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| Titel: A Working Man Original-Titel: A Working Man USA/2025 Verleih: Warner Bros. Pictures Laufzeit: 116 Minuten |
Filmkritik: A Working Man
19.04.2025 - Andreas
Stellt euch vor, ihr geht ins Kino, bestellt eine große Portion Popcorn, lehnt euch zurück und wisst schon ganz genau, was euch erwartet. Ein Mann mit Vergangenheit, ein Rachefeldzug, jede Menge russische Schurken und natürlich Jason Statham, der stoisch durch die Gegend marschiert und alles umhaut, was ihm in die Quere kommt. Klingt bekannt? Ist es auch. Mit A Working Man liefert Regisseur David Ayer genau das ab, was auf dem Plakat versprochen wird – und vielleicht sogar noch ein bisschen weniger.
Jason Statham ist längst zum Synonym geworden für das Ein-Mann-Abrissunternehmen auf der Leinwand. Seine Karriere, die ihn von The Transporter über Crank bis hin zu The Beekeeper geführt hat, ist ein einziger Reigen aus harten Fäusten, stoischem Blick und der immer gleichen Botschaft: Wenn das Gesetz versagt, packt halt einer selber an. Auch in A Working Man bleibt sich Statham treu. Er spielt Levon Cade, einst Elitekämpfer im schmutzigen Geschäft, heute scheinbar harmloser Bauarbeiter auf einer Großbaustelle in Chicago. Natürlich hält diese neue Idylle nur bis zum ersten Plotknall.
Als die Tochter seines Chefs, und so etwas wie eine eigene Tochter für ihn, von einem Menschenhändlerring entführt wird, setzt Statham alias Cade alle Sicherungen außer Kraft und startet die übliche Ein-Mann-Rettungsaktion. Die Handlung folgt dabei so exakt der bekannten Action-Formel, dass man beinahe geneigt ist, in den Szenen mitzureden: ein düsteres Trauma aus der Vergangenheit, eine Vater-Tochter-Beziehung, die für Motivation sorgen soll, und eine endlose Reihe von Bösewichten, die von Cade wie Dominosteine aus dem Weg geräumt werden. Und hier liegt das Kernproblem: A Working Man ist zu generisch. Regisseur David Ayer und Drehbuch-Co-Autor Sylvester Stallone, beide sonst durchaus in der Lage, Genre-Kost mit markanten Figuren zu versehen, liefern diesmal ein Produkt ab, das fast wie eine Parodie auf das eigene Schaffen wirkt. Die Actionszenen sind hektisch geschnitten, die Choreographien beliebig und oft so nah an der Kamera, dass man mehr erahnt als wirklich sieht. Klar, ein paar spektakuläre Schauplätze sind dabei, aber wirklich erinnerungswürdig ist keine Szene.
Auch bei den Figuren bleibt fast alles an der Oberfläche. Jason Statham bemüht sich zwar redlich, seiner Rolle als Levon Cade so etwas wie Tiefe einzuhauchen, scheitert aber spätestens an den Dialogen, die wirken, als wären sie aus einem KI-Baukasten für Action-Sprüche gezogen. Hinzu kommt eine geradezu aufdringliche Coolness, die irgendwann nur noch unfreiwillig komisch wirkt, von sympathischem Understatement keine Spur. Die emotionale Motivation, das Verhältnis zur eigenen Tochter, der Konflikt mit der Vergangenheit, die Loyalität zu seinem Chef, bleibt reine Behauptung und wird nie wirklich zum Dreh- und Angelpunkt des Films. Die Nebenfiguren, darunter Michael Peña, David Harbour und Jason Flemyng, werden zu Statisten degradiert, die entweder völlig verschenkt oder überzeichnet sind. Die russische Mafia agiert wie ein Relikt aus den 90ern, jeder zweite Gangster trägt Klischees so dick auf, dass es fast weh tut. Selbst die von vielen erwartete Ironie oder ein Augenzwinkern fehlen nahezu komplett. Der Film macht es sich in seinen Genre-Konventionen bequem und nimmt sie, anders als etwa die John Wick-Reihe, auch nie ironisch auf die Schippe.
Doch selbst Fans werden sich diesmal schwertun. Die Action wirkt trotz FSK-18-Freigabe merkwürdig zahm, die Gewalt oft zerschnitten und unübersichtlich. Der Subtext über Familie, Schuld und zweite Chancen bleibt oberflächlich, emotionale Anker gibt es kaum. Lediglich die Dynamik zwischen Cade und seiner eigenen Tochter, ein Nebenstrang, der das Thema Trauma zumindest anreißt, deutet kurz an, was möglich gewesen wäre.
Visuell kann A Working Man mit einigen hochwertigen Kulissen und einer grundsoliden Kameraarbeit punkten. Doch das allein reicht nicht, um die dramaturgische Leere zu füllen. Selbst die Musik scheint manchmal nicht so recht zu wissen, zu welchem Film sie eigentlich gehört, das Sounddesign pendelt zwischen 08/15-Action und unfreiwilliger Comedy.
Letztlich bleibt ein Film, der wie ein überlanger Trailer für ein Franchise wirkt, das hoffentlich niemand braucht. Chuck Dixons Romanreihe, die hier eigentlich das Material für mehrere Teile liefert, hätte man sich sparen können, wenn schon der erste Aufschlag so blass bleibt. Für Statham selbst ist A Working Man ein weiterer Eintrag auf der langen Liste von Rollen, in denen er kompromisslos durch die Unterwelt pflügt, ohne je wirklich an seine Grenzen zu stoßen.
Fazit:
A Working Man ist solide Hausmannskost für Fans kompromissloser Actionfilme, die sich nach klassischen Statham-Momenten sehnen. Das Rezept: Eine einfache Rachegeschichte, eine Handvoll harter Kämpfe, viele Patronen und ein Held, der alles überlebt. Wer damit zufrieden ist, bekommt zwei Stunden schnelle, laute und meist vorhersehbare Unterhaltung.
Doch der Film verschenkt viel Potenzial. Aus der Romanvorlage von Chuck Dixon hätte man mehr machen können, gerade die Ansätze rund um Familie, Loyalität und innere Konflikte werden nur kurz angedeutet. So bleibt der Film seltsam leblos und wirkt wie ein routinierter Abklatsch besserer Vorbilder, ohne Charme, Selbstironie oder echten Biss. Wer Statham liebt, wird ein paar kernige Szenen zu schätzen wissen. Wer aber Innovation, Charakterentwicklung oder einfach mehr Persönlichkeit sucht, bleibt außen vor. Am Ende steht A Working Man symptomatisch für ein Actiongenre, das dringend frische Ideen braucht – und für einen Star, dem ein wenig Selbstironie und Mut zur Abwechslung gut zu Gesicht stünden.



