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The End of Oak Street

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Eine amerikanische Vorstadt im Jahr 1982, eine Familie kurz vor dem Auseinanderbrechen und Dinosaurier, die plötzlich durch Vorgärten und Wohnzimmer ziehen: The End of Oak Street klingt zunächst wie eine besonders schräge Variante von Jurassic Park. Regisseur David Robert Mitchell macht daraus jedoch weit mehr als bloßen Dino-Trash. Sein Film ist eine ebenso liebevolle wie hemmungslose Verbeugung vor dem großen Unterhaltungskino der Achtzigerjahre., spannend, komisch und gerade eigenständig genug, um nicht vollständig unter seinen Vorbildern begraben zu werden.

In der Oak Street scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Beim sommerlichen Straßenfest werden Hot Dogs gegrillt, Kinder messen sich beim Sackhüpfen und die gepflegten Vorgärten strahlen mit ihren Bewohnern um die Wette. Auch Denise und Greg Platt wirken gemeinsam mit ihren Kindern Audrey und Brian zunächst wie eine amerikanische Bilderbuchfamilie. Hinter der sorgfältig gepflegten Fassade haben sich allerdings längst Risse gebildet.

Greg hat seinen Arbeitsplatz verloren, hält sich mit Nebenjobs über Wasser und verschweigt seiner Familie, wie ernst die finanzielle Lage tatsächlich ist. Denise wiederum schreibt heimlich an einem Roman über eine unglückliche Hausfrau, die ihre Familie verlässt, um in New York ein neues Leben zu beginnen. Dass es sich dabei nur um harmlose Fiktion handeln soll, glaubt nicht einmal sie selbst. Während ihre Ehe immer stärker unter unausgesprochenen Enttäuschungen leidet, kämpfen Audrey und Brian mit ihren eigenen Problemen.

Für eine ausführliche Familientherapie bleibt jedoch keine Zeit. Zunächst wächst im Garten eine Pflanze, die seit Millionen Jahren ausgestorben sein müsste. Dann taucht auf dem Nachbargrundstück ein Misthaufen auf, für den selbst der Familienhund nicht verantwortlich gemacht werden kann. Nach einem nächtlichen Lichtblitz und einem gewaltigen Beben ist die Oak Street schließlich von der Außenwelt abgeschnitten. Wo eben noch Nachbarn über Grundstücksgrenzen gestritten haben, streifen nun hungrige Dinosaurier durch die Straßen.

The End of Oak Street – Trailer

David Robert Mitchell lässt keinen Zweifel daran, welche Filme ihn geprägt haben. The End of Oak Street erinnert an E.T., Die Goonies, Poltergeist und natürlich Jurassic Park. Produzent J. J. Abrams kennt diese Form der nostalgischen Spielberg-Verehrung bereits aus Super 8. Trotzdem fühlt sich der Film nicht einfach wie eine weitere künstlich gealterte Kopie an. Mitchell versteht nicht nur die Oberfläche seiner Vorbilder, sondern auch deren Rhythmus.

Bevor das Chaos ausbricht, nimmt sich der Film ausreichend Zeit für seine Figuren und die räumlichen Eigenheiten der Nachbarschaft. Kleine Hinweise kündigen das Unheil an, während sich im Hintergrund längst Dinge bewegen, die von den Bewohnern noch gar nicht wahrgenommen werden. Gemeinsam mit Kameramann Mike Gioulakis nutzt Mitchell Vorgärten, Fenster, Zäune und Hauseingänge, um das Blickfeld des Publikums immer wieder geschickt zu begrenzen. Häufig sieht man den Dinosaurier nicht vollständig und versteht trotzdem sehr genau, was auf der anderen Seite eines Zauns gerade geschieht.

Gerade in diesen Momenten zeigt sich die Erfahrung des It-Follows-Regisseurs. Mitchell weiß, dass Spannung nicht allein durch laute Angriffe entsteht, sondern durch das Warten auf etwas, das möglicherweise bereits im Bild lauert. Die prähistorischen Kreaturen werden deshalb nicht sofort in voller Größe präsentiert. Ein Rascheln im Gebüsch, ein flüchtiger Schatten oder eine Bewegung hinter dem Haus reichen aus, um die scheinbar sichere Vorstadt zunehmend bedrohlich wirken zu lassen.

