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The Witcher 3: Wild Hunt – Songs of the Past

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Elf Jahre nach der Veröffentlichung von The Witcher 3: Wild Hunt kehrt Geralt noch einmal zurück. Songs of the Past soll 2027 als dritte große Erweiterung erscheinen und führt in Rittersporns Heimat Letten. Eine rund 45-minütige Hands-off-Präsentation auf der gamescom 2026 zeigte eine neue offene Region, ein düsteres Familiengeheimnis und erste Änderungen am Kampfsystem. Der späte Nachschlag wirkt dabei überraschend vertraut und gerade darin liegt bislang seine größte Stärke.

Teaser-Trailer

Die Präsentation beginnt am Morgen nach dem Belleteyn-Fest. Geralt wacht nach einer langen Nacht an einem Flussbett auf und erinnert sich an einen merkwürdigen Traum von einem Brunnen, Dornen und violetten Blumen. Von Rittersporn selbst fehlt jede Spur. Zurückgeblieben ist lediglich seine Laute, die inzwischen von einem Betrunkenen malträtiert wird. Geralt kann das Instrument friedlich zurückfordern oder die Angelegenheit mit den Fäusten klären. Schon diese kleine Szene erinnert daran, weshalb die Quests von The Witcher 3 so gut funktionieren, denn selbst unscheinbare Situationen lassen Raum für Entscheidungen und charakterisieren die Welt, ohne daraus ein großes Spektakel machen zu müssen.

Die Suche führt zum Anwesen der Familie von Lettenhove. Rittersporn stammt aus einem wohlhabenden Adelsgeschlecht, über dessen Geschichte bislang nur wenig bekannt war. Seine Großmutter scheint mehr über sein Verschwinden zu wissen, möchte die Sache jedoch möglichst schnell abtun. Cousine Lilla hält dagegen und überzeugt Geralt, einer alten Familienlegende nachzugehen. Die Szene am Frühstückstisch lebt von kleinen Blicken, Sticheleien und unausgesprochenen Konflikten. Genau hier zeigt Songs of the Past seine stärkste Seite, nicht ein drohendes Weltende treibt Geralt an, sondern die Sorge um einen alten Freund und dessen komplizierte Familie.

Geralt reitet auf Plötze durch die sonnige Region Letten.
Die neue Region Letten wirkt zunächst beinahe idyllisch.

Letten selbst bildet den größtmöglichen Kontrast zum Krieg auf dem übrigen Kontinent. Felder, Dörfer und Handwerksbetriebe prägen eine Landschaft, die von der südpolnischen und englischen Provinz inspiriert wurde. Die Region wirkt wohlhabend, fruchtbar und beinahe unnatürlich friedlich. Bewohner arbeiten auf den Feldern, fahren mit Booten und gehen sichtbar ihrem Alltag nach. Die offene Welt soll ungefähr die Größenordnung früherer großer Erweiterungsgebiete erreichen. Wie abwechslungsreich sie abseits der gezeigten Geschichte tatsächlich ausfällt, lässt sich nach der Präsentation allerdings noch nicht beurteilen.

Die Idylle hält ohnehin nicht lange. Geralt und Lilla reiten zum Garten der Dornen, einem verwunschenen Garten, der bereits im Traum des Hexers auftauchte. Dichte Wurzeln versperren den Weg, Pflanzen scheinen sich vom Blut verendeter Tiere zu ernähren und die freundliche Landschaft weicht einer düsteren Märchenwelt. Der Zugang lässt sich auf unterschiedliche Weise öffnen, in der Vorführung entschied sich der Entwickler für die schnelle Lösung mit dem Schwert. Die vorhandene Dialogauswahl deutet aber an, dass auch hier mehrere Wege und möglicherweise spätere Konsequenzen vorgesehen sind.

Geralt steht mit einer Fackel zwischen gewaltigen Wurzeln im Garten der Dornen.
Der Garten der Dornen bildet den düsteren Gegenpol zur friedlichen Landschaft.

Im Garten warten neue Gegner. Fleischfressende Ranken spucken Gift, riesige Hundertfüßer greifen aus dem Dickicht an und sogenannte Swarmions tragen einen schützenden Hornissenschwarm mit sich. Später begegnet Geralt dem untoten Humbert, einem Vorfahren der Lettenhoves, dessen Körper halb Skelett und halb wucherndes Holz geworden ist. Der Boss wechselt mit seinem pflanzlichen Arm zwischen Lanze, Peitsche und Schild, während Geralt ausweicht, Zeichen wirkt und mit Bomben sowie Silberschwert angreift. Das ist im Kern weiterhin The Witcher 3, wirkt durch flüssigere Bewegungen und neue Animationen aber spürbar lebendiger.

