Titel:
The Accountant 2
Original-Titel:
The Accountant 2
USA/2025
Verleih:
Warner Bros. Pictures

Laufzeit:
133 Minuten

Filmkritik: The Accountant 2

29.04.2025 - Andreas

Kaum zu glauben: Ausgerechnet The Accountant 2, die verspätete Fortsetzung eines soliden, aber nicht weltbewegenden Actionthrillers, gelingt ein kleiner Überraschungscoup. Statt reiner Repetition bietet der Film eine gelungene Mischung aus augenzwinkerndem Bruderkonflikt, ordentlich inszenierter Action und jeder Menge trockenem Humor, auch wenn die Handlung dabei kaum origineller wird.

Hauptprotagonist des Sequels ist wieder Christian Wolff (Ben Affleck), der ebenso geniale wie sozial herausgeforderte Buchhalter mit einer Leidenschaft für perfekte Ordnung und Präzision. Sein autistisches Verhalten sorgt weiter für schräg-unterhaltsame Szenen, zum Beispiel, wenn er beim Speed-Dating versucht, mit Steuerrechts-Anekdoten zu punkten und ganze Schlangen an Bewerberinnen in die Flucht schlägt. Schon hier zeigt sich: Teil 2 nimmt sich selbst weit weniger ernst als der Vorgänger und setzt auf einen leichteren, fast schon Buddy-Komödien-haften Ton.

Acht Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils taucht Christian Wolff erneut aus dem Untergrund auf. Nach dem Mord an seinem alten Weggefährten Ray King (J.K. Simmons) bittet die Ermittlerin Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson) den „Accountant“ um Hilfe: Es gilt, den Fall einer in die USA geflüchteten Familie zu lösen, die in die Fänge eines Menschenhändlerrings geraten ist. Schnell wird klar, dass das Netzwerk hinter dem Verbrechen größer und gefährlicher ist als gedacht. Um die Familie zu retten und dem perfiden System das Handwerk zu legen, holt Christian seinen extrovertierten Bruder Braxton (Jon Bernthal) mit ins Boot – und gemeinsam machen sich die beiden auf, mit analytischem Verstand, jeder Menge Fäusten und einigen unkonventionellen Methoden für Gerechtigkeit zu sorgen.

Entscheidend für den neuen Charme ist das Zusammenspiel von Affleck und Jon Bernthal als Braxton. Die Chemie zwischen den ungleichen Brüdern ist schlichtweg großartig: Während Christian introvertiert und stets sachlich bleibt, wirbelt Brax als charismatischer, extrovertierter Haudrauf durch die Handlung. Ihre Dialoge liefern den besten Humor des Films, nie bemüht, sondern einfach aus der Figurenkonstellation heraus, inklusive grandioser Schlagabtausche, die man so in kaum einem anderen Actionfilm findet. Es macht schlicht Freude, diesen beiden dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig anspielen und in ihren Rollen aufgehen.

Handlung mit Schwächen, aber starker Figurenführung
Die eigentliche Story rund um einen Fall von Menschenhandel, verschwundene Familien und einen geheimnisvollen Hinweis („Finde den Accountant!“) bleibt, trotz aller Aktualität, eher Mittel zum Zweck. Die Ermittlungen dienen vor allem als Bühne, um Christian und Braxton gemeinsam auf die Jagd zu schicken und das ist auch gut so. Der Film wechselt dabei routiniert zwischen Action, Humor und einigen ernsten Tönen, ohne je den Fehler zu machen, zu sentimental oder moralinsauer zu werden. Gerade die Dynamik zwischen Ermittlerin Medina und den Brüdern wird angenehm zwiespältig dargestellt: Medina steht zwischen Gesetz und Effizienz, zwischen dem Willen zur Gerechtigkeit und der Versuchung, den „Killer-Nerds“ freie Hand zu lassen. Auch wenn ihre Figur diesmal etwas blass bleibt, ist das ein sinnvoller Kontrast zu den launigen Brüdern.

Action satt – und alles mit einem Augenzwinkern
Action gibt es reichlich, wie es sich für ein Sequel dieser Art gehört. Regisseur Gavin O´Connor liefert solide inszenierte, angenehm harte, aber nie zu explizite Sequenzen, in denen der Bodycount munter in die Höhe schnellt. Die Gewalt wird dabei fast schon ironisch inszeniert, ganz nach dem Motto: Hier sind zwar die Guten keine Engel, aber die Bösen sind garantiert noch schlimmer. Wer Freude an klassischer Selbstjustiz-Action à la John Wick oder The Equalizer hat, wird hier bestens bedient, auch wenn The Accountant 2 das Genre nicht neu erfindet.

Interessant ist dabei die popkulturelle Selbstironie des Films. Er weiß, wie sehr er auf dem schmalen Grat zwischen klassischem Ballerkino, Comic-Übertreibung und Bruderkitsch wandelt und nimmt sich dabei nie zu wichtig. Absurde Details, überdrehte Schurken und sogar ein paar Seitenhiebe auf amerikanische Selbstjustiz-Mythen inklusive. Und immer wieder: das wunderbar harmonierende Duo Affleck/Bernthal, das selbst die absurdesten Szenen trägt.

Trotz der lockeren Gangart streift der Film ernstere Themen wie Flucht, Menschenhandel und systemische Gewalt. Das wird nie tiefgründig, aber immerhin mit Respekt behandelt und verleiht dem ansonsten oft leichten Ton gelegentlich unerwartete Wucht. Es ist diese Balance, die The Accountant 2 bemerkenswert macht: Hier wird schwere Kost in unterhaltsame, temporeiche Popcorn-Action verpackt, die dank ihrer Figuren mehr Tiefe bekommt, als man erwarten würde.

Fazit:
The Accountant 2 macht das, was gute Sequels tun sollten: Er nimmt die Stärken des Originals, ergänzt sie um frische Elemente und lässt alles ein bisschen größer, bunter und unterhaltsamer wirken. Die Handlung bleibt konstruiert, die Bösewichte sind Karikaturen, aber das Zusammenspiel von Ben Affleck und Jon Bernthal hebt den Film klar über den Durchschnitt. Dank flottem Tempo, stimmigen Actionszenen, trockenem Humor und ein paar gesellschaftlichen Seitenblicken ist dies eine gelungene Mischung aus Buddy-Movie, Actionthriller und ironischer Genrezitatmaschine.

Wer auf anspruchsvolle Krimi-Logik oder emotionalen Tiefgang hofft, wird hier nicht glücklich. Wer aber Lust auf einen launigen, hervorragend gespielten Brudermarathon mit Kugelhagel und coolen Sprüchen hat, bekommt genau das, was der Titel verspricht: handfestes, unterhaltsames Actionkino und einen der spaßigsten Filme im bisherigen Kinojahr.

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