Wenn die Dinosaurier schließlich losgelassen werden, entwickelt sich The End of Oak Street zu einem erfreulich abwechslungsreichen Survival-Abenteuer. Statt das Publikum mit einer möglichst großen Zahl austauschbarer Urzeitechsen zu überrollen, erhält beinahe jede Begegnung eine eigene Idee. Die Bedrohung kommt vom Boden, aus der Luft und sogar aus dem Wasser. Dabei wechseln sich wirkungsvolle Schreckmomente, brutale Angriffe und herrlich absurde Situationen ab, ohne dass der Film vollständig in Klamauk kippt.

Auch visuell überzeugen die Kreaturen. Der bewusst an analoges Filmmaterial erinnernde Look harmoniert erstaunlich gut mit den modernen Spezialeffekten. Vor allem der Kontrast zwischen gewaltigen Dinosauriern und akkurat gepflegten Vorgärten erzeugt Bilder, die im überbeanspruchten Dino-Genre tatsächlich noch frisch wirken. Nicht jeder Effekt ist perfekt, doch insgesamt verkauft der Film seine außergewöhnliche Prämisse bemerkenswert glaubwürdig.

Das emotionale Zentrum bleibt Anne Hathaway. Als Denise wechselt sie überzeugend zwischen Erschöpfung, Panik, Entschlossenheit und lange unterdrückter Wut. Ihre Figur wird nicht plötzlich zur unerschütterlichen Actionheldin, sondern zu einer Mutter, die trotz ihrer Zweifel alles versucht, um ihre Familie zu retten. Hathaway verleiht auch den leiseren Szenen das notwendige Gewicht und verhindert, dass die familiären Konflikte lediglich wie vorgeschriebene Pausen zwischen den Dino-Angriffen wirken.

Ewan McGregor spielt Greg als gutmütigen, aber passiven Mann, der seine Probleme so lange verdrängt hat, bis sie nicht mehr zu übersehen sind. Gemeinsam funktionieren Hathaway und McGregor überzeugend, auch wenn ihre Ehekrise bekannten Mustern folgt. Überhaupt bleiben die Figuren etwas einfacher gezeichnet, als man es von Mitchells früheren Filmen erwarten könnte. Die existenziellen Sorgen der Familie werden wirkungsvoll etabliert, aber nicht besonders tief ausgelotet.

Darin liegt auch die größte Schwäche des Films. The End of Oak Street möchte gleichzeitig eigenwilliges Genrekino und zugänglicher Sommerblockbuster sein. Meistens gelingt diese Verbindung erstaunlich gut. Im letzten Abschnitt entscheidet sich Mitchell allerdings etwas zu deutlich für die sichere, emotionale Auflösung. Das funktioniert, wirkt aber konventioneller als vieles, was der Film zuvor aufgebaut hat.

Fazit

YouGame-Wertung
8/10
Sehr gut
Fazit vonAndreas

The End of Oak Street ist eine äußerst unterhaltsame Mischung aus Familienfilm, Survival-Thriller und Dinosaurier-Abenteuer. David Robert Mitchell bedient sich offen bei Spielberg und dem Amblin-Kino der Achtzigerjahre, versteht aber, warum diese Filme bis heute funktionieren. Seine geduldige Inszenierung, die einfallsreichen Dino-Begegnungen und der überzeugende Retro-Look machen aus der ungewöhnlichen Prämisse weit mehr als einen nostalgischen Gag.

Anne Hathaway trägt den Film mit einer starken, körperlich intensiven Darstellung, während Ewan McGregor und die jungen Darsteller für eine glaubwürdige Familiendynamik sorgen. Ganz so komplex wie Mitchells frühere Arbeiten ist der Film nicht, und im Finale fehlt ihm etwas der Mut, seinen eigenen Weg konsequent weiterzugehen. Als spannendes, humorvolles und technisch starkes Popcornkino funktioniert The End of Oak Street aber ausgezeichnet. So viel Spaß hat ein eigenständiger Dinosaurierfilm schon lange nicht mehr gemacht.

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