallsreichen und unterhaltsamen Horrorabend, mit überraschend viel Gefühl und mindestens einer Szene, die man so schnell nicht vergisst.

Fazit:
Final Destination: Bloodlines liefert alles, was sich Fans nach so langer Wartezeit wünschen: spektakuläre, witzig-groteske Todesfälle, schwarzhumorigen Slapstick, raffinierte Suspense und liebevolle Verweise auf die Kultmomente der Reihe. Die Entscheidung, den Fokus auf eine Familie zu legen, sorgt für neue Spannung und verleiht dem Film einen ungewöhnlich starken emotionalen Unterbau, auch wenn das Familiendrama manchmal etwas klischeehaft bleibt und die Mythologie im letzten Drittel zu sehr ausufert.

Dennoch bleibt Bloodlines ein durch und durch unterhaltsamer und überraschend frischer Horrorfilm, der sich seiner eigenen Tradition bewusst ist und diese gezielt weiterentwickelt. Die Effekte sind nicht immer makellos, aber das Konzept funktioniert auch nach 25 Jahren immer noch verblüffend gut: Die Angst, dass der Tod hinter jeder Alltagsfalle lauert, bleibt zeitlos. Gerade deshalb dürfte Bloodlines alte und neue Fans gleichermaßen zufriedenstellen und macht neugierig auf alles, was dem Tod in Zukunft noch so einfällt.

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