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| Titel: Captain America - Brave New World Original-Titel: Captain America - Brave New World USA/2025 Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Laufzeit: 118 Minuten |
Filmkritik: Captain America - Brave New World
14.02.2025 - Andreas
Die Marvel Studios wagen mit Captain America Brave New World einen Neuanfang: Ein neuer Captain, ein neuer Präsident, ein neuer Ton und dennoch bleibt vieles beim Alten. Während im Vorfeld die Produktionsprobleme, Nachdrehs und negative Testscreenings für Skepsis sorgten, steht nun die Frage im Raum, ob dieser vierte Captain-America-Film tatsächlich frischen Wind ins MCU bringen kann oder doch nur ein weiteres Kapitel in der endlosen Marvel-Saga darstellt.
Im Mittelpunkt steht Sam Wilson (Anthony Mackie), der als Nachfolger von Steve Rogers in die Fußstapfen des legendären Captain America tritt. Unterstützt von Joaquin Torres (Danny Ramirez), der die Falcon-Rolle übernimmt, und der Beraterin Ruth Bat-Seraph (Shira Haas), wird er in einen internationalen Konflikt hineingezogen. US-Präsident Thaddeus Ross (Harrison Ford) ist nicht nur politischer Strippenzieher, sondern steht im Verlauf des Films selbst im Mittelpunkt eines Komplotts, das weitreichende Folgen für die Welt und das MCU hat.
Die Handlung beginnt mit einem klassischen Marvel-Anschlag: Während eines Empfangs im Weißen Haus gerät alles außer Kontrolle, Attentäter unter Gedankenkontrolle, Superwaffen, internationale Verschwörungen und mittendrin ein Captain, der noch immer um seinen Platz im eigenen Universum ringt. Trotz der neuen Figuren, einer Prise Polit-Thriller und eines von Harrison Ford solide verkörperten Präsidenten gelingt es dem Film nur selten, aus dem Schatten seiner Vorgänger zu treten.
Alte Muster, neues Gewand Captain America Brave New World setzt in vielerlei Hinsicht auf Bewährtes: Die Buddy-Dynamik zwischen Cap und seinem neuen Falcon bleibt blass, zu Bucky fehlt die Chemie, und auch das Zusammenspiel mit Ruth Bat-Seraph oder Präsident Ross kann selten wirklich Akzente setzen. Zwar bietet Ford als Thunderbolt Ross einen gewissen Charme, doch das Drehbuch bleibt ihm, wie den meisten Nebenfiguren, schuldig, mehr aus den Ansätzen zu machen.
Visuell gibt sich der Film stellenweise ambitioniert. Die handgemachte Action erinnert in Ansätzen an The Winter Soldier, ohne jedoch dessen Intensität oder Einfallsreichtum zu erreichen. Besonders ein Luftkampf über der Celestial-Statue oder das finale Duell zwischen Cap und Red Hulk setzen Akzente, doch zu oft verliert sich Brave New World in beliebigen CGI-Schlachten und vorhersehbaren Showdowns, bei denen Autos, Häuser und ganze Stadtviertel zu Bruch gehen.
Auch thematisch hätte der Film durchaus Potenzial: Die Idee eines neuen Präsidenten, der in Wutausbrüchen zum roten Monster mutiert, bietet eine Steilvorlage für politische Subtexte, die Marvel diesmal aber konsequent negiert. Stattdessen bleibt es beim üblichen Status-quo-Ringen – Superhelden gegen Systemzerstörer, ohne klare Kante, ohne Haltung. Was Captain America Brave New World am meisten fehlt, ist ein emotionaler Anker. Während Carl Lumbly als Isaiah Bradley noch die stärksten Momente liefert, bleibt Anthony Mackie als Sam Wilson erstaunlich unnahbar. Sein Captain America ist stets souverän, nahezu perfekt, aber kaum verwundbar – und genau das macht es schwer, als Zuschauer mit ihm mitzufiebern. Weder leidet man mit ihm, noch fürchtet man je wirklich um ihn. Auch das Zusammenspiel mit den anderen Figuren bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück: Die Dialoge sind häufig steif, die Chemie will nicht recht zünden.
Das größte Problem bleibt aber die Story. Trotz vieler Ansätze – internationale Verschwörung, Gedankenmanipulation, Rückbezüge zu Eternals, ein moralisch zwiespältiger Präsident – bleibt alles zu oberflächlich. An den großen Vorgänger The Winter Soldier kommt Brave New World zu keiner Zeit heran: Weder die Action noch die Bedrohung entfalten bleibende Wirkung, der Bösewicht bleibt blass, das Finale belanglos. Marvel schafft es zwar, das Multiversum diesmal im Zaum zu halten und den Film weitgehend für sich stehen zu lassen, doch das allein reicht nicht, um die Begeisterung neu zu entfachen.
Fazit:
Captain America Brave New World ist ein solider, in sich geschlossener Marvel-Film, der sich redlich um einen Neustart bemüht, ohne wirklich neue Akzente zu setzen. Die Action ist handgemacht, der Humor dezent, und Harrison Ford verleiht dem Ganzen eine Prise Hollywood-Glanz. Doch die eigentlichen Stärken der Reihe, emotionale Tiefe, originelle Dynamik, überraschende Wendungen, bleiben auf der Strecke. Wer sich nach frischem Wind und bleibenden Eindrücken im MCU sehnt, wird hier enttäuscht. Fans des Franchises finden solide Unterhaltung, echte Highlights bleiben jedoch Mangelware. Am Ende bleibt ein Captain America, der zwar würdig den Schild trägt, aber nie wirklich ins Straucheln gerät und ein Film, der vieles richtig macht, aber wenig wagt. Ein Neustart, der nicht wehtut, aber auch nicht begeistert.