Die auffälligste neue Mechanik ist eine schwere Kette mit Haken. Geralt kann Gegner damit zu sich ziehen, ihre Verteidigung aufbrechen oder die Kette als weit ausholende Schlagwaffe verwenden. Gegen die von Hornissen geschützten Swarmions trennt er einzelne Feinde aus der Gruppe und setzt unmittelbar zum Finisher an. Das Werkzeug fügt sich überraschend gut in Geralts Arsenal ein und dürfte Kämpfen mehr taktische Möglichkeiten geben. Ob es langfristig mehr als ein effektvoller Zusatz bleibt, muss sich beim eigenen Spielen zeigen.

Geralt setzt im Kampf gegen mehrere Untote seine neue Kettenwaffe ein.
Die neue Kette zieht einzelne Gegner aus einer Gruppe heraus.

Songs of the Past entsteht auf Grundlage der Remastered-Fassung von The Witcher 3. Das kostenlose Upgrade soll am 29. September 2026 erscheinen und überarbeitet unter anderem Animationen, Gegnerverhalten, Kampfsystem und Fortschritt. Statt der alten Fähigkeitenübersicht gibt es einen klarer strukturierten Talentbaum mit überarbeiteten sowie neuen Fertigkeiten. Spieler sollen früher mehr Punkte erhalten und dadurch leichter verschiedene Spielweisen ausprobieren können. In der kurzen Menüansicht blieb allerdings offen, wie stark sich diese Änderungen im Alltag wirklich auswirken.

Optisch profitiert Letten von dichterer Vegetation, neuer Beleuchtung und erweitertem Raytracing. Besonders die Übergänge zwischen sonniger Provinz und bedrohlichem Dornengarten funktionieren bereits sehr gut. Gleichzeitig verschwindet das Alter des Grundgerüsts nicht vollständig. Gesichter und Haare erinnern stellenweise weiterhin an ein Spiel aus dem Jahr 2015. Das ist kein schwerwiegendes Problem, verhindert aber, dass die Remastered-Fassung wie eine komplette Neuentwicklung wirkt.

Eine geheimnisvolle Gestalt ist in einer unterirdischen Höhle mit Wurzeln verwachsen.
Unter dem Garten wartet eine von Wurzeln umschlossene Gestalt.

Die größte offene Frage betrifft weniger Technik oder Umfang als Geralts Rückkehr selbst. Blood and Wine gab dem Hexer einen nahezu perfekten Abschied und einen glaubwürdigen Ort für seinen Ruhestand. Songs of the Past muss deshalb rechtfertigen, warum diese Geschichte noch erzählt werden musste. Der persönliche Fokus auf Rittersporn ist dafür eine kluge Wahl. Statt Geralt erneut die Welt retten zu lassen, rückt die Erweiterung eine Freundschaft in den Mittelpunkt, die in den Spielen häufig für Humor sorgte, aber nur selten genauer beleuchtet wurde.

Nach den gezeigten 45 Minuten wirkt die neue Geschichte nicht revolutionär. Die idyllische Region mit dunklem Geheimnis erinnert deutlich an Toussaint, das Kampfsystem bleibt trotz neuer Kette wiedererkennbar und viele vertraute Abläufe kehren zurück. Doch Songs of the Past versteht offenbar sehr genau, was The Witcher 3 bis heute auszeichnet. Dazu gehören glaubwürdige Figuren, moralisch unklare Entscheidungen, sorgfältig erzählte Nebenmomente und eine Welt, deren Schönheit stets etwas Unheimliches verbirgt. Wenn Fool's Theory und CD Projekt Red dieses Niveau über die gesamte Erweiterung halten, könnte Geralts später Nachschlag mehr werden als bloße Vorbereitung auf The Witcher 4.

Ersteindruck

Ersteindruck vonAndreasUnsere EinschätzungSehr gut

Songs of the Past sieht bislang wie eine sehr bewusste Rückkehr zu den Stärken von The Witcher 3 aus. Letten verbindet eine einladende Landschaft mit düsterer Folklore, Rittersporns Familie verspricht ein persönlicheres Abenteuer und die neue Kette könnte dem vertrauten Kampfsystem zusätzliche Tiefe geben. Die Remastered-Technik macht einen sichtbaren Unterschied, kann das Alter des Spiels aber nicht vollständig verbergen. Entscheidend wird sein, ob die Erweiterung Geralts bereits gelungenen Abschied sinnvoll ergänzt. Nach der gamescom-Präsentation überwiegt die Vorfreude deutlich, ganz verschwunden sind die Zweifel jedoch noch nicht.

